Pestizid-Test 2026: Bienenfreundliche Pflanzen

  • Veröffentlicht am: 26.06.2026

Lavendel ist eine von vielen bienenfreundlichen Pflanzen, zumindest theoretisch. Foto: Louis Zhang/Unsplash

Wie gesund sind sogenannte bienenfreundliche Pflanzen wirklich für Bienen? Die österreichische Umweltorganisation „Global 2000“ hat als „bienenfreundlich“ gekennzeichnete Pflanzen auf Pestizide getestet: Ein Drittel der Zierpflanzen ist mit hoch bienengiftigen Pestiziden belastet.

Besonders gefährlich für Bienen sind systemische Pestizide wie Neonicotinoide, die von der Pflanze aufgenommen werden und bis in Pollen und Nektar gelangen. Bienen und andere Bestäuber nehmen die Pestizide dadurch direkt beim Sammeln von Nahrung auf – selbst dann, wenn die Pflanzen nicht während der Blüte gespritzt wurden.

Die Folgen können gravierend sein: Bienen verlieren die Orientierung, werden anfälliger für Krankheiten oder können sich schlechter fortpflanzen. Dabei sind Bestäuber für unsere Natur und Landwirtschaft unverzichtbar. Rund drei Viertel der wichtigsten Nutzpflanzen sind zumindest teilweise auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen.

Stellvertretend wurden 30 Pflanzen aus österreichischen Gartencentern, Baumärkten, Möbelhäusern, Lebensmittelmärkten und Gärtnereien von einem akkreditierten Labor auf mehr als 600 verschiedene Pestizide untersucht. 

Die Auswahl umfasste Pflanzen, die ausdrücklich als „bienenfreundlich“ oder „insektenfreundlich“ beworben, vom Verkaufspersonal empfohlen wurden oder allgemein als attraktiv für Bienen gelten.

77 % der Pflanzen enthielten Pestizide, 30 % der Proben waren hoch bienengiftig: Auf 23 von 30 getesteten Pflanzen wurden Pestizidrückstände nachgewiesen. Neun Proben enthielten sogar Pestizide, die als hoch bienengiftig gelten. Und vier dieser Pflanzen waren mit mehr als einem hoch bienengiftigen Wirkstoff belastet.

Auf drei Pflanzen wurden sogar Pestizide gefunden, die zum Zeitpunkt der Probenahme keine EU-Zulassung hatten. Besonders auffällig war eine Studentenblume mit vier nicht zugelassenen Wirkstoffen. Auch auf einer Strauchmargerite und einem Rhododendron wurden solche Rückstände festgestellt.

Insgesamt wurden 41 verschiedene Pestizide nachgewiesen, neun davon gelten als hoch bienengiftig: Acetamiprid, Captan, Chlorpyrifos, Deltamethrin, Flupyradifurone, Lambda-Cyhalothrin, Milbemectin, Pirimicarb und Spinosad.

Insgesamt wurden auf einer Rosmarinpflanze 16 verschiedene Pestizide gefunden, darunter vier hoch bienengiftige Wirkstoffe.

Sieben Pflanzen waren immerhin frei von Pestiziden.

„Europäische Hersteller verkaufen in der EU nicht mehr zugelassene Pestizide weiterhin in Drittländer, wo sie Mensch und Umwelt gefährden, bevor die dort produzierten Pflanzen wieder in die EU importiert werden. Diese Praxis muss beendet werden. Auch wenn sich die Entwicklung verbessert, sind bienengefährliche Pestizide – insbesondere in als ‚bienenfreundlich‘ gekennzeichneten Pflanzen – weiterhin nicht akzeptabel“, so Karolina Hötzeneder, Teamleiterin Biodiversität und Chemikalien bei Global 2000.

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