Petition „Insektensterben aufklären“ gestartet

  • Veröffentlicht am: 11.09.2018
Die Vertreter der beteiligten Organisationen bei der Medienkonferenz. Foto: Seth Bates/insektensterben.ch

In der Schweiz ist eine Petition gestartet, deren Ziel die Ursachenklärung und das Aufzeigen der Tragweite des Insektensterbens ist. Wirksame Maßnahmen müssen dann umgehend folgen.

Die Petition „Insektensterben aufklären“ ist am Dienstag in Bern von den Naturfreunden Schweiz NFS gemeinsam mit Dark-Sky Switzerland, dem Schweizer Bauernverband SBV sowie dem Dachverband der Schweizer Imkerinnen und Imker Apisuisse gestartet worden.

Dass die Zahl und Vielfalt der Insekten abnimmt, nehmen Fachleute bereits seit Jahren wahr. Studien zeigten jüngst, wie dramatisch die Lage bereits ist. „Das unaufhaltsame und von der Öffentlichkeit bis dato weitgehend unbemerkte Fortschreiten des Insektensterbens bereitet den Naturfreunden große Sorgen“, so NFS-Präsident Urs Wüthrich-Pelloli. Mit der Petition „Insektensterben aufklären“ wollen die beteiligten Organisationen das Thema nun in die breite Öffentlichkeit tragen: „Jede und jeder soll sich bewusst werden, was Insekten in ihrer Vielfalt, Schönheit und wegen ihrer Schlüsselrolle in der Ökologie für uns alle bedeuten. Und dass wir alle gefordert sind, für ihren Erhalt einzustehen. Gerade weil die Diskussion über das Insektensterben aktuell kontrovers geführt wird, braucht es solide und akzeptierte Entscheidungsgrundlagen, damit griffige politische Maßnahmen mehrheitsfähig werden.“, so der Präsident der Naturfreunde Schweiz.

Eminente Bedeutung für die Landwirtschaft

Wo Insekten verschwinden, hungern nicht nur die Vögel. Nationalrat Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizer Bauernverbands, verwies am Dienstag in Bern vorab auf die unverzichtbare Aufgabe der Insekten bei der Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen, wie beispielsweise der Obstbäume. Eine Vielzahl und Vielfalt von Insekten sei für die Landwirtschaft geradezu essenziell. Weltweit wird die Arbeit der Insekten beim Bestäuben auf einen Gegenwert von 153 Milliarden Euro geschätzt. Eine ebenso wichtige Rolle spielen Insekten zudem für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. „Das Interesse der Landwirtschaft am Schutz der Insekten liegt auf der Hand“, betont Jacques Bourgeois. Die Schweizer Landwirtschaft sei bereit, für dieses Thema Verantwortung zu übernehmen.

Dass es dringend weitere Anstrengungen zur Aufklärung des Insektensterbens braucht, davon zeigten sich am Dienstag auch Sonia Burri-Schmassmann, Präsidentin und Mathias Götti Limacher, Vizepräsident von Apisuisse überzeugt. Während Honigbienen sozusagen ‚unter Beobachtung‘ durch die Imkerinnen und Imker stehen, bedürften insbesondere die Wildbienen eines besonderen Schutzes, da diverse Wildbienenarten stark auf einige wenige Nahrungspflanzen spezialisiert seien. „Verschwindet eine Pflanzenart, stirbt auch die dazugehörige Wildbienenart aus“. Darum brauche es in unseren Landschaften beispielsweise auch Totholz, über den Winter stehen gelassene Pflanzenstängel oder Abrisskanten mit offenem Boden.

Unnötige Lichtverschmutzung schadet Mensch und Tier

Auf die für Insekten besonders negativen Folgen des Kunstlichts verwies am Dienstag Lukas Schuler, Präsident von Dark-Sky Switzerland. So können an einer einzelnen Lampe pro Nacht Hunderte Insekten angelockt und eingefangen werden und schließlich aus Erschöpfung verenden. Studien aus Deutschland belegen, dass die Lichtverschmutzung jährlich um 2 % zunimmt, und dies bezogen sowohl auf die Lichtstärke wie auch im Ausmaß der beleuchteten Flächen. Zwar konnte mit den ab dem Jahr 2009 eingeführten LED-Straßenlampen der Energiebedarf gesenkt werden, hingegen erzeugen jene Lampen ein Licht mit einem hohen Blauanteil. Solches Licht wirkt auf die Insekten geradezu magnetisch.

Daher spricht sich Dark-Sky Switzerland dafür aus, auf kaltes oder neutralweißes Licht zu verzichten und stattdessen nur Leuchten einzusetzen, die warmes Licht erzeugen. Leider setze das Bundesamt für Energie aber weiterhin auf LED-Leuchtmittel, die diesen Anforderungen nicht oder nur ungenügend Rechnung tragen. „Früher waren die Effizienzunterschiede von kaltem zu warmem Licht tatsächlich noch wesentlich. Heute aber ist es möglich, warmes Licht mit einem Verlust von nur 2 % zu erzeugen“, erklärt Luka Schuler. Es gebe daher keinen Grund mehr, auf warmes LED-Licht zu verzichten. Letztlich käme dies auch der Nachtruhe des Menschen zu Gute.

Die Petition läuft im Internet und auf Papier. Die Sammelfrist endet am 24. November 2018. Ziel des Komitees ist es, dem Bundesrat und dem Parlament während der kommenden Wintersession der Eidgenössischen Räte mindestens 50.000 Unterschriften zu überreichen.

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