Neonicotinoid Thiacloprid positiv für Hummeln?

  • Veröffentlicht am: 12.12.2019

Thiacloprid macht Hummeln nichts, wenn Rotklee als Nahrung vorhanden ist. Foto: pitinhs/Pixabay, CC0

Schwedische Wissenschaftlerinnen zeigen, dass die Verwendung bestimmter Neonicotinoide Hummeln und der Bestäubung zugutekommen könnte. Demnach haben nicht alle Neonicotinoide per se negative Auswirkungen auf Bienen.

In einer Feldstudie stellten die Forscherinnen Maj Rundlöf von der Lund Universität und Ola Lundin von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften fest, dass das Neonicotinoid Thiacloprid keine nachweisbaren negativen Auswirkungen auf Hummeln hat. Als das Insektizid auf Rotkleefeldern eingesetzt wurde, konnten Schädlinge unter den Insekten erfolgreich bekämpft werden, während gleichzeitig mehr Hummeln die Blüten aufsuchten und bestäubten.

Die Studie zeigte auch, dass die Hummel-Völker in der Nähe der mit Thiacloprid behandelten Felder, auf denen Rotklee angebaut wurde, größer wurden als die Hummel-Kolonien in Landschaften ohne Rotklee-Felder.

Die Forschung zeigt daher, dass bestimmte Neonicotinoide, die in der EU noch zugelassen sind, tatsächlich den Hummeln zugutekommen können, anstatt sie zu schädigen – zumindest in Verbindung mit Rotklee als Hauptnahrungsquelle. Das Risiko direkter Auswirkungen auf die Hummeln ist gering, während Thiacloprid die Blüten schützt, auf denen die Hummeln Nahrung sammeln. Davon sind die Forscherinnen überzeugt.

„Unsere Studie zeigt, dass Neonicotinoide bei der Bewertung der Umweltrisiken von Insektiziden nicht als homogene Gruppe behandelt werden sollten. Es gibt Schädlingsbekämpfungslösungen, die Hummeln nachweislich nicht schädigen“, ist Maj Rundlöf überzeugt.

Seit dem 1. Dezember 2013 ist in der EU die Verwendung der drei Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam für blühende Pflanzen verboten. Die Wirkstoffe gelten als äußerst schädlich für Bienen. Im Frühjahr 2018 hat die EU das Verbot soweit verschärft, dass Insektizide mit einem der drei Wirkstoffe nur noch in permanenten Gewächshäusern eingesetzt werden dürfen.

Wenn das jetzt in der Studie untersuchte Neonicotinoid Thiacloprid dasselbe Schicksal erleidet, könnte es laut Maj Rundlöf negative Folgen für Hummeln haben: „Wenn diese wirksame Lösung zur Schädlingsbekämpfung vom Markt verschwinden würde, ohne dass es eine angemessene Alternative gäbe, würden die Landwirte höchstwahrscheinlich weniger Rotkleesamen anbauen und dies würde weniger Nahrung für die Hummeln bedeuten.“

Thiacloprid steht auf der EU-Liste der Substitutionskandidaten, was bedeutet, dass es in naher Zukunft verboten werden könnte. In der Vergangenheit haben Studien hormonell wirkende Eigenschaften nachgewiesen. Maj Rundlöf hofft jedoch, dass zukünftige Studien auf den Ergebnissen ihrer aktuellen Studie Forschung aufbauen: „Unsere Studie verbessert die Sicht auf Neonicotinoide ein wenig. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass es innerhalb der Neonicotinoid-Gruppe andere Alternativen gibt, bei denen keine endokrinschädigenden Eigenschaften vermutet werden. Dies könnten Alternativen für eine effiziente Schädlingsbekämpfung sein, die sowohl für Bestäuber als auch für Menschen akzeptabel sind.“

Literaturstelle: 

"Can Costs of Pesticide Exposure for Bumblebees Be Balanced by Benefits from a Mass-Flowering Crop?" Environmental Science & Technology (2019). pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.est.9b02789

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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