Hummeln verteilen Fungizide

  • Veröffentlicht am: 07.10.2019
Kommerziell gezüchtete Hummeln bringen Fungizide direkt zu Blüten. Foto: Niels Gründel

Das kanadische Unternehmen „Bee Vectoring Technology“ (BVT) hat schon vor Jahren einen Dispenser entwickelt, mit dem kommerziell gezüchtete Hummelvölker nicht mehr nur die Bestäubung von Blüten übernehmen, sondern auf ihrem Weg zu den Blüten beim Verlassen des Nestes auch Pflanzenschutz betreiben sollen. Jetzt hat es eine erste Zulassung erhalten.

Warum nicht noch ein bisschen extra auf dem Weg zu den Blüten mitnehmen, haben sich Forscher des Start-ups gedacht. Die Hummeln könnten mithilfe des neu entwickelten Systems eine wirkungsvolle Alternative zum Multi-Milliarden-Markt der synthetischen Pestizid-Industrie werden. Auf dem Weg aus dem Nest laufen sie durch einen Dispenser, der mit einem patentierten Mix aus natürlichen Mikroben, nützlichen Pilzsporen und einigen anderen Wirkstoffen gefüllt ist. Der Dispenser muss alle drei bis neuen Tage getauscht werden, ohne dass dafür spezielle Kenntnisse erforderlich wären.

Im Gegenzug dafür sorgen die Hummeln für eine exakte Ausbringung des biologischen Pestizids, das unter anderem gegen Schimmelfäule helfen soll. So genau, wie die Hummeln Blüten besuchen, kann kein Landwirt in die Blüten spritzen. Beim Unternehmen BVT geht man davon aus, dass gerade einmal 1 % herkömmlicher Spritzmittel im geplanten Ziel ankommen, der Rest landet im Boden, im Grundwasser oder anderen Stellen, die eigentlich verschont bleiben sollten. Eine schlechte Quote des bisherigen Systems. Im Gegensatz dazu ist die bei der Hummel-Verteilung benötigte Menge um ein Vielfaches geringer. Und sie können das Pflanzenschutzmittel auch über die gesamte Blühdauer etwa bei einer Apfelplantage ausbringen, während der Landwirt nur zu bestimmten Zeiten durch seine Plantage fahren und dabei niemals alle Blüten treffen kann.

Für die Hummeln, die schon natürlicherweise mit dem Mittel in Berührung kommen, soll die von BVT entwickelte Mixtur gefahrlos sein. Für den Landwirt soll die Anwendung kostenneutral sein. Er darf sich aber über eine größere Ernte und etwas haltbarere Früchte freuen. Nicht zu vergessen: Auch konventionelle Betriebe könnten ihren Pestizideinsatz massiv reduzieren.

Erste Zulassung erhalten

Nach jahrelanger Entwicklung hat BVT nun eine Genehmigung der US-Umweltschutzbehörde U. S. Environmental Protection Agency (EPA) für Clonostachys rosea CR-7 zur Verwendung als Fungizid bei Nutzpflanzen erhalten. Es ist der erste von der EPA registrierte Wirkstoff für die Anwendung durch Bienen, dem so genannten „Bee Vectoring“, das dem Unternehmen seinen Namen gab.

Das jetzt zugelassene Produkt wird unter dem Markennamen Vectorite vertrieben und ist für die Anwendung u. a. bei Blaubeeren, Erdbeeren, Mandeln und Sonnenblumen gedacht. Das Produkt soll noch für die diesjährige Herbst- und Winter-Saison bei Blau- und Erdbeeren in den Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen.

„Es ist eine bahnbrechende Veränderung bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“, so Ashish Malik, CEO von BVT. „Durch die Nutzung kommerziell gezüchteter Bienen zur Lieferung biologischer Produkte können Erzeuger ihre Ernten schützen, die Ernteerträge steigern und ihre nachhaltigen Anbaupraktiken verbessern, indem sie den Einsatz von Chemikalien und anderen kostspieligen und immer knapper werdenden Ressourcen wie Wasser, Kraftstoff und Arbeitskräften reduzieren.“

Das Unternehmen BVT strebt die behördliche Zulassung auch in anderen wichtigen Ländern weltweit an.

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