Hummeln per App erfassen und bestimmen

  • Veröffentlicht am: 13.05.2019
Mithilfe von Fragen und Bildern können auch Laien Hummeln bestimmen. Quelle: Universität Bamberg

Laien können Hummel-Arten nun mithilfe einer App bestimmen und erfassen. Die bereits existierende App „ID-Logics“ wurde nun um diese neue Funktion erweitert. Die Anwendung für das Mobiltelefon gibt Hilfestellungen und ist fehlertolerant, sodass eine Art auch dann noch richtig bestimmbar ist, wenn Fehleingaben gemacht werden.

„Mithilfe der App wollen wir die Faszination an Hummeln wecken, damit sich die Begeisterung auf alle Insekten und den Naturschutz insgesamt überträgt“, sagt Jorge Groß, Professor für Didaktik der Naturwissenschaften an der Universität Bamberg. „Denn der rasante Rückgang der Insekten muss dringend gestoppt werden.“ Eine Studie von Forschenden aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden hätte 2017 ergeben, dass die Gesamtmasse der Fluginsekten in knapp 30 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen ist. Betroffen seien unter anderem Hummeln, die viele Blütenpflanzen bestäuben – auch einige, die von keinen anderen Insekten bestäubt werden wie Klee oder Bohnen.

Umso wichtiger war es Jorge Groß, die App „ID-Logics“ um eine Hummel-Datenbank zu ergänzen. Er leitet ein Forscherteam aus den Bereichen Biologie, Biologiedidaktik, Grafik und IT-Technik. Das Team hat bereits die ersten Module der App entwickelt, mit denen man Bäume, Sträucher und Muscheln bestimmen kann, indem man Fragen zu deren äußerer Erscheinung beantwortet. Das Programm funktioniert auf Smartphones und Tablets. Zahlreiche Schulen und Universitäten nutzen die App für Bestimmungsübungen.

Die App bietet Naturfreunden zusätzlich Informationen über Hummel-Arten durch Lernvideos, Steckbriefe und Verbreitungskarten. Mit ihr kann man demnächst Fundorte von Hummeln auf der Webseite hummelmap.de melden, die alle Wildbienen-Arten in Niedersachsen erfasst und kartiert. „Mit wenig Vorwissen können jetzt sogar Grundschüler Hummeln bestimmen und später auch in allen Bundesländern melden“, so Jorge Groß. Sein Forscherteam begleitet den Prozess wissenschaftlich, unterstützt etwa die Artbestimmung und analysiert den Rückgang seltener Hummel-Arten. Mithilfe dieser Daten können die Wildbienen wiederangesiedelt werden, indem beispielsweise Ehrenamtliche in geeigneten Gebieten hummelfreundliche Pflanzen aussäen. „Unser langfristiges Ziel ist es, die App in ganz Europa einzuführen, denn Fluginsekten halten sich nicht an Landesgrenzen“, sagt Jorge Groß. Außerdem wird das Team die Software um weitere Artengruppen ergänzen, wie zum Beispiel um Frühjahrsblüher und Ameisen.

Drei Stiftungen unterstützen das Vorhaben, denn die App kostet: Die Entwicklung der App und die ersten Module wurden von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 350.000 Euro finanziert und von der Joachim-Herz-Stiftung unterstützt. Bis 2021 fördert die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) das Modul zur Hummel-Bestimmung mit etwa 30.000 Euro.

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