Welche Selektionskriterien wünschen Imker?

  • Veröffentlicht am: 31.01.2020

Bei Mitgliedern des Verbandes mellifera.ch ist das Interesse an einer in der Schweiz gezüchteten resistenten Dunklen Honigbiene besonders hoch. Foto: Niels Gründel

Die Varroa-Milbe Varroa destructor ist eine der bedeutenden Bedrohungen für das Wohlergehen der Westlichen Honigbiene Apis mellifera. Entsprechend gibt es eine Reihe von Programmen, die die Varroa-Resistenz der Honigbiene zum Ziel haben. Doch welche Ziele stellen die Imker an Selektionsprogramme ihrer Bienen?

Das Interesse der Imker an diesem Thema wurde bisher spärlich untersucht, trotz anhaltender Selektion durch Züchter. In einer Umfrage wurde nun ermittelt, welche Ziele einer weiteren Zucht sich Imker wirklich wünschen. Für die Untersuchung wurden Imker ausgewählt, die dem Verband mellifera.ch angehören und überwiegend in der deutschsprachigen Schweiz ansässig sind. Die Imker haben im Durchschnitt 11 bis 20 Völker Schweizer Populationen der Dunklen Honigbiene Apis mellifera mellifera.

Die Rückmeldungen der Imker wurden in fünf Gruppen zusammengefasst, um so ihre Erwartungen hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten im Umgang mit den Bienen und im Hinblick auf die genetischen Merkmale (Übereinstimmung mit Rassestandards und genetischer Vielfalt) ihrer Honigbienen in wenige Profile zusammenfassen zu können.

In Gruppe 1 wurden Imker auf der Suche nach der perfekten Biene (P-Bee) mit hohen Werten für alle vorgeschlagenen Kriterien zusammengefasst, wobei diese hohen Erwartungen kaum erreicht werden können.

Gruppe 2 steht für Imker auf der Suche nach einer einfach zu handhabenden Honigbiene (E-Bee) – wenn die Imkerei als Freizeitbeschäftigung betrieben wird. In dieser Gruppe sind die Erwartungen an einen ruhigen Wabensitz, eine hohe Friedfertigkeit und einen geringen Schwarmtrieb besonders ausgeprägt. Die Resistenz gegen V. destructor wird eher nebensächlich eingestuft.

In Gruppe 3 tendierten die Imker zu ähnlichen Aspekten wie die Gruppe 1, jedoch weniger ausgeprägt. Hier finden sich Imker, die gute Bienen (G-Bee) in ihrem Bestand haben möchten, jedoch realistischer hinsichtlich der biologischen Möglichkeiten urteilen.

Imker der Gruppe 4 kombinierten sehr niedrige Werte für die Rassenkonformität und die höchsten Werte für die genetische Vielfalt, was als Wunsch interpretiert werden kann, gesunde und genetisch vielfältige Honigbienen (D-Bee) unabhängig von ihrer Rassenherkunft zu züchten.

Die Imker in Gruppe 5 zeigten im Gegensatz zur zweiten Gruppe eher ein geringes Interesse an Friedfertigkeit und Wabensitz; auch der Schwarmtrieb war nicht wesentlich. Sie setzen eher auf Völker, die ihr ursprüngliches Wildverhalten (W-Bee) zeigen.

Im Ergebnis bevorzugen die Imker resistente Honigbienen, auch wenn die Honigbienen dann weniger Honig produzieren, häufiger schwärmen oder weniger sanftmütig sein würden. Darüber hinaus bevorzugen die Imker lokal ausgewählte Honigbienen mit einer breiten genetischen Vielfalt.

Besonders hoch ist das Interesse an einer in der Schweiz gezüchteten resistenten Dunklen Honigbiene. An einer Dunklen Honigbiene mit denselben Eigenschaften aus dem Ausland ist das Interesse nur gering. Vergleichbar gering fällt es bei einer Carnica-, Buckfast- oder Hybridbiene aus.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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