Neue Hoffnung für Nordamerikas seltenste Bienenart

  • Veröffentlicht am: 07.06.2018
Epeoloides pilosulus aus Alberta, Foto: Ryan Oram/Royal Saskatchewan Museum, CC-BY 4.0

Die Macropis-Kuckucksbiene ist eine der seltensten Bienen in Nordamerika, besonders wegen ihrer  ökologischen Nische, in der sie sich eingerichtet hat. Sie ist ein Nestparasit von Ölbienen der Gattung Macropis, die ihrerseits auf Blüten der Pflanzengattung Lysimachia (Gilbweidrich) angewiesen sind. Forscher haben nun entdeckt, dass die Kuckucksbiene ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet massiv ausgeweitet hat.

Tatsächlich handelt es sich bei der Kuckucksbiene – ähnlich ihrem federtragenden Namensvetter, der kein eigenes Nest baut, sondern stattdessen Eier in Nester anderer Vogelarten legt – um eine so seltene Art, dass man annahm, sie sei ausgestorben. Doch sie wurde dann in der kanadischen Provinz Nova Scotia in den frühen 2000er Jahren quasi neu entdeckt. Infolgedessen wurde das Committee on the Status of Endangered Wildlife in Canada (COSEWIC) auf sie aufmerksam.

Erst vor kurzem wurde eine Meldung aus dem weit entfernten Alberta bekannt, die neue Hoffnung für das Überleben der Art aufkommen ließ; bereits zuvor wurden Exemplare in der Provinz Ontario gesammelt und erweiterten damit die zuvor bekannten Aufzeichnungen über die Reichweite der Kuckucksbiene erheblich.

Dr. Cory S. Sheffield vom Royal Saskatchewan Museum, der die vermeintlich ausgestorbene Art in Nova Scotia zusammen mit Jennifer Heron vom Ministerium für Umwelt und Klimawandel der Provinz British Columbia wiederentdeckt hat, stellte die aktuelle Datenlage anlässlich der Studienveröffentlichung der Öffentlichkeit vor: „Diese Spezies besitzt eine sehr interessante Biologie. Es handelt sich um einen Nestparasiten – oder Kuckuck – einer Bienenart, die wiederum sehr spezielle Ernährungsanforderungen besitzt.“

Die Wirte, Bienen der Gattung Macropis sind selbst ziemlich selten, und ernähren sich ausschließlich von Pflanzen der Gattung Lysimachia und beschränken sich dabei auf jene Lysimachia-Arten, deren Blüten Öltröpfchen produzieren, die die Insekten sammeln und ihren Larven als Nahrung anbieten. Daher benötigen Macropis-Bienen Öl produzierende Blütenpflanzen ebenso wie die Macropis-Kuckucksbiene, die auf ihre Wirte und deren Nester angewiesen ist. Frühere Studien an europäischen Kuckucksbienenarten haben gezeigt, dass die Kuckucksbienen die Fähigkeit entwickelt haben, die Nester ihrer Wirte durch den Geruch der Blütenöle aufzuspüren.

Die Co-Abhängigkeit zwischen Blume, Biene und Kuckucksbiene macht das Überleben vor allem für die Kuckucksbienen sehr schwer. Aber das zuletzt gemeldete Exemplar aus Alberta zeigt, dass die Art noch immer existiert und vor allem, dass sie räumlich weiter verbreitet ist, als zuvor angenommen.

Cory Sheffield und Jennifer Heron weisen darauf hin, dass die fortgesetzte Beobachtung von Populationen seltener Bienen und die Dokumentation von Aufzeichnungen entscheidend für die Bewertung des Erhaltungszustandes gefährdeter Arten sind.

Literaturstelle: 

Sheffield C, Heron J (2018) A new western Canadian record of Epeoloides pilosulus (Cresson), with discussion of ecological associations, distribution and conservation status in Canada. Biodiversity Data Journal 6: e22837. https://doi.org/10.3897/BDJ.6.e22837

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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