Die rote Pest aus grüner Sicht

  • Veröffentlicht am: 26.05.2016
Titel: Die rote Pest aus grüner Sicht

Um den Ruf von Neophyten steht es nicht gerade zum Besten. Volkmar Weis möchte mit seinem Buch mit den Vorurteilen aufräumen und einen differenzierten Blick auf die Neuzugänge in unserer Umwelt ermöglichen. Die Springkräuter stehen dabei im Mittelpunkt seiner Ausführungen, ganz besonders das kleine und das rote Springkraut.

Gängige Vorurteile sind etwa, dass sich Neophyten ungehindert vermehren und dadurch einheimische Pflanzenarten verdrängen. Bienen ist das natürlich erst einmal egal, denn sie wissen natürlich nicht, welche Blüten von einheimischen oder gebietsfremden Arten sind. Sie nehmen alle für sie geeigneten Blüten gerne an.

Für die in Deutschland heimisch gewordenen Springkräuter tritt der Autor durchaus glaubwürdig die Beweiskette an, dass dem Verdrängungswettbewerb starke Grenzen gesetzt sind und man Springkräuter gelassener, ja sogar positiv begrüßen sollte. In den Eiszeiten sind in Europa viele Arten ausgestorben, die in Nordamerika und Asien überdauern konnten. Einige Arten sieht der Autor daher nun als späte Heimkehrer und wirbt unumwunden für deren späte Heimkehr.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn die Welt hat sich seither verändert und die Evolution ihren weiteren Lauf genommen: Weder sind Neophyten einseitig zu verteufeln, wie der Autor dies vor allem den Eidgenossen vorwirft, noch sind die Neuankömmlinge uneingeschränkt zu begrüßen, denn diesen Eindruck erweckt der Autor doch zu leicht.

Nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz gilt eine Art als eingebürgert, wenn sie Bestandteil der Natur geworden ist, egal ob in erlaubter oder verbotener Weise. Der Neophyt ist dann de facto keiner mehr.

Viele Wildbienen leben in einer engen Symbiose mit einem ihnen eigenen Trachtangebot und sind hoch spezialisiert. Neophyten sind ihnen selten eine Hilfe beim Überleben.

Als Imker darf man nicht allzu schnell in Euphorie verfallen, nur weil sich eine gute Bienenweide für Apis mellifera auftut. Imker sollten in heutiger Zeit auch Naturschützer sein und über den Tellerrand des Honigertrags der eigenen Honigbienen-Völker hinausschauen. Denn ob eine neue importierte Bienenweide der Natur im Ganzen nutzt, ist schwer abschätzbar und von unzähligen Faktoren abhängig. Nichtsdestotrotz muss man sich im Klaren darüber sein, dass man viele Neophyten nicht aufhalten kann und das Erschließen neuer Lebensräume durchaus auch Teil der Natur ist.

Was aber passiert, wenn sensible Lebensräume durch Neuankömmlinge überrollt werden und wie sehr darunter das ökologische Gleichgewicht auf Dauer leidet, kann man in Australien sehen. Auch dieses Beispiel sollte Warnung genug sein, nicht leichtfertig in die Natur einzugreifen.