Wildbienen haben es auch nicht leicht
Wildbienen haben es auch nicht leicht
Der Autor Jörg Schneider ist studierter Biologe mit dem Schwerpunkt Bakterien und ihre Viren. Die Begeisterung für Ameisen und Bienen wurde vor rund 30 Jahren in ihm geweckt und kam fast ebenso schnell zum Erliegen – bis Corona ihn zwang, „Reisen“ nur noch in den eigenen Garten zu unternehmen und dort die Welt der Bienen (neu) zu entdecken.
Zielgruppe sind Leser, die an Insekten interessiert sind. Das Buch beginnt daher konsequenterweise mit einer kleinen Einführung in die Taxonomie und Artbestimmung sowie die Biologie von Insekten.
Im Anschluss sind die Kapitel gegliedert in Bienen, Kuckucksbienen, Kuckuckswespen, weitere Stechimmen (Bienenwolf, Knotenwespe, Ameisenwespen, Hornissen und Papierwespen), Legimmen, Fliegen, Käfer (und Motten) und Spinnen. Viele davon sind Teil der Biodiversität im Garten des Autors. Anhand des für Menschen überschaubaren Raums von rund 1.000 m² zeigt sich, wie komplex Ökosysteme sind:
Wildbienen sind nicht nur fleißig, sondern auch besonders nützlich. Nichtsdestotrotz sind sie täglich zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Das beginnt bereits vor der Eiablage, wenn Parasiten es auf die Vorräte abgesehen haben oder die Larven selbst als Nahrung nutzen wollen. Beim Sammeln von Nektar und Pollen an Blüten können die ausgewachsenen Wildbienen dann von Spinnen gefangen oder Hornissen attackiert werden.
Die von Wildbienen entwickelten Gegenstrategien lassen sich ebenfalls beobachten, wie eine besonders gute Tarnung oder das Verschließen von Nestern mit betongleichem Material. Es besteht bei den meisten Bienen aus Sand, Erde, Lehm, kleinen Steinchen, Nektar und Speicheldrüsensekret.
Die meisten überirdisch, in Holzstängeln nistende Wildbienen legen in voneinander getrennten Brutkammern jeweils einen Pollenvorrat mit einem Ei ab. Die Scherenbiene erlaubt sich den Aufwand, die Brutzellen nicht nur hintereinanderzulegen, sondern auch noch Leerzellen einzufügen. Das senkt die Parasitenlast noch einmal erheblich.
Eine andere Strategie haben Maskenbienen entwickelt: Sie verstreichen mit ihrer Zunge ein Sekret auf die Innenwände der Brutzellen, was zu einer Schutzschicht führt; bei ihnen und den größeren, verwandten Seidenbienen sind nur wenige Gegenspieler bekannt.
Kuckucksbienen machen sich das Leben leichter und lassen ihren Nachwuchs einfach von anderen aufziehen, so wie man es aus der Welt der Vögel – eben vom namensgebenden Kuckuck - bereits kennt. Allerdings sind sie dafür auf ein sehr gute Timing angewiesen, sie dürfen ihr Ei nicht zu früh unterschieben und müssen bei der Eiablage auch das der Konkurrenz vernichten, damit der eigenen Nachwuchs wirklich eine Chance hat.
Diese – und noch viel mehr Geschichten – von Gegenspielern und Strategien der Wildbienen hat Jörg Schneider in seinem Buch zusammengetragen. So zeigt sich das Bild eines komplexen und faszinierenden Netzwerks, das mithilfe des Buches jeder im eigenen Garten (oder unmittelbaren Umgebung) selbst beobachten und entdecken kann. Und die vielen Bilder des Autors helfen bei der Zuordnung vieler Wildbienen und ihrer Gegenspieler.