Honigbienen-Haltung weiter im Trend

  • Veröffentlicht am: 07.05.2019
Nicht alle, die die Bienen retten wollen, müssen gleich Imker werden. Foto: Iva Rajović/Unsplash, CC0 Creative Commons

Die Imkerei wurde lange Zeit unterschätzt. Das hat sich jedoch in den letzten zehn Jahren deutlich geändert. Das öffentliche Interesse für Bienen ist enorm gestiegen. Medien berichten über das Bienensterben, Bevölkerung und Politik sind sensibilisiert. Imkern liegt im Trend.

Viele Menschen möchten einen aktiven Beitrag leisten und beginnen daher mit der Bienenhaltung. Insbesondere Frauen entdecken die Imkerei als sinnvolle Freizeitbeschäftigung für sich.
Der Deutsche Imkerbund e. V. hat seine Aktivitäten in der Nachwuchswerbung zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden seit 2007 verstärkt; die die Zahl der organisierten Imkerinnen und Imker ist von 2008 bis zum Jahresbeginn 2019 um ein Drittel (nominal von 80.614 auf 120.679) angestiegen. Das Durchschnittsalter liegt heute bei 56 Jahren, der Anteil an Frauen bei einem Fünftel mit steigender Tendenz. „Damit haben wir, bezogen auf das Gebiet der BRD, einen Mitgliederstand erreicht, wie wir ihn letztmalig vor rund 50 Jahren verzeichnen konnten“, stellt Olaf Lück, Geschäftsführer des Deutschen Imkerbundes, erfreut fest.

Den rasanten Mitgliederanstieg sieht er allerdings nicht nur positiv. Bienenhaltung ist nicht im Internet erlernbar und bedarf einer fachlichen Ausbildung in Theorie und Praxis. „Rein rechtlich gesehen, benötigt niemand eine Schulung. Praktisch gesehen geht es aber nicht ohne. Denn neben der fachgerechten Betreuung der Honigbiene, die rechtlich als Nutztier eingestuft wird, sind Imkerinnen und Imker zugleich auch Lebensmittelproduzenten, sofern sie Honig an Dritte weitergeben“, so Olaf Lück.

Digitale Bildungsangebote wie das Online-Portal „die-honigmacher.de“ oder die neue „Imker-App“ unterstützen Anfänger in der Ausbildung begleitend, aber „die praktische Erfahrung am Bienenvolk gemeinsam mit erfahrenen Imkern ist durch nichts zu ersetzen“, erklärt Olaf Lück die Notwendigkeit eines Austausches mit anderen Fachkundigen.

Nicht jeder sollte Imker werden

„Künftige Imkerinnen und Imker, egal welchen Alters, sollten auf jeden Fall über ein gewisses Maß an Naturverbundenheit und Naturbewusstsein verfügen und dazu möglichst folgende Eigenschaften besitzen: Sie oder er hat keine Bienengift-Allergie, kann ruhig und bedacht mit Insekten umgehen, möchte von der Natur lernen, hat dem Bienenjahr entsprechend genug freie Zeit, sich um die Imkerei zu kümmern, ausreichend Platz für imkerliches Material und die Aufstellung der Bienenbehausungen, liebt es, im Freien und der Natur zu arbeiten und hat für bestimmte Arbeiten selbst genug Ausdauer. Außerdem sollte die Bereitschaft zur stetigen fachlichen Weiterbildung bestehen.“

Als falsch verstandenes Naturbewusstsein empfindet der Verband hingegen die teilweise rasante Entwicklung der Stadtimkerei. Wie Pilze aus der Erde geschossene Kleinstimkereien auf Balkonen und Dächern haben zu einer Bienendichte in Ballungsgebieten wie Berlin geführt, die insbesondere eine hohe Übertragungsgefahr von Bienenkrankheiten mit sich bringt, wenn hier nicht mit Vernunft und Fachverständnis Bienenhaltung betrieben wird.

„Jeder der Bienen helfen möchte, muss nicht zwangsläufig imkern. Aber jene, die sich dafür entscheiden, sind herzlich willkommen und müssen sich an klare gesetzliche Regeln und die gute fachliche Praxis halten. Wir als Dachverband bieten zusammen mit unseren Mitgliedsverbänden und deren Ortsvereinen die erforderliche Unterstützung“, mahnt Olaf Lück.

Die Gestaltung und Erhaltung unserer Kulturlandschaft ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Im Frühjahr mit blühenden Obstbäumen, Feldern und Wiesen können Wild- und Honigbienen genug Vorräte einlagern. Die Bienen brauchen aber über den ganzen Sommer Nahrung und daran mangelt es in vielen Bereichen unserer kultivierten Landschaft. Besonders im Spätsommer ist eine ausreichende Versorgung wichtig, damit die Völker gut genährt und mit ausreichend hochwertigen Vorräten in die lange Winterpause gehen können. Mit einem blütenreichen, bienenfreundlichen Angebot im Garten oder auf dem Balkon, dem Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und dem Aufstellen von Nisthilfen für Wildbienen kann jeder zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungsbedingungen von Blütenbestäubern beigetragen.

Denn viel mehr als die Honigbiene, die durch den Menschen betreut wird, leiden Wildbienen unter Nahrungs- und Nistplatzmangel. Wer einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Artenvielfalt leisten will, kann auch Wildbienen gezielt unterstützen.

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