5. Internationale Öko-Imkereikonferenz

  • Veröffentlicht am: 04.06.2019
Ives le Conte machte in der englischsprachigen Reihe den Auftakt. Foto: Niels Gründel

Die Veranstaltung fand Anfang März an der Universität Hohenheim in Stuttgart statt und beleuchtete nach Tagen gestaffelt ganz unterschiedliche Themenfelder. Das Interesse war so groß, dass die Konferenz bereits im Vorfeld vollständig ausgebucht war. Tagesgäste fanden daher keinen Platz mehr.

Die Organisatoren hatten die Konferenz weitgehend in einen deutschsprachigen und einen englischsprachigen Teil getrennt. Ein Wechsel zwischen den Bereichen war immer möglich.
Die Tage selbst waren bestimmten thematischen Schwerpunkten gewidmet: gesellschaftliche und politische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf Imkerei und Bienen am ersten Tag; dann am zweiten Tag die Gesundheit des Bienenvolkes und am dritten und letzten Tag schließlich die Apitherapie und ihre Anforderungen an die Öko-Imkerei. Workshops am zweiten und dritten Tag ermöglichten, einzelne Themen zu vertiefen; wegen der begrenzten Platzzahl war vor dem Besuch eine Anmeldung notwendig. Abendveranstaltungen rundeten die Tage schließlich ab.

Nach den Grußworten startete das Programm: Ives le Conte vom INRA aus Frankreich begann den englischsprachigen Teil mit einer weltweiten Betrachtung von Studien zu Honigbienen, die trotz Varroa-Befall problemlos weiter überleben können. Tjeerd Blacquière von der niederländischen Universität Wageningen berichtete über ein noch laufendes Projekt zur Selektion von Varroa-Resistenz bei Honigbienen. Im aktuellen Versuchsdurchlauf werden die Untersuchungen mit 43 Völkern in den Niederlanden, 28 Völkern in Belgien und 29 Völkern in Deutschland durchgeführt.
Hannes Beims vom Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zeigte, dass in einigen Jahren Nachbehandlungen sanierter Faulbrut-Völker mit Phagen möglich sein könnten.

Im deutschsprachigen Veranstaltungsteil hatten krankheitsbedingt Walter Haefeker von der European Professional Beekeepers Association und der ebenso bekannte Bienenforscher Jürgen Tautz absagen müssen. Den Tag beendete dort der Eidgenosse Urs Niggli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau im aargauischen Frick. Er gilt als Vordenker der Bio-Landwirtschaft und scheut sich nicht, auch sie einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Erfreulicherweise erkennt er inzwischen einen Trend sogar bei konventionell arbeitenden Landwirten in Deutschland weniger Glyphosat zu verwenden und stattdessen die seit Jahrzehnten erfolgreiche mechanische Unkrautbekämpfung des Striegelns der Bio-Betriebe zu übernehmen. Die Begleitflora sorge für deutlich mehr Biodiversität unter den Bestäubern, was insofern positiv zu bewerten sei. Der Ökolandbau zeigt sich in Studien diesbezüglich stets überlegen und dennoch gebe es noch großes Potenzial dafür, „bienenfreundlicher“ zu werden. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Einsatz von Kupfer-Spritzmitteln und Spinosin. Und selbst im Bioanbau seien Flächen wie Wildblumenstreifen als Nahrungsquellen und Hecken als Überwinterungsquartiere dringend notwendig, denn Äcker seien quasi tot. „Wenn Digitalisierung zu noch größeren Feldern führt, haben wird nichts gewonnen“, mahnte Urs Niggli.

Varroa-Kontrolle ohne Medikamente

Am zweiten Tag beschrieb Silvio Erler von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wie Bienenprodukte den Bienen im Volk selbst helfen, etwa dass Propolis gegen Kalkbrut und Faulbrut schützt, wenngleich die dafür relevanten Bestandteile noch unklar seien. Für die Überwinterung hatte er auch noch einen Tipp parat, wenngleich wissenschaftliche Belege fehlten: Ob Zucker oder alternative Produkte – es sei sehr sinnvoll einige Rähmchen mit Mischhonig im Volk zu belassen, quasi als Backup.

Klaus Wallner von der Universität Hohenheim nahm sich der Varroa-Bekämpfung und ihrer Rückstandbelastung an. Gerade die Imker seien bei der Varroa ein verschärfendes Problem, das nicht unterschätzt werden dürfe: Sie setzten falsche Selektionskriterien (auch durch den Medikamenteneinsatz), Schwärme würden unterdrückt und die regionale Völkerdichte spiele ebenso eine Rolle.

Gerade bei der Selektion stünden Züchtungsziele in einem nicht auflösbaren Widerspruch, da Königinnen mit geschlossenen Brutnestern bevorzugt würden, obwohl diese gar nicht möglich sind, wenn die Bienen Varroa-befallene Zellen konsequent ausräumen.

Die Honigbienen selbst sind auch eher hinderlich bei der Varroa-Bekämpfung, denn ein niedriger Befall lässt sich für Imker nur schwer erkennen, da die Bienen ein normales Verhalten an den Tag legen. Darüber hinaus werden Behandlungen durch die Bienen selbst torpediert, indem sie vorübergehend ausziehen, die Brut abdecken und ventilieren.

Belastungen durch Perizin sinken seit Jahren, doch halten sich einmal zugelassene und angewandte Stoffe über Jahre in den Wachskreisläufen und belasten damit auch eingelagerten Honig. Die Rückstandsproblematik verschiebt sich heute tendenziell von den Varroaziden hin zu Pflanzenschutzmitteln. Besonders auffällig sind dabei die Rückstände aus der Spritzung des Raps, die sich nicht einmal gegen Insekten richtet.

Er gab zu bedenken, dass die Natur – anders als der Imker – gar kein Recycling von Wachs vorgesehen habe: Nicht umsonst gibt es die Wachsmotte, mit der sich über Jahre angesammelte Rückstandbelastungen auflösten.

Die Honigqualität von konventionellem und ökologisch erzeugten Honig unterscheiden sich heute kaum noch. Andererseits kommen Öko-Imker heute durch immer bessere Analysen unter Druck. Die Nachweisgrenzen sinken, sodass Rückstände in Öko-Honigen nachweisbar werden, obwohl der Verbraucher davon ausgehe, dass diese Produkte weniger Rückstände enthalten.

Imkerin Eva Frey beschrieb die horizontale Verbreitung von Varroa-Milben. Ein Austausch findet nicht nur in nächster Umgebung, sondern bis 1,5 km Entfernung statt. Wenige belastete Bienenvölker können daher ein ernsthaftes Problem werden. Bei einer hohen Bienendichte sind eigene, behandelte Völker daher mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von einer Einschleppung neuer Varroa-Milben betroffen.

Ralph Büchler vom deutschen Bieneninstitut Kirchhain warb für eine naturgemäße Völkerführung. Das Ziel sei, gesunde Winterbienen durch eine totale Brutentnahme zu erhalten. Beste Ergebnisse erhalte man 10 bis 14 Tage vor der letzten Ernte. Dabei lassen sich optimale Einwinterungsbedingungen und eine effektive Varroa-Kontrolle ohne Medikamente erzielen, eigentlich ganz im Sinne einer Bio-Imkerei. Die Behandlung durch chemische Präparate führe auch zu einer Auslese im Bienenvolk, wenngleich dies den meisten Imkern nicht bewusst sei. Mit dieser Einschätzung schloss er sich dem Vorredner Klaus Wallner an.

Matthieu Guichard vom Agroscope sprach über Varroatoleranz, Bienengesundheit und autochtone Bienenrassen am Beispiel der Schweiz.

Stefan Mandl stellte seinen Großbetrieb vor: Er betreibt in Österreich zusammen mit 20 Mitarbeitern eine biozertifizierte, extensive und erfolgreiche Bio-Imkerei mit etwa 700 Ständen und rund 10.000 Bienenvölkern. Er erzeugt vor allem Honig aber lebt auch vom Verkauf von Bienenvölkern. Bio ist nicht nur für die Kleinen gut, sondern auch für die Großen.

Nicht einfach gut: Apitherapie

Der dritte Tag begann mit einer Einführung von Stefan Stângaciu vom Deutschen Apitherapiebund in die Thematik. Darin beleuchtete er zahlreiche Bienenprodukte, auch solche, die hierzulande weniger verbreitet sind, wie etwa Apilarnil oder Bienenstockluft. Eine Api-Imkerei setze insbesondere auf viele aktive Komponenten und Sortenreinheit. Kleine Honigräume ermöglichen etwa eher monoflorale Honige. Das Schleudern bewertete er negativ, da Sauerstoff zugesetzt würde und ebenso Bakterien und Viren aus der Umgebungsluft; wertvolle ätherische Öle dagegen gingen verloren.

Manuka-Honig sei „unkorrekt“ teuer, denn manche europäische Honige seien ihm ebenbürtig wie etwa Kastanie oder Linde. Noch wirksamer sei eine Mischung aus Honig, Propolis und Thymianöl.

An diesem Tag zeigte sich, dass die Organisatoren bei der Einladung ihrer Referenten auch keiner Konfrontation aus dem Wege gingen: Direkt im Anschluss erhielt Karsten Münstedt vom Ortenau Klinikum das Wort. Er betrachtete die Möglichkeiten und Grenzen der Apitherapie aus wissenschaftlicher Sicht. Gerade Empfehlungen in der Literatur sind sehr unterschiedlich – oft gebe es 15 verschiedene Antworten auf eine Frage, was für Imker nicht ungewöhnlich sei wie ein Zuschauer einwarf.

Bücher über die Apitherapie berücksichtigten Erkenntnisse aus Studien nur selten, es gäbe kaum nachvollziehbare Begründungen für Behandlungskonzepte. Er forderte daher mehr Sachlichkeit und weniger Emotionen bei der Diskussion um die Apitherapie, denn das Potenzial sei durchaus da, für einen Weg zu wissenschaftlich, respektierten Behandlungsweisen.

Von der Apitheraphie forderte er nicht weniger als eine Reform, um dem Vorwurf der Pseudomedizin zu entgehen, und auch den Imkerverbänden schrieb er ins Stammbuch, Studien zur Wirksamkeit für europäischen Honig zu finanzieren. Denn diesbezüglich hätten die Neuseeländer für ihren Manuka-Honig alles richtig gemacht.