Sprache entscheidet über Paarung bei Roten Mauerbienen

  • Veröffentlicht am: 26.02.2019
Nahe Verwandte der Rostroten Mauerbienen - Gehörnte Mauerbienen Osmia cornuta - bei der Paarung. Foto: Niels Gründel

Bei der Rostroten Mauerbiene Osmia bicornis entscheiden die Weibchen, mit wem sie sich paaren und bei der Partnerwahl fällt die Entscheidung für Männchen aus dem eigenen Land. Bienen aus Großbritannien und Festland-Bienen verstehen sich besonders wenig.

Die Forscher führten Versuche mit Rostroten Mauerbienen aus Deutschland, Dänemark und England durch. Bisher ging man davon aus, dass die Wahl für oder gegen einen Fortpflanzungspartner ausschließlich auf Pheromonen und der körperlichen Fitness der Männchen basiert. Doch im Rahmen ihrer Studie haben die Biologen Dr. Taina Conrad und Professor Manfred Ayasse vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik der Universität Ulm aufgedeckt, dass Bienen über ein deutlich komplexeres Kommunikationsverhalten verfügen als bisher angenommen.

Vor der Paarung der Rostroten Mauerbienen findet ein Balzverhalten statt, das auf Vibrationen beruht. Man nahm bisher an, dass die Vibrationen der Männchen den Weibchen anzeigen, wie fit ein Männchen sei. Die mit der Flugmuskulatur erzeugten Vibrationen unterscheiden sich jedoch bei den Mauerbienen abhängig davon, aus welchem Land sie stammen. Dieser regionale Unterschied führte bei den Laborversuchen dazu, dass etwa Paarungsversuche zwischen deutschen und englischen Mauerbienen deutlich seltener erfolgreich waren.

Dieser lokale Dialekt muss daher wie eine Sprache mehr Informationen enthalten als nur den Hinweis auf die Fitness eines Männchens: Im Rahmen ihrer Untersuchungen manipulierten die Forscher die Sprache der Männchen, indem sie sie zuvor aufzeichneten und mithilfe elektromagnetischer Felder, erzeugt durch winzige Magneten auf dem Rücken der Männchen, abspielten. Die Männchen setzten ihre eigenen Vibrationen aus, kamen jetzt aber länderübergreifend bei den Weibchen zum Zug. Umgekehrt angewandt verstanden deutsche Mauerbienen-Weibchen die deutschen Männchen deutlich seltener.
Lokale Ausprägungen beim Duft und im Verhalten der Männchen haben die Forscher nicht angepasst.
In künftigen Studien sollen nun die Inhalte der Gespräche erforscht werden.

  Deutschland (♂) England (♂) Dänemark (♂)
Deutschland (♀) 90 % 44 % 40 %
England (♀) 20 % 83 % 60 %
Dänemark (♀) 40 % 46 % 80 %

Rostrote Mauerbienen fliegen sehr früh im Jahr und bestäuben Blüten äußerst effizient, Eigenschaften, die besonders Obstbauern an dem Insekt schätzen. Zunehmend werden Exemplare dieser Bienenart deshalb für die kommerzielle Bestäubung von Obstbäumen genutzt. Damit einher geht der Handel mit Bienenkokons, die europaweit verschickt werden. Ein Aufeinandertreffen zwischen deutschen, englischen und anderen europäischen Subgattungen der Mauerbiene ist daher nicht mehr ausgeschlossen.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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