Varroa-App für alle

  • Veröffentlicht am: 27.03.2019
Ein Test-Bienenstand mit mehreren Völkern in der App. Screenshots: Niels Gründel

Es gibt für alles eine App – auch gegen die Varroa-Milbe? Imker sind nicht unbedingt dafür bekannt, besonders innovativ zu sein.

„Wir sind überzeugt von dem Nutzen der App und haben versucht, im Vorfeld diese Euphorie zu vermitteln“, so Projektleiter Fritz Höfler von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf.

Die Varroa-App aus Bayern ist erst einmal eine mobile Anwendung zur Verwaltung von Bienenvölkern an verschiedenen Standorten. Für jeden Standort können beliebig viele Völker hinterlegt werden, wobei jeder Standort über den GPS-Standort des Smartphones genau lokalisiert wird.

Zudem lässt sich bei eigenen Völkern der Milben-Totenfall hinterlegen, daher der Name der App. Die Daten dazu stammen aus der eigenen Gemülldiagnose: Die Anzahl der Milben und die Anzahl der Tage, die der Schieber unter dem Volk lag, müssen in der App eingetragen werden. Das Volk wird dann schon auf der Übersichtsseite der App farblich dargestellt (Rot, Gelb, Grün).

Standortbezogen kann so das „Varroawetter“ angezeigt werden, ebenso wie eine Wettervorhersage und davon abhängige Behandlungsmöglichkeiten mit den zugelassenen Behandlungsmitteln – nach dem Bayerischen Varroa-Behandlungskonzept der Landesanstalt für Wein und Gartenbau, Institut für Bienenhaltung und Imkerei (LWG-IBI). Die entsprechende Anzeige erfolgt separat für Völker mit und ohne Brut. Ebenfalls ermittelt werden standortbezogene Stockwaagen-Gewichte der nächstgelegenen Bienenstock-Waage.
Es spielen jedoch nicht nur die eigenen Völker eine Rolle, es werden auch Bienenvölker aus der Umgebung mit einbezogen. Das erfolgt allerdings anonymisiert. Ist der App im Umkreis von 3 km ein Volk mit starkem Milbenbefall bekannt, so erhält man eine Warnung.

Die Anwendung hat in der Bedienung einige Besonderheiten, um an bestimmte Funktionen zu gelangen; an sie gewöhnt man sich jedoch schnell. Das Design wirkt etwas altbacken, was bei dem Durchschnittsalter der Zielgruppe aber kein Fehler sein muss. In der Funktion konnten keine Mängel festgestellt werden – die Umgebungsdaten etwa erscheinen sofort.
Ein Problem, das auch die App nicht wirklich lösen kann, sind Warnungen über in der Umgebung stark belastete Völker. Wer ahnt, wessen Völker damit gemeint sein könnten, kann den direkten Kontakt suchen. Ansonsten bleibt nur das Wissen, dass jederzeit eine Re-Invasion drohen kann.

Die Varroa-App ist ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Bienen und Imkerei Veitshöchheim, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf.
Finanziert wurde die App durch den Bezirk Mittelfranken und das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forst mit rund 175.000 Euro. Ursprünglich sollte die App bereits Ende 2017 bereitstehen. Die Verzögerungen waren nach Angaben von Fritz Höfler einzig auf personelle Gründe zurückzuführen. Erst musste ein geeignetes Team zusammengestellt werden. Die Projektfinanzierung ist aktuell bis Ende Oktober 2019 sicher gestellt, doch „ein Verlängerungsantrag läuft“, so Fritz Höfler. 
Die App kann kostenlos im „Google Play“-Store heruntergeladen werden. Eine Variante für Iphone-Nutzer soll noch folgen. Der Download ist natürlich nicht nur auf Bayern beschränkt. „Auf Bayern beschränkt ist die App nur auf Grund des Bekämpfungskonzepts, das dahinter steckt“, erklärt Fritz Höfler und hofft auf möglichst viele Nutzer auch außerhalb Bayerns.

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