Schutzgebiete und -korridore unterstützen Bienen in Palmöl-Plantagen

  • Veröffentlicht am: 24.01.2018
Eufriesea pulchra ist eine Prachtbiene aus Guyana, Foto: USGS Bee Inventory and Monitoring Lab/Flikr, Public Domain

Orchideenbienen Euglossini sind wichtige Bestäuber im Urwald des Amazonas. Im Osten Brasiliens weicht der Urwald jedoch zunehmend monotonen Palmöl-Plantagen. Wissenschaftler haben untersucht, inwieweit Waldreservate und Uferkorridore zum Erhalt von Orchideenbienen beitragen können, sodass sie auch in den Plantagen anzutreffen sind.

Biodiversität und damit verbundene Ökosystem-Leistungen zu verstehen, ist gar nicht so leicht, insbesondere, wenn immer mehr natürliche Gebiete an die Landwirtschaft verloren gehen. Die menschliche Einflussnahme beeinflusst die Biodiversität meist negativ. Aus vergangenen Untersuchungen weiß man aber auch, dass die Nähe zu Naturschutzgebieten und Wäldern etwa Plantagen in den Tropen für Kaffee und Kakao positiv beeinflussen: Bestäuber kommen aus den Schutzgebieten durchaus zu den Nutzpflanzen und steigern deren Erträge.

Palmöl-Plantagen bedecken heute mehr als 14,5 Millionen Hektar weltweit – mit weiter steigender Tendenz. Die meisten Plantagen befinden sich zwar in Südostasien, aber Palmöl-Plantagen nehmen auch in Brasilien zu, wo sich die Anbaufläche für Palmöl von 46.000 ha im Jahr 2001 auf 109.000 ha im Jahr 2009 verdoppelt hat. Die größte Anzahl von Palmöl-Plantagen in Brasilien befindet sich im Bundesstaat Pará.
Generell sind konventionelle Palmöl-Plantagen mit einem hohen Verlust an Biodiversität im Vergleich zu einheimischen Wäldern verbunden. Unter den bestäubenden Insekten können sich vor allem einige Generalisten halten und Arten, die man normalerweise nicht in Wäldern antrifft.

Um einige der negativen Auswirkungen abzumildern, verlangt ein brasilianisches Gesetz aus dem Jahr 2012 namens „BÁreas de Preservação Permanente“ (APP) von den Landbesitzern inzwischen die Bewahrung von Schutzwäldern und Uferkorridoren in der Überzeugung, dass diese Schutzgebiete die Biodiversität erhalten können und Korridore fragmentierter Arten verbinden können.

In der Neotropis bilden die Orchideenbienen eine wichtige Gruppe endemischer Bestäuber mit fast 250 Arten. Ihre metallic schimmernde Färbung macht sie auch für uns Menschen zu einer besonderen Erscheinung (daher werden sie auch Prachtbienen genannt). Sie bestäuben mehr als 600 Arten und legen dabei große Distanzen zurück, einige von ihnen 30 km am Tag. Einige der Arten reagieren – wie frühere Studien gezeigt haben – stark auf eine Fragmentierung ihres Lebensraums. Die Forscher gingen in ihrer aktuellen Studie daher davon aus, dass am meisten Orchideenbienenarten in den ursprünglichen Waldgebieten anzutreffen sein, gefolgt von den APP-Schutzgebieten um die Plantagen und am wenigsten in den Palmöl-Plantagen selbst.

Das Amazonasbecken enthält schätzungsweise 127 Euglossini-Arten. 38 dieser Arten haben die Wissenschaftler in einer recht kurzen Zeit während der Trockenzeit nachweisen können. Dabei fanden sie keine so signifikanten Unterschiede zwischen den ursprünglichen Waldgebieten und den APP-Schutzgebieten wie zuvor angenommen. Die Schutzgebiete dienen daher den meisten Arten tatsächlich als Korridore. Alle Arten, die in den Plantagen selbst gefunden wurden, konnten auch in den APP-Schutzgebieten nachgewiesen werden.

Die Studie ist eine erste ihrer Art und betrachtet nur grobe Landnutzungstypen, wie die Forscher zu bedenken geben. Immerhin zeigen sie, dass die APP-Schutzgebiete eine nennenswerte Wirkung entfalten und auch den Palmöl-Plantagenbetreibern helfen.

Literaturstelle: 

Brito, T.F., Phifer, C.C., Knowlton, J.L. et al. Apidologie (2017) 48: 575. https://doi.org/10.1007/s13592-017-0500-z

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