Bienen brauchen Schutz vor Bundesregierung

  • Veröffentlicht am: 22.04.2018
Honigbienen als Nutztiere liegen der Bundesregierung jetzt besonders am Herzen. Foto: Niels Gründel

Die neue Bundesregierung hat plötzlich die Bienen für sich entdeckt, obwohl die Parteien ja noch immer dieselben sind. Und plötzlich sind die Insekten durch Pestizide und Monokulturen in der Landwirtschaft bedroht. Nun gut, die Beweislage ist inzwischen so erdrückend, dass man das Problem nicht mehr ignorieren kann. Verharmlosen geht aber.

Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden? Gibt es laut der Presseerklärung der Bundesregierung nicht: „Neonikotinoide sind eine Gruppe von Pflanzenschutzmitteln. Wird Saatgut mit einem nicht zugelassenen Neonikotinoid behandelt, kann bei der Aussaat Staub entstehen, der für Bienen schädlich ist.“ Doch zum Glück gibt es die deutsche Bundesregierung: „Deutschland ist deshalb bei Getreide über die geltenden EU-Vorschriften hinausgegangen und hat seit Sommer 2015 die Einfuhr und die Aussaat von Getreidesaatgut verboten, das mit Neonikotinoiden behandelt wurde.“ Die Ausfuhr nicht, denn was geht uns schon das Insektensterben in den Nachbarländern an, wo wir selbst damit schon genug gefordert sind, es hier zu Lande kleinzureden?
Immerhin ist Licht am düsteren Horizont: Einem europaweiten Verbot zur Verwendung bestimmter Neonicotinoide im Freien soll Deutschland auf EU-Ebene diesmal zustimmen.

Und eigentlich tut die Regierung ohnehin schon, was sie kann: „Die Bundesregierung ergreift bereits seit Jahren Maßnahmen für die Bienengesundheit und die Imkerei. So fördert sie etwa blütenreiche Saaten – auch als Ackerrandstreifen, als Zwischenfrüchte und zur Biomassenutzung.“
Dumm nur, dass das bisherige Green-washing den Bestäubern einfach nicht gereicht hat.

Zur Entschuldigung muss dann schließlich die EU im fernen Brüssel herhalten, obwohl die Deutschen ja genau die sind, die dort die Interessen der Agrarindustrie bis auf das Blut verteidigen: „Pflanzenschutzmittel werden bei ihrer Zulassung nach EU-einheitlichen Kriterien auf die Umwelt- und Bienenverträglichkeit geprüft.“ Und falls es noch nicht reichen sollte, hilft vielleicht die Wissenschaft zur Beruhigung: „Ferner gibt es diverse Forschungsvorhaben zu aktuellen Fragen der Bienengesundheit.“ Also besser erst einmal abwarten, ob von dort noch etwas kommt.

Immerhin: Die Politik hat ein Problem erkannt! „Einer der Handlungs-Schwerpunkte im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist der Insektenschutz und die biologische Vielfalt. Ein Ziel ist, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln umwelt- und naturverträglich auszugestalten. Mit einem ‚Aktionsprogramm Insektenschutz‛ sollen die Lebensbedingungen für Insekten verbessert werden. Dabei liegt der Bundesregierung der Schutz der Bienen besonders am Herzen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bezeichnete die Bienen in ihrer Regierungserklärung als ‚systemrelevant‛.“ Ist durchaus konsequent, dass nur die Honigbiene besonders schutzbedürftig ist, die einzige Bestäuberin in Massentierhaltung. Passt.

Darf man jetzt auf Milliarden-schwere Rettungsprogramme hoffen oder zumindest die Einkehr der Vernunft? Natürlich nicht. Denn eigentlich ist jetzt nur das Individuum gefordert: Jeder kann auf seinem Balkon, der Terrasse oder dem Garten Bienen mit bestimmten Blühpflanzen eine gute Nahrungsquelle bieten. Die Initiative „Bienen füttern“ und die „Bienen-App“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums informieren darüber, welche Blühpflanzen besonders bienenfreundlich sind. Klingt wie Steuerverschwendung für die nochmalige Aufbereitung von Informationen, die schon zuvor im Internet verfügbar waren.
Damit die Bienen aber wissen, wo sie bienenfreundliche Pflanzen finden, kann jeder, der welche pflanzt, sie auf einer Deutschlandkarte eintragen. Ist sie gut gefüllt, kann die Bundesregierung sich zurücklehnen.

Und nicht vergessen: „Pestizide im heimischen Garten sollten nur in der empfohlenen Dosis verwendet werden. Pflanzenschutzmittel unterliegen zwar hierzulande strengen Zulassungsverfahren. Trotzdem können sie Bienen schädigen – wenn sie zu hoch dosiert sind. Wichtig ist deshalb, die Gebrauchsanweisung genau zu befolgen.“ Empfehlungen für Landwirte gibt es keine. Vorgaben erst recht nicht.

Im Tagesspiegel beklagt sich Klöckner lieber darüber, dass viele Menschen ein „Gut-Böse-Schema“ im Kopf hätten und Landwirtschaftsverbände dabei „platt“ als Lobbyisten abgetan würden, obwohl es doch legitim sei, die Interessen der Bauern zu vertreten. Das stimmt, aber eben nur für die Bauern, nicht für die Landwirtschaftsministerin, denn es gibt neben Bauern auch noch ganz viele andere Menschen in Deutschland. Immerhin kümmert sie sich um ein Kopftuch-Verbot für junge Mädchen. Das sind keine Bauern und hilft den Bienen ganz bestimmt.

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