Deutsches „Ja“ bei Glyphosat-Zustimmung

  • Veröffentlicht am: 01.12.2017
Bundesamt für Glyphosat, Grafik: Niels Gründel

Ohne die deutsche Stimme wäre die EU-Bewilligung für den Unkrautvernichter Glyphosat ein weiteres Mal gescheitert. Und die kam für die Öffentlichkeit und den Koalitionspartner SPD völlig überraschend, denn Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU hat gegen den ausdrücklichen Willen des Bundesumweltministeriums in Brüssel die Wiederzulassung des hoch umstrittenen Pestizids Glyphosat durchgesetzt.

Der Alleingang von Minister Schmidt sei dreist und schäbig, findet etwa Slow Food Deutschland. Er demonstriere die Haltung eines Politikers, der sich gern einen grünen Anstrich gibt, der in der Sache aber ohne Rücksicht auf den Koalitionspartner oder die Zivilgesellschaft die Interessen der alten Agrarindustrie selbstherrlich und kaltblütig durchsetze.

Noch unmittelbar vor der Brüsseler Entscheidung hatte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nochmals ihr „Nein“ zur Zulassung übermittelt und Schmidt hatte dies auch bestätigt. Noch während er von seiner Kabinettskollegin freundlich deren ablehnendes Votum entgegennahm, hatte er schon eigenmächtig Kurs auf ein deutsches „Ja“ eingeschlagen, obwohl eine Stimmenthaltung geboten war.

Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes e. V. äußerte sich am Abend der Entscheidung ebenfalls entsetzt: „Die jetzige Entscheidung ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Sowohl wir auf Bundesebene als auch alle unsere 19 Mitgliedsverbände auf Länderebene haben uns strikt und immer wieder gegen den Einsatz dieses Mittels positioniert, denn der Einsatz des Herbizides ist in mehrerlei Hinsicht für die Imkerei nicht tolerierbar.“

Allein in Deutschland sind 94 glyphosathaltige Mittel zugelassen. Ohne dieses Pestizid geht nichts mehr: Alle Beikräuter, alle Pflanzen im Unterbewuchs, alles was sonst noch sprießt, wird mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Als Breitbandherbizid wird jeglicher Wildpflanzenwuchs beseitigt.

Glyphosat gilt laut des – immer wieder attackierten – Gutachtens der Krebsforschungsagentur der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“. Das Vorsorgeprinzip gebietet es, in solchen wissenschaftlichen Streitfällen vorsichtig zu sein und im Zweifelsfall für die Gesundheit und gegen das Risiko zu votieren.

Seit vielen Jahren wird bei Untersuchungen des Bienenbrotes (Blütenpollen, der als Eiweiß ein wichtiger Nahrungsbaustein für Bienen ist) ein Cocktail an Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen, der die Gesundheit und Vitalität der Bienenvölker maßgeblich beeinträchtigt.

Aber nicht nur wegen der Bienen findet der Deutsche Imkerbund die Entscheidung für das Totalherbizid bedenklich. „Inwieweit Glyphosat gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen hat, können wir fachlich nicht einschätzen. Jedoch haben wir als Lebensmittelproduzenten die Verpflichtung, unser Naturprodukt Honig vor möglichen Einträgen solcher Mittel zu schützen“, so Peter Maske. „Daher sind wir auch deshalb gegen den weiteren Einsatz und werden uns weiterhin dafür stark machen. Auch die Aussage von Minister Schmidt, er habe wichtige Verbesserungen zum Schutze der Pflanzen- und Tierwelt durchgesetzt, werden wir in Zusammenhang mit dieser heutigen Entscheidung hinterfragen.“

Der Minister behauptete nach dem Aufkeimen der ersten Kritik, er habe die Entscheidung für sich getroffen. Das ist wahrscheinlich sogar erstmals ehrlicher gemeint als beabsichtigt. Denn die Glyphosat-Zustimmung sichert dem Minister den Weg in eine lukrative Zukunft. Ein gut bezahlter Posten in der Agrochemie dürfte reserviert sein. Es wäre nicht das erste Mal in der deutschen Politik.

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