Raps als Rettung für die Bienen?

  • Veröffentlicht am: 20.05.2019

180 auf 120 Meter misst diese gigantische Biene auf einem Rapsacker zwischen Bad Neustadt/Saale und Heustreu. Angelegt wurde sie anlässlich des ersten Weltbienentags 2018. Foto: obs/UFOP e.V./Erzeugergemeinschaft Mainkorn

Den Weltbienentag wollen auch die industriellen Landwirtschaftsbetriebe für sich nutzen und ihren positiven Beitrag zur Förderung der Biene herausstellen. Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) will dies besonders für den Raps tun und direkt noch Fördergelder abstauben.

In Deutschland besitzt insbesondere der Rapsanbau für Bienen eine sehr große Bedeutung, Honigbienen stehen auf Raps und sind davon kaum abzubringen. Imker stehen ebenso darauf, weil er viel Honig verspricht.
Die Herbizide im Raps belasten Honigbienenvölker zwar, doch sie können ihnen nicht wesentlich etwas anhaben. Anders als Hummeln, die kleinere Arbeiterinnen und weniger Jungköniginnen sowie Drohnen hervorbringen wie jüngst eine deutsch-schwedische Studie gezeigt hat (Osterman et al. Clothianidin seed-treatment has no detectable negative impact on honeybee colonies and their pathogens. Nature Communications (2019). doi: 10.1038/s41467-019-08523-4).

Und nach dem Raps ist auf den meisten Feldern dann tote Hose für die Bienen. Honigbienen können dank Imker wandern oder werden mancherorts sogar direkt für den Winter eingefüttert. Wie alle Monokulturen hat eben auch der Raps seine Nachteile. Bienen verhungern im ländlichen Raum (Michaela M. Hofmann et al. Narrow habitat breadth and late-summer emergence increases extinction vulnerability in Central European bees, Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences (2019). DOI: 10.1098/rspb.2019.0316).

Die UFOP sieht sich allerdings durch den Deutschen Imkerbund bestätigt, der zum ersten Welttag der Biene ausdrücklich die Produktion von Biodiesel aus Ölpflanzen wie Raps, Leindotter und Sonnenblumen gefordert habe. Schließlich sorgen diese Pflanzen für blühende Äcker und damit für Bienennahrung. Zweifellos besser als Mais.
Doch die Formel „Weniger Biodiesel = weniger Bienen“ greift vielleicht ein bisschen kurz und Raps als Lösung für das Bienensterben?

Die Herausforderungen, denen Bienen und andere Insekten heute gegenüberstehen, sind vielfältig. Sie reichen von einem mangelnden Nahrungsangebot infolge einer temporär und regional unzureichenden Verfügbarkeit an Blühpflanzen, über Bienenkrankheiten bis zum unsachgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Apropos: Die Spritzung des Raps ist durchaus in Verruf gekommen, die Umrüstung auf eine bekannte und verfügbare insektenschonende Applikationstechnik namens Dropleg kostet aber Geld. Das möchten sich die Bauern gerne bezahlen lassen – durch den Steuerzahler: „Gerade in diesem Bereich gibt es sowohl von Seiten der Imker als auch der Landwirtschaft ein großes Interesse an neuen Entwicklungen und einem fachlichen Austausch. So unterstützt die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) als Vertreter der rapserzeugenden und -verarbeitenden Wirtschaft die Forderung des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) nach einer Förderung der kostenintensiven Umrüstung durch Bund und Länder.“

Merkwürdig, dass der Steuerzahler eine derartige Technik nicht einfach vorschreibt. Außerhalb der Landwirtschaft im privaten Umfeld geht das immer ganz reibungslos, zumal die bayerische Landesregierung die Umrüstung eines Gestänges mit 24 m Arbeitsbreite auf nur etwa 5.000 Euro schätzt (Antwort auf Anfrage 17/18061 zur Förderung von Dropleg-Düsen).

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