Virtueller Raum hilft Hummeln

  • Veröffentlicht am: 05.02.2019
Feldexperimente können sehr zeit- und kostenintensiv sein. Ein Computerprogramm stellt inzwischen realistische Simulationen für Hummeln an. Foto: Niels Gründel

Das Programm „Bumble-BEEHAVE“ ist eine Computersimulation, mit deren Hilfe die Entwicklung von Völkern unter verschiedenen Faktoren nachvollzogen werden kann, etwa wie sie auf Pestizide, Parasiten und den Verlust von Lebensräumen reagieren.

Mithilfe der Anwendung können Forscher, Landwirte, politische Entscheidungsträger und andere interessierte Personenkreise unterschiedliche Techniken der Landbewirtschaftung testen, um herauszufinden, was für die Bienen am vorteilhaftesten ist. Feldexperimente können sehr zeit- und kostenintensiv sein, sodass die Ergebnisse von Bumble-BEEHAVE dazu beitragen können, die Anzahl der benötigten Experimente zu reduzieren und zu verfeinern.

„Wir wissen, dass der Rückgang der Bestäuber ein wirklich großes Problem für Kulturpflanzen und auch für Wildblumen ist“, so Dr. Grace Twiston-Davies von der Universität Exeter. „Bumble-BEEHAVE berücksichtigt die vielen komplizierten Faktoren, die miteinander interagieren, und Hummeln beeinflussen. Es bietet einen virtuellen sicheren Raum zum Testen verschiedener Managementpraktiken. Es ist ein kostenloses, benutzerfreundliches System, und wir arbeiten bereits mit Landwirten und Naturschutzgruppen vor Ort zusammen.“

Die Entflechtung der vielen Faktoren, die Hummelvölker beeinflussen, ist unglaublich kompliziert, was bedeutet, dass das Testen verschiedener Methoden durch Landwirte in der Natur oft nicht möglich ist.

Das Problem veranlasste die Wissenschaftler aus Exeter daher, die Computermodelle BEEHAVE (für Honigbienen) und Bumble-BEEHAVE (für Hummeln) zu entwickeln.

Bumble-BEEHAVE kann das Wachstum, das Verhalten und das Überleben sechs britischer Hummelarten simulieren; die Bereitstellung verschiedener Nektar- und Pollenquellen für die Nahrungssuche ist dabei möglich.

„Das Bumble-BEEHAVE-Modell ist ein wichtiger Schritt bei der Vorhersage der Populationsdynamik von Hummeln“, erklärt Professorin Juliet Osborne, die das BEEHAVE-Team leitete. „Damit können Forscher die individuellen und interagierenden Auswirkungen verschiedener Stressfaktoren, die das Überleben von Hummeln beeinflussen, und die Rückkopplungsmechanismen verstehen, die ein Volk gegen Umweltstress abpuffern können oder sogar zum Zusammenbruch von Kolonien führen. Das Modell kann verwendet werden, um Feldexperimente zu entwerfen, Risikobewertungen zu treffen, Entscheidungen über Bestandserhaltung und Landwirtschaft zu treffen und maßgeschneiderte Managementempfehlungen zu geben.“

„Wir hoffen wirklich, dass Forscher und Landwirte das Modell nutzen und uns Rückmeldungen geben werden, damit wir es in Zukunft noch weiter verbessern können“, so der Modellentwickler Dr. Matthias Becher.

Die Anwendung „Bumble-BEEHAVE“ ist im Internet frei verfügbar.

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