Beratung beim Verkauf von Pestiziden verbesserungswürdig

  • Veröffentlicht am: 05.06.2019
Pestizide kommen auch in Hausgärten zu oft zum Einsatz. Foto: Niels Gründel

In Zeiten des Bienen- und Insektensterbens kommt auch Haus- und Kleingärten eine wichtige Rolle als Lebensraum für Bestäuber sowie Insekten zu. 700 Tonnen Pestizide werden jährlich in Österreichs Gärten ausgebracht. Die dortige Umweltschutzorganisation Global 2000 hat sich auf gemacht und in Gartencentern und Baumärkten den Verkauf von Pestiziden unter die Lupe genommen.

Erst kürzlich hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES auf den dramatisch anhaltenden Artenschwund aufmerksam gemacht: Rund eine von acht Millionen Arten auf der Welt könnten in den nächsten Jahrzehnten für immer verschwinden.

„Insekten und insbesondere Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und Hummeln nehmen eine zentrale Rolle in den natürlichen Ökosystemen aber auch für uns Menschen ein“, erklärt Waltraud Novak, Biodiversitätsexpertin bei der Global 2000. „Sie reagieren besonders sensibel auf Umweltgifte. Flächenverbauung, intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz vor dem Hintergrund einer globalen Klimakrise führen zu einem traurigen Massensterben, welchem wir politisch als auch praktisch mit dem Projekt Nationalpark Garten Einhalt gebieten wollen.“

Derzeit werden jährlich noch etwa 700 Tonnen Pestizide in Österreichs Gärten versprüht. Giftfreie und naturnahe Gärten sind hingegen Oasen des Lebens. Die österreichische Umweltschutzorganisation hat daher Gartencenter und Baumärkte getestet. „Wir haben überprüft, welche Pestizide oder Biozide für den Privatgebrauch im Handel erhältlich sind und wie es um die Qualität der Beratung im Verkauf bestellt ist“, so Waltraud Novak. Dazu wurden in 26 Gartencentern, Baumärkten und Lagerhäusern mit Gartenabteilung Testeinkäufe durchgeführt. Getestet wurden Filialen folgender Unternehmen: Bauhaus, Bellaflora, Dehner, Hagebaumarkt, Hornbach, Lagerhaus, OBI, Praskac und Starkl.

Ergebnisse im Überblick

  • In 62 Prozent der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf Risiken für die Umwelt aufmerksam gemacht.
  • In 50 Prozent der Testeinkäufe wurde auch auf Nachfrage nicht auf die vorgeschriebenen Wartefristen zwischen dem Spritzen und dem Verzehr von Obst und Gemüse aufmerksam gemacht.
  • Biozide sind nach wie vor flächendeckend – positive Ausnahme Bellaflora – in Selbstbedienung und ohne Beratung erhältlich. In den Mitteln zur Bekämpfung von vermeintlichem „Ungeziefer“ sind immer noch Wirkstoffe enthalten, die bei Pflanzenschutzmitteln für Privatpersonen nicht mehr zugelassen sind, wie zum Beispiel das Neonicotinoid Imidacloprid oder Fipronil. Beide Wirkstoffe sind sogar in der konventionellen Landwirtschaft verboten.
  • In 50 Prozent der Testeinkäufe wurde selbst auf Nachfrage nicht oder nur sehr lückenhaft auf Gesundheitsrisiken und Schutzkleidung aufmerksam gemacht.
  • Die Gesamtbewertung der Testeinkäufe fiel in 15 Prozent negativ aus, da in den Regalen der Geschäfte umweltgiftige Mittel zu finden waren und die Beratung nicht ausreichte, um eine sichere Verwendung der Pestizide zu gewährleisten. Bei 73 Prozent der Einkäufe war die Beratung nicht sehr ausführlich, aber zumindest wurden die relevantesten Informationen gegeben. Bei zwölf Prozent wurden Beratung und Sortiment positiv bewertet.
  • In nur 31 Prozent aller Fälle wurden von den Beratern umweltschonende Pflanzenschutzmaßnahmen empfohlen.
  • Positiv zu vermerken ist: Nur mehr bei vier Prozent wurden ausschließlich chemisch-synthetische Mittel angeboten. Bei den restlichen 65 Prozent der Testeinkäufe wurden teilweise – in erster Linie für den Einsatz bei essbarem Obst und Gemüse – biologische Produkte empfohlen, jedoch auch chemisch-synthetische Mittel.
  • Bereits sieben der neun Unternehmen verzichten auf den Verkauf von Produkten mit dem umstrittenen Totalherbizid Glyphosat. Nur das Lagerhaus und Praskac vertreiben noch glyphosathältige Produkte.
  • Umweltfreundliche Alternativen zu Pestiziden sind bereits flächendeckend vorhanden.

„Umweltschonende Alternativen zur Chemiekeule wären vorhanden und teilweise ist die Beratung in den Baumärkten und Gartencentern schon recht gut, aber insgesamt noch ungenügend, um die Artenvielfalt in den österreichischen Gärten auch wirklich zu schützen“, fasst Waltraud Novak die Testergebnisse zusammen.

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