Bienen in der Stadt

  • Veröffentlicht am: 29.10.2026

Blühende Hotspots in der Stadt. Foto: Niels Gründel

Die Artenvielfalt von Bienen leidet unter der Änderung der Landnutzung, einschließlich der Urbanisierung. Forschungsergebnisse zeigen immer wieder, dass Städte Hotspots für Bienen sein können. In einer Meta-Studie wurden städtische Merkmale untersucht, die sich auf Bienen auswirken, und wie Bienen davon betroffen sind.

Der Großteil der Forschungsergebnisse bezieht sich auf die nördliche Hemisphäre mit 112 in Nordamerika durchgeführten Studien. In Europa wurden 105 Studien durchgeführt, während auf Südamerika und Ozeanien der weitaus geringste Teil Studien entfiel; dort dominierten Brasilien und Australien. Nur wenige Studien waren länderübergreifend.

Natürliche Gebiete sind für Bienen prinzipiell besser geeignet als Städte. Die Häufigkeit und Vielfalt der Bienen ist in Naturschutzgebieten höher als im bebauten Umfeld. Die Ergebnisse sind jedoch nicht immer eindeutig, was mitunter zu der positiven Einschätzung von Städten spricht.
Städtische Gebiete sind aber wahrscheinlich besser für Bienen geeignet als landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Im Gegensatz zum Vergleich zwischen Stadt und Natur zeigt der Vergleich zwischen Stadt und Landwirtschaft einen Unterschied zwischen der Häufigkeit und dem Reichtum der Bienen. Die Häufigkeit ist in der städtischen Umgebung nicht betroffen, was beispielsweise zu einer ähnlichen Anzahl von Besuchen pro Pflanzenart führt. Der höhere Bienenreichtum in städtischen Gebieten im Vergleich zu landwirtschaftlichen Gebieten spiegelt das vielfältigere Angebot an Nahrung und möglichen Nistplätzen wider.
Aufgrund nur weniger Vergleiche zwischen städtischen und vorstädtischen Gebieten konnten keine überzeugenden Korrelationen gefunden werden.

In den meisten Studien bevorzugen kleinere Bienen städtische Umgebungen oder ihre Größe hat sich nicht verändert. In relativ wenigen Arbeiten ist das Gegenteil zu beobachten und die Bienen werden größer.
Es wird angenommen, dass kleine Bienen im Vorteil sind, da sie weniger Ressourcen benötigen; andererseits können große Bienen größere Nahrungsbereiche abdecken.
Eine sichere Schlussfolgerung ist jedoch nicht möglich, zumal eine relativ hohe Anzahl Studien zu einem neutralen Ergebnis kommt.

Dagegen lässt sich sicher feststellen, dass bodennistende Bienen in städtischer Umgebung einen schweren Stand haben, was wahrscheinlich auf einen Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten zurückzuführen ist.
Eusoziale Bienen sind in städtischen Gebieten häufiger anzutreffen als Solitärbienen.

Die Bienendichte wird in erster Linie durch Blütendichte, Flächengröße und Blütenreichtum erhöht. Eine reichhaltige Flora erhöht wahrscheinlich die Bienenpopulation, indem sie die Artenvielfalt der Bienen erhöht.
Die Isolation von Gebieten verringert die Gesamtfläche, die Bienen zur Verfügung steht, und begrenzt so die Artenvielfalt; darüber hinaus verstärkt Isolation die Konkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen, was Honigbienen begünstigt.
Einheimische Bienen werden durch exotische Vegetation negativ beeinflusst, da sie die Konkurrenz durch exotische Bienen erhöht und sich für endemische Bienen meist weniger eignet.

Planung städtischer Lebensräume für Bienen

Städtische Gebiete können eine große Anzahl von Bienen verschiedener Arten beherbergen. Ihre Artenvielfalt kann durch verschiedene Methoden unterstützt werden, wie aus den Ergebnissen der Lebensraumcharakterisierung hervorgeht. In diesem Zusammenhang geben die Wissenschaftler Empfehlungen für die Stadtplanung ab, um Bienenlebensräume in der städtischen Umgebung zu unterstützen oder einfach dazu beizutragen, Städte bieneninklusiv und bienenfreundlich zu gestalten: Bei Maßnahmen zum Schutz von Bienen sollte man sich auf Lebensraumeigenschaften und nicht auf Landschaftsmerkmale oder Lebensraumtypen konzentrieren. Mehrere Artikel zeigen, dass der Lebensraumtyp für Biodiversitätsindizes nicht relevant ist. Vielmehr können Landschaftsmerkmale und Lebensraumtypen Hinweise darauf geben, wo eine höhere Artenvielfalt von Bienen zu finden ist. Insbesondere Lebensraumeigenschaften machen Lebensräume und Landschaften in größerem Maßstab aus.

Die Erhaltung natürlicher Gebiete ist eine besonders wichtige Maßnahme zum Schutz der Bienenvielfalt. Entsprechende Gebiete sind Hotspots für Bienen. Auf diese Weise wird die Bienenvielfalt erhalten; zudem können aus diesen Gebieten Bienen in Städte weiterziehen, insbesondere sobald sie bienenfreundlicher gestaltet wurden. 

Eine Steigerung der Blütenvielfalt und des Blütenreichtums in Städten wirkt sich positiv auf die Menge an Bienen und deren Artenvielfalt aus. Entsprechende Verbesserungen sind relativ einfach und kostengünstig umzusetzen. Dabei sollten einheimischer Vegetation Priorität eingeräumt werden, um endemische Bienenarten zu fördern.
Die Vergrößerung städtischer Grünflächen zählt ebenso zu den wirksamen Maßnahmen zur Förderung der Bienenvielfalt. In dicht besiedelten Städten kann es aufgrund von fehlenden Flächen besonders schwierig sein, derartige Maßnahme umzusetzen. Die Verbindung bestehender Grünflächen kann sich als wertvoller erster Schritt erweisen.

Nach dem aktuellen Stand der Technik existieren keine spezifischen Anweisungen dazu, „wie“ oder welche Gestaltungsmöglichkeiten in Städten effektiv getestet wurden und als bewährte Praktiken gelten können.
Sogar in städtischen Plänen für die Artenvielfalt und speziell für Bienen wie beispielsweise im australischen Sydney oder im niederländischen Rotterdam gibt es keine spezifischen Rahmenbedingungen zur Bewertung der Wirksamkeit städtischer Maßnahmen im Hinblick auf Bestäuberräume oder den Schutz der Artenvielfalt.

Nichtsdestotrotz sollten niemand auf das Schließen dieser Forschungslücken warten, sondern dessen ungeachtet Maßnahmen ergreifen. Fünf davon konnten aus bekannten Studien zusammengetragen werden:

  1. Konzentration auf Lebensraumeigenschaften
  2. Erhaltung natürlicher Flächen und Schaffung von Verbindungen zwischen natürlichen Flächen und städtischen Ökosystemen
  3. Förderung von Blütenreichtum und -vielfalt
  4. Anpflanzung einheimischer Vegetation und Begrenzung der Anzahl der Honigbienen
  5. Ausweitung städtischer Grünflächen
Literaturstelle: 

Remmers, R., Frantzeskaki, N. Bees in the city: Findings from a scoping review and recommendations for urban planning. Ambio (2024). https://doi.org/10.1007/s13280-024-02028-1

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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