Wildbienen-Nest aus Kunststoff-Abfällen

  • Veröffentlicht am: 11.06.2019
Mariana Laura Allasino bei der Kontrolle der Nisthilfen. Foto: Instituto de Investigación y Desarrollo Tecnológico para la Agricultura Familiar Región Cuyo

Das Überleben vieler Arten hängt von ihrer Fähigkeit ab, sich an neue Umweltbedingungen anzupassen. Plastikabfälle sammeln sich nicht nur im Meer, auch in der Landwirtschaft. Sie können die Vielfalt und das Verhalten von Wildtieren verändern – auch von Bienen.

In einem Saatgut-Betrieb für Zichorien Cychorium intybus nahe San Juan Pocito wurden 63 Nistblöcke für Wildbienen aufgestellt. Die Nistblöcke bestanden aus Holz; sie waren jeweils 2 x 2 x 12 cm groß und hatten an einer Seite ein Eintrittsloch.
Einige Solitärbienen nutzten das Angebot, wobei ein Nistblock bei den regelmäßigen Kontrollen besonders hervorstach: Darin befanden sich drei Zellen, die vollständig mit zwei unterschiedlichen Arten Kunststoff ausgekleidet waren – einer entsprach der Folie eines blauen Plastiksacks und einer entstammte einer festeren weißen Kunststofffolie.

Da die einzige in den Zellen vorhandene Larve tot war, konnte die Spezies, die das Nest baute, nicht bestimmt werden. Allerdings gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es wahrscheinlich eine Luzerne-Blattschneiderbiene Megachile rotundata war, eine in Argentinien nicht heimische Art, die aber zur kommerziellen Bestäubung eingeführt wurde und sich seither weit verbreitet hat.

„Unsere ursprüngliche Absicht war es nicht, Bienen zu untersuchen, die Kunststoff verwenden. Das Bienennest, das nur aus Plastik gebaut wurde, war ein zufälliger Fund, der im Rahmen einer umfassenderen Forschungsarbeit zustande kam“, so Studienautorin Mariana Allasino vom INTA in San Juan. „In dieser Studie versuchen wir zu evaluieren, wie bestimmte landwirtschaftliche Praktiken zu einer besseren Bestäubung von Pflanzen in Ökosystemen führen können, indem Bedingungen gefördert werden, die die Erhaltung verschiedener Bestäuberpopulationen begünstigen. In diesem Sinne analysieren wir, ob die Vegetation an der Grenze der Kulturpflanzen, die umgebende Agrarlandschaft und die Struktur der Pflanzen- und Bestäubergemeinschaften die Qualität des Ökosystemdienstes für die Bestäubung von Saatgut für den Gartenbau in San Juan beeinflussen.“

Es ist die erste Studie, die Kunststoff als einzige Ressource für die Gesamtkonstruktion eines Bienennestes zeigt. „Als ich die Zellen aus Kunststoff fand, war ich sehr überrascht, denn obwohl ich wusste, dass kanadische Forscher Hinweise auf Kunststoff in Bienennestern gefunden hatten, hätte ich mir nie vorgestellt, dass ich an meinem Studienort ein Nest finden würde, das komplett aus Kunststoff besteht“, erklärt Mariana Allasino. „Das Faszinierendste an diesem Ergebnis ist, dass es die Anpassungsfähigkeit zeigt, die bestimmte Bienenarten angesichts der veränderten Umweltbedingungen haben. Dies lässt mich darüber nachdenken, wie überwältigend die menschliche Aktivität sein kann, ein Lebewesen von nur 1 cm zu veranlassen, sein Verhalten zu ändern, um seinen biologischen Zyklus fortzusetzen.“

Die Bienen zeigen sich erstaunlich flexibel, was grundsätzlich gut für Änderungen von Umweltbedingungen sein kann. Es könnte aber auch bedeuten, dass die Pflanzen, die für den Nistbau bevorzugt werden, einfach nicht mehr auf den Feldern der landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen sind. Mariana Allasino führt aus: „Dieser Befund legt eine Anpassungsfähigkeit nahe, die bestimmte Bienenarten angesichts sich ändernder Umweltbedingungen zeigen. Der Ersatz natürlicher Materialien durch Plastik könnte auf eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Vegetation auf den Feldern oder auf eine Überfülle an Abfällen zurückzuführen sein, die in direktem Zusammenhang mit der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Tätigkeit stehen könnte. Wir können auch nicht sagen, ob die Verwendung von Kunststoff im Nestbau für die Biene vorteilhaft oder für den Fortpflanzungserfolg nachteilig ist, obwohl es einige Hinweise gibt, die belegen, dass die Verwendung von synthetischen Materialien beim Nisten von Tieren Vorteile bringen könnte.“

Schließlich warnt die Wissenschaftlerin davor, dass die durch Menschen gemachten Änderungen der Umwelt weitreichende und unumkehrbare Auswirkungen haben können: „Aufgrund unserer Aktivitäten trägt der Mensch zur Verschlechterung der Ökosysteme und zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Angesichts dessen bleibt den Tieren nichts anderes übrig, als sich an Veränderungen anzupassen, um zu überleben. Dies können jedoch nicht alle Arten. Angesichts dessen müssen wir uns der Veränderungen bewusst werden, die wir in der Natur bewirken, und irreversible Konsequenzen vermeiden.“

Der Zugang zur Studie ist beschränkt (Paywall).
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