Pestizid-Belastungen führen zu kürzerem Hummelflug

  • Veröffentlicht am: 16.04.2020

In dieser Flugmühle fanden die Messungen mit den Hummeln statt. Foto: Danny Kenna/Imperial College London

Hummeln, die dem Neonicotinoid Imidacloprid ausgesetzt sind, fliegen nur ein Drittel der Entfernung, die unbelastete Hummeln erreichen können. Das Flugverhalten ist jedoch von entscheidender Bedeutung für die Nahrungssuche. Eine verringerte Flugleistung kann dazu führen, dass Kolonien hungern und die Bestäubung von Pflanzen beeinträchtigt werden.

Dass Bienen Kulturpflanzen, die wir essen, und Wildblumen in unserer Landschaft, in Gärten und Parks aufsuchen, ist wesentlich für die Bestäubung. Jeder Faktor, der die Bienenflugleistung beeinträchtigt, kann sich daher auf ihren Bestäubungsdienst auswirken.

Eine Studie britischer Forscher zeigt, wie die Exposition mit dem neurotoxischen Pestizid Imidacloprid den individuellen Flug – Entfernung und Dauer – bei Hummeln verringert.
Die Bienen waren dem Neonicotinoid Dosen ausgesetzt, wie sie in landwirtschaftlichem Umfeld vorkommen. In der Folge konnten die Hummeln nur wesentlich kürzere Entfernungen zurücklegen und hielten auch nicht so lange durch wie unbelastete Artgenossen.
Interessanterweise gerieten exponierte Bienen im Versuch anfangs in einen hyperaktiven Zustand. Sie flogen sogar schneller als unbelastete Hummeln und nutzten sich dabei quasi ab.

Von der Schildkröte und dem Hasen

„Neonicotinoide ähneln Nikotin in der Art und Weise, wie sie Neuronen stimulieren und so macht die Hektik oder der hyperaktiver Aktivitätsausbruch durchaus Sinn. Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass dieser anfängliche schnelle Flug möglicherweise Nachteile mit sich bringt, möglicherweise durch erhöhten Energieaufwand oder mangelnde Motivation, in Form einer verringerten Flugdauer“, so Studienautor Daniel Kenna vom Imperial College. „Unsere Ergebnisse stellen eine interessante Parallele zur Geschichte von der ‚Schildkröte und dem Hasen‛. Wie die berühmte Fabel beschreibt, gewinnt man ‚langsam und stetig das Rennen‛. Äsop wusste nicht, dass dieses Motto auch für Hummeln in Agrarlandschaften gelten kann. Genau wie der Hase bedeutet Geschwindigkeit nicht immer, dass man das Ziel schneller erreicht, und im Fall von Hummeln kann die Exposition gegenüber Neonicotinoiden einen hyperaktiven ‚Buzz‛ auslösen, beeinträchtigen aber letztendlich die individuelle Ausdauer.“

Das Team hat seine Untersuchungen an den Hummeln in einer Art experimenteller Flugmühle durchgeführt. An langen Armen waren kleine Magnete befestigt. Den Hummeln ihrerseits hatten die Forscher eine kleine Metallscheibe in ihren Pelz geklebt und sie so vorübergehend am Magnetarm befestigt. Während die Bienen im Kreis flogen, konnte das Team der Wissenschaftler genau messen, wie weit und wie schnell die Hummel jeweils in der kontrollierten Umgebung flog.

„Frühere Studien unserer Gruppe und andere haben gezeigt, dass Bienen, die Neonicotinoiden ausgesetzt sind, der Kolonie weniger Nahrung bringen. Unsere Studie zur Flugleistung unter einer Pestizid-Exposition bietet einen potenziellen Mechanismus zur Erklärung dieser Ergebnisse“, so Studienautor Dr. Richard Gill vom Imperial College. „Die negativen Auswirkungen der Pestizid-Exposition auf die Flugdauer besitzen das Potenzial, die Fläche zu reduzieren, in der Kolonien nach Nahrung suchen können. Freifliegende Arbeiterinnen auf Nahrungssuche werden möglicherweise nicht in der Lage sein, zuvor zugängliche Ressourcen zu erreichen, oder können nach Kontakt mit kontaminierten Blumen nicht in das Nest zurückkehren. Dies könnte nicht nur den Überfluss, die Vielfalt und die Nährstoffqualität von Nahrungsmitteln verringern, die einer Kolonie zur Verfügung stehen, sondern auch die Bestäubungsleistung der Bienen einschränken.“

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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