Kaum Plastikteilchen im Schweizer Bienenhonig

  • Veröffentlicht am: 08.05.2018
Honigverkostung in Landquart am Plantahof, Foto: Niels Gründel

Wissenschaftliche Laboruntersuchungen bestätigen, dass Schweizer Bienenhonig nicht wie vom Fernsehmagazin Kassensturz behauptet, mit Mikroplastik verunreinigt ist. Unter dem Titel „Plastik im Honig: Test zeigt Verschmutzung im Naturprodukt“ wurden Schweizer Honigkonsumenten im März 2014 durch eine Sendung des Kassensturz aufgeschreckt.

Gemäß einer im Auftrag des Schweizer Fernsehen SRF durchgeführten Studie an einer deutschen Universität waren alle untersuchten Schweizer Bienenhonige zum Teil massiv mit Plastikteilchen belastet. „Der Wind transportiert den Plastik in die Umwelt. Die Plastikteilchen schweben in der Luft und lagern sich auf den Blütenpollen ab. Dort nehmen ihn die Bienen auf und fliegen damit zurück zum Stock“ – so die Aussage des Magazins Kassensturz. Die eidgenössische Stiftung Konsumentenschutz ging sogar noch einen Schritt weiter und empfahl den Honigkonsumenten, auf den Konsum von Schweizer Bienenhonig zu verzichten oder auf ausländische Produkte auszuweichen.

Der Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB), Mitglied der nationalen Dachorganisation Apisuisse, war über diese Befunde überaus besorgt, gilt doch Schweizer Bienenhonig als das reine Naturprodukt schlechthin. Wäre es denkbar, dass die Schweizer Imkerschaft vielleicht sogar zu diesem Problem beitragen würden? Um diese und weitere Fragen zu beantworten, suchte der VDRB die Zusammenarbeit mit einem renommierten Labor, um Herkunft und chemische Zusammensetzung dieser Teilchen zu bestimmen. Das international tätige Unternehmen Intertek erfüllte alle Voraussetzungen. Die Zusammenarbeit mit Imkerverbänden im Ausland kam nicht zustande.

Zusammen mit der Firma Intertek wurden Schweizer Bienenhonige verschiedener Herkunft nach höchsten wissenschaftlichen Standards untersucht. Mit Kontrolldurchgängen wurde sichergestellt, dass die Resultate nicht durch die Versuchsanordnung oder durch Partikel aus der Umgebung verfälscht wurden.

Nur in einem einzigen Fall konnte in einem der untersuchten Honige ein Teilchen gefunden werden, welches aufgrund seiner chemischen Struktur Plastik zugeordnet werden konnte. Von einer systematischen Verunreinigung des Schweizer Bienenhonigs mit Mikroplastik kann also überhaupt nicht die Rede sein. Auch die vom Kassensturz verbreitete Hypothese, dass Bienen Mikroplastik in den Bienenstock eintragen, sind durch diese Befunde entkräftet. Zum gleichen Schluss kamen übrigens auch andere wissenschaftliche Untersuchungen, welche Mikroplastik-Verunreinigungen – wie sie vom deutschen Universitätsinstitut für Bier beschrieben worden waren – untersucht hatten.

Nachgefragt im Interview

Die Imkerschaft wurde bei der Studie durch Dr. Robert Sieber, Mitglied des Zentralvorstandes des VDRB, vertreten. bienen-nachrichten.de hat nachgefragt:

Imkerverbände aus dem Ausland haben sich nicht an Ihrer Studie beteiligt. Bei einem großen Verband kann es ja weniger am finanziellen Aufwand liegen. Hat man Ihnen gegenüber einen Grund benannt?

Ja, die Kollegen waren der Ansicht, dass es nicht die Aufgabe eines Imkerverbandes sein könne, solche Studienresultate zu widerlegen. Das sahen wir allerdings anders. Vor allem, weil es sich beim Honig um ein für uns Imker und Imkerinnen so wichtiges Produkt handelt. Und die finanziellen Aufwendungen sind übrigens nicht zu unterschätzen!

Auf einige wenige Partikel sind Sie im Rahmen Ihrer Studie doch noch gestoßen. Welche waren das?

Solche Untersuchungen sind in der Tat fast ein wenig brutal. Sie zeigen schonungslos alle Teilchen auf, welche sich in einem Honig befinden. Dazu gehören sicher solche, die wir erwarten durften wie Pollen oder kleinste Körperteilchen von Bienen. Dann fanden wir aber auch Glaspartikel oder Cellulosefasern und in einigen Fällen Teilchen von Farbstoffen, wie sie beispielsweise beim Anstrich von Flugbrettchen verwendet werden.

Einen Unterschied zwischen Holz- und Styroporbeute haben Sie nicht ausmachen können?

Nein, obwohl wir das eigentlich erwartet hatten. Wir hatten vermutet, dass die Bienen von den Styroporbeuten kleinste Teilchen abnagen würden, welche wir dann als Rückstände im Honig finden würden. Dem war aber klar nicht so. Styroporbeuten sind also diesbezüglich unbedenklich.

Vermutlich sind die meisten Partikel auf Imkerkleidung und Rückstände des Smokers zurückzuführen. Sogar der Anstrich der Beuten scheint Rückstände zu hinterlassen. Was bedeutet das für die imkerliche Praxis?

Das bedeutet, dass wir in der imkerlichen Praxis gar nicht genug auf die Sauberkeit achten können. Das wussten wir Imker und Imkerinnen aber bereits vor dieser Untersuchung, oder nicht?

Kunststofffolie bei Magazinbeuten zwischen der obersten Zarge und dem Dämmdeckel als Schutz vor dem Verkleben durch die Bienen ist wahrscheinlich auch keine gute Idee, weil sie im Laufe der Zeit von den Bienen angeknabbert wird?

Das kann ich aufgrund der Untersuchungen nicht bestätigen. Ich selber verwende aber eine Hartkunstofffolie, welche von den Bienen nicht angeknabbert wird.

Literaturstelle: 

Mühlschlegel, P; Hauk. A.; Walter, U. and Sieber R., 2017; Lack of evidence for microplastic contamination in honey. Food Additives and & Contaminants: Part A, DOI:10.1080/19440049.2017.1347281

Der Zugang zur Studie ist beschränkt (Paywall).
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