Kauf von Mittelwänden ist Vertrauenssache

  • Veröffentlicht am: 26.01.2017
Mittelwände aus Bienenwachs und Bienenwachs-Pellets, Foto: Niels Gründel

Vor allem viele Hobby-Imker besitzen keinen eigenen Wachskreislauf und kaufen entweder regelmäßig Mittelwände im Fachhandel oder auf Handelsplattformen im Internet zu. Andere tauschen den von ihren Bienen gewonnenen Wachs gegen fertige Mittelwände ein. Da es in Deutschland für Bienenwachs keine gesetzlichen Grenzwerte gibt, ist allen Parteien ein Interpretationsspielraum gegeben und der lädt mitunter auch zum Schummeln ein. Berichte von Wachsfälschungen machen immer wieder die Runde.

Alle Jahre wieder gibt es Meldungen über Probleme mit Mittelwänden, die nicht aus reinem Bienenwachs bestehen sollen. Das zeigt sich dann oft im Brutnest der Bienen, weil es häufig sehr lückenhaft ist; manchmal rutschen die Waben sogar komplett ab. Das Problem mit gepanschtem Bienenwachs ist nicht auf Deutschland beschränkt, sondern betrifft weite Teile Europas.

Das Panschen des teuren Bienenwachses ist freilich ein lukratives Geschäft, weil der Preis für Bienenwachs auf dem Weltmarkt seit einigen Jahren immer weiter anzieht. Etwas preiswerter auf den Markt gebracht, lassen sich gute Gewinnspannen erzielen. Doch sind Streckmittel einmal in den Wachskreislauf eingebracht, wird er auf Dauer verunreinigt.

Das Strecken von Bienenwachs ist auch an ganz anderer Stelle schon lange üblich, dort, wo man es eher nicht vermuten würde: Früher wurden in der christlichen Liturgie ausschließlich Kerzen aus reinem Bienenwachs verwendet, zum einen, weil man keinen anderen Rohstoff kannte, aber auch, weil man nur die edelsten Materialien nehmen wollte. Das Material der keuschen Biene war zudem ideal, weil es in der Nähe der Allerheiligsten brannte. Davon kann heute allerdings keine Rede mehr sein, der Bienenwachsanteil ist heute lediglich symbolisch. Er beträgt bei Kerzen für die Liturgie gerade noch 10 %.

Billige Streckmittel

Paraffin und Stearin sind die beliebtesten Streckmittel. Paraffine können auf unterschiedliche Weise gewonnen werden, wobei meist Erdöl oder Braunkohle die Ausgangsstoffe sind. Hauptabnehmer ist weltweit die Kerzenindustrie, da es günstiger als das tierische Stearin ist und erheblich preiswerter als Bienenwachs. Viele Kerzen im Handel bestehen aus 80 % Paraffin und 20 % Stearin.

Paraffin wird bereits ab etwa 40 ° C weich und beginnt ab 55 ° C in den flüssigen Zustand überzugehen. Stearin bleibt bis etwa 54 ° C fest und wird dann direkt flüssig.

Der Schmelzpunkt von Bienenwachs liegt dagegen bei 62 bis 65 ° C und damit deutlich höher.

Was bestimmt Bienenwachs?

Ein grundsätzliches Problem in der Definition von Bienenwachs liegt darin, dass sich Bienenwachs eben nicht exakt definieren lässt, zumal Palmitin- und Stearinsäuren bis zu einem gewissen Anteil auch natürlicherweise in Bienenwachs vorkommen

Je nach Herkunft fallen die Anteile von natürlichem, unverfälschtem Bienenwachs etwas anders aus: Bienenwachs besteht aus etwa 300 Stoffen. Davon entfallen gut 65 % auf Myricin, 12 % Cerotinsäure, Melissin- und ähnlichen Säuren, rund 14 % gesättigten Kohlenwasserstoffen sowie Alkoholen, bienenartspezifischen Aroma- und weiteren Stoffen.

Mithilfe von Gaschromatographie und von Massenspektrometrie lassen sich Verfälschungen von reinem Bienenwachs sicher nachweisen. Die Kosten dafür betragen etwa 180 Euro. Hobby-Imker werden eine derartige Analyse auf Verdacht daher nicht einsetzen. Im Gegenzug erhält man allerdings nicht nur ein Laborergebnis, sondern auch eine Beurteilung, aus der man als Laie sofort ablesen kann, wie rein das zur Analyse eingesandte Bienenwachs tatsächlich ist. Denn Verfälschungen lassen sich nur schwer erkennen. Wenige Anteile Paraffin oder Stearin lassen sich nur im Labor nachweisen und sogar Anteile von 40 % lassen sich für den Laien noch gut kaschieren.

Das Ganze wird noch komplexer, wenn Imker gerne rückstandsfreie Ware, umgangssprachlich Bio, einsetzen möchte. Dabei ist vor allem entscheidend wonach gesucht wurde. Das größte Problem ist auch dabei der Imker selbst, denn das, was er an Behandlungsmitteln verwendet, lagert sich am besten im Wachs ab. Insofern sollte nach zugelassenen, aber ebenso nach früher zugelassenen Behandlungsmitteln gegen die Varroa gesucht werden.

Darüber hinaus sind es die Spritzmittel. Da von ihnen jedoch überwiegend Cocktails zum Einsatz gelangen, kommen zurückliegend betrachtet hunderte von Wirkstoffen infrage.

Pestizide sind fettlöslich und reichern sich ausgesprochen gut in Bienenwachs an. Brutschäden müssen daher nicht unbedingt auf verfälschtes Bienenwachs zurückzuführen sein, sondern können ebenso von belastetem Bienenwachs stammen, das sich als Trojanisches Pferd im Bienenvolk erweist. Sogar Imker mit einem eigenen Wachskreislauf können ihre Bienenvölker so auf Dauer selbst vergiften, wenn die Völker Jahr für Jahr Belastungen durch Spritzmittel ausgesetzt werden. Oder wenn sie die Beuten mit einem Holzschutzanstrich versehen, der alles andere als Bienen-freundlich ist.

Besser: Nur eigenes Wachs!

Bernd Spanbalch hat als Imker begonnen und anschließend das Unternehmen „Der Wabenprofi“ gegründet. Er sieht den eigenen Wachskreislauf ausnahmslos bei jedem Imker als Pflicht: „Deshalb arbeiten wir bereits ab einer Menge von 5 kg das eigene Wachs des jeweiligen Imkers zu Mittelwänden um und sehen uns als Servicedienstleister am Imker.“

Nicht nur die Wachsverarbeiter sind in der Pflicht. „Auch jeder Imker muss für gute Wachsqualität sorgen. Es obliegt ihm, darauf zu achten, wo er mit seinen Bienen hinwandert, ohne diese zu hohen Pestizidbelastungen auszusetzen und für seine Mittelwände vorrangig Deckelwachs und Naturbauwachs zu verwenden“, so Bernd Spanbalch. „Also sind wir alle gemeinsam in der Pflicht, saubere Arbeit zu leisten.“

Bei ihm wird daher auch kein Wachs getauscht. Jeder Imker erhält 100 % eigenes Wachs zurück. „Egal, ob schlecht oder gut. Das liegt in der Verantwortung des jeweiligen Imkers. In unserer Verantwortung liegt es, das Wachs ohne Vermischung mit Fremdwachs umzuarbeiten“, so Bernd Spanbalch.

Doch wo liegt aktuell ein realistischer Kilopreis für Mittelwände aus reinem Bienenwachs? Bernd Spanbalch hält Preise zwischen 13 und 16 Euro für angemessen. Bio-Mittelwände liegen sogar bei 32 bis 35 Euro je Kilogramm. Wenn die Preise niedriger sind, sollte man daher misstrauisch werden.

Naturbau ist ganz natürlich

Und wer noch nicht genügend Wachs für einen eigenen Wachskreislauf hat? Der sollte sich daran zurück erinnern, dass die künstlichen Wachsplatten keine Erfindung der Biene ist, sondern die des Menschen, um die Bienenvölker rascher wachsen zu lassen und mehr Honig ernten zu können.

Imker müssen nicht mehr tun, als dafür zu sorgen, dass die Waben in die Rahmen gebaut werden und damit die Beweglichkeit (für ihn) erhalten bleibt. Das Wachs kommt so direkt aus dem Volk und speichert nur Stoffe aus dem Volk und der unmittelbaren Umgebung.

Schadensbilder

Wer auf Mittelwände aus dem eigenen Wachskreislauf zurückgreifen kann, weiß, dass sie bei der Lagerung gerne etwas gräulich anlaufen. Mittelwände mit einem genügend „falschen“ Anteil an anderem Wachs behalten dagegen ihre goldgelbe Färbung. Indizien für Wachsfälschungen können extreme Brutausfälle auf neuen Waben sein, abgerutschte Waben, Bienen, die beim Schlüpfen stecken bleiben.

Literaturstelle: 

Limsathayourat, N. & Melchert, H.U. Z. Anal. Chem. (1984) 318: 410. doi:10.1007/BF00533223

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