EU-Kommission sieht dringenden Handlungsbedarf zum Schutz von Bestäubern

  • Veröffentlicht am: 01.06.2021

Schwebfliegen sind ebenfalls wichtige Bestäuber. Foto: Michael Anfang/Unsplash

Die Europäische Kommission hat einen Bericht über die Umsetzung der ersten EU-Initiative für Bestäuber veröffentlicht. Die Initiative geht auf das Jahr 2018 zurück, um gegen den Rückgang wildlebender Bestäuberinsekten vorzugehen.

Bestäubende Insekten sind für das Funktionieren von Ökosystemen, unsere Ernährungssicherheit, Medikamente und unser Wohlergehen von entscheidender Bedeutung. Allerdings ist jede zehnte Bienen- und Schmetterlingsart in Europa vom Aussterben bedroht und bei einem Drittel schrumpft der Bestand. Die nun veröffentlichte Bewertung zeigt, dass bei der Umsetzung der Maßnahmen der Initiative erhebliche Fortschritte erzielt wurden, sich die Bekämpfung der verschiedenen Ursachen des Rückgangs aber nach wie vor schwierig gestaltet.

Der Bericht zeigt, dass die Initiative ein nützliches politisches Instrument bleibt, das es der EU, den Mitgliedstaaten und den Interessenträgern ermöglicht, dem Rückgang der Bestäuber entgegenzuwirken. Bis Ende 2020 wurden mehr als dreißig Maßnahmen in drei Schwerpunktbereichen durchgeführt, nämlich Verbesserung der Kenntnisse über den Rückgang der Bestäuber, Bekämpfung der Ursachen des Bestäuberrückgangs, Einbeziehung der Öffentlichkeit und Förderung der Zusammenarbeit, um dem Rückgang Einhalt zu gebieten. So hat die Kommission etwa den „Park der Bestäuber“ ins Leben gerufen, ein interaktives digitales Instrument, um für den gefährlichen Rückgang von Bestäubern zu sensibilisieren und globale Gegenmaßnahmen anzustoßen. Der Park der Bestäuber ist eine virtuelle Welt im Jahr 2050, in der bestäubende Insekten vollständig verschwunden sind. Die vielfältigen Maßnahmen auf lokaler, regionaler, nationaler und EU-Ebene haben gezeigt, dass die Öffentlichkeit das Problem erkannt hat und bereit ist, tätig zu werden.

Im Rahmen der EU-Initiative für Bestäuber wurde ein EU-weites System zur Überwachung der Arten von Bestäubern entwickelt, um den Zustand der Populationen und die Ursachen ihres Rückgangs besser nachvollziehen zu können. Bald wird es überall in der EU eingesetzt werden. Die Kommission hat ein spezielles Informationssystem zu Bestäubern eingerichtet und eine Reihe maßgeschneiderter Forschungsinitiativen gestartet.

Die Anstrengungen müssen jedoch verstärkt werden, um insbesondere den Verlust von Lebensräumen in Agrarlandschaften und die Auswirkungen von Pestiziden anzugehen. In der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030, der EU-Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ und dem Null-Schadstoff-Aktionsplan der EU sind spezifische Ziele festgelegt, um diese Herausforderungen anzugehen, indem etwa Schutzgebiete ausgeweitet und Ökosysteme wiederhergestellt, die ökologische/biologische Landwirtschaft gefördert, Landschaftselemente mit großer Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen wiederhergestellt und die Auswirkungen von Pestiziden und anderen Umweltschadstoffen, die für Bestäuber schädlich sind, verringert werden. Die neue EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel und die verstärkten Bemühungen um Klimaneutralität werden dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Bestäuber abzufedern. 

Der für Umwelt, Meere und Fischerei zuständige EU-Kommissar Virginijus Sinkevičius erklärt: „Der besorgniserregende Rückgang von Insekten, die Acker- und Wildpflanzen bestäuben, gefährdet die Ernährungssicherheit und bedroht unser Überleben und das Fortbestehen der Natur insgesamt. Die EU hat spezifische politische Instrumente eingeführt, um diesen Rückgang aufzuhalten, sektorübergreifende Maßnahmen angestoßen und erhebliche Fortschritte bei der Überwachung von Bestäubern erzielt. Der heute vorgelegte Bericht zeigt, dass wir eindeutig mehr tun müssen, um die Hauptursachen ihres dramatischen Rückgangs anzugehen. Dabei wird vor allem eine weitere Einbeziehung der Erhaltung von Bestäubern in alle Bereiche der Gemeinsamen Agrarpolitik und den Rechtsrahmen für Pestizide einen entscheidenden Beitrag leisten.“

„Landwirtschaft und Ernährungssicherheit sind in hohem Maße von Bestäubern abhängig, weshalb ihr besorgniserregender Rückgang aufgehalten werden muss. Wie der heute vorgelegte Bericht zeigt, müssen mehr Anstrengungen unternommen werden, um den Verlust von Lebensräumen in Agrarlandschaften und die Auswirkungen von Pestiziden anzugehen“, ergänzt Janusz Wojciechowski, Kommissar für Landwirtschaft. „Die künftige gemeinsame Agrarpolitik wird im Einklang mit den Zielen des grünen Deals mit ehrgeizigeren Umwelt- und Klimaschutzzielen einen wichtigen Beitrag dazu leisten. So werden Landwirtinnen und Landwirte beispielsweise landwirtschaftliche Flächen für den Schutz der biologischen Vielfalt ausweisen müssen, wenn sie Fördermittel erhalten wollen. Zudem wird im Bereich Forschung und Innovation schwerpunktmäßig nach Alternativen zu Pestiziden geforscht.“

In der zweiten Hälfte des Jahres 2021 wird die Kommission Konsultationen einleiten, bei der Sachverständige, Interessenträger, aber auch Bürger angehört werden – im Hinblick auf eine mögliche Verbesserung der Initiative, um weitere Maßnahmen für die Umsetzung ihrer langfristigen Ziele zu ermitteln.

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