Der Dachs als Räuber der Hummeln

  • Veröffentlicht am: 13.03.2020

Dachse mögen Hummeln ein bisschen zu viel. Foto: Lyn Bratton/Pixabay, CC0

Hummeln haben in der Natur nur wenig Freunde: Der Mensch setzt ihnen in allen Bereichen zu – durch immer weniger Lebensraum, Pestizide und die Verbreitung von Krankheiten durch die Haltung von Honigbienen. Zusätzlich müssen sich Hummeln gegen weitere schwierige Umweltbedingungen durchsetzen, in verbliebenen Lebensräumen etwa gegen natürliche Raubtiere wie dem Dachs.

Welche Auswirkungen der Dachs auf Hummel-Populationen besitzt, wurde bisher nicht untersucht. In einer aktuellen Studie wurden künstliche Hummel-Nester verwendet, die aus Nistmaterial kommerziell gezüchteter Hummel-Nestern bestanden, um den relativen Raubtierdruck von Dachsen zu quantifizieren. Untersucht wurden Nester in Wald und Grünland sowie an zwei unterschiedlichen Nistorten – kurz unter der Erdoberfläche und tiefer im Erdreich.

Die Studie wurde an zwei Orten in Großbritannien mit bekanntem Dachsvorkommen durchgeführt: Woodchester Park, in Gloucestershire als Hauptuntersuchungsstandort, da dort eine Langzeitstudie zur Überwachung der Dachspopulation durchgeführt wird, und Boundary Court in Gloucestershire.
Beide Standorte weisen einen ähnlichen Lebensraum mit Waldtälern an den Grenzen des Untersuchungsgebietes und Grünland in ihrer Mitte auf.
Die Studie wurde an einem Ort mit mittlerer bis hoher Dachsdichte durchgeführt: Die Dichte im Woodchester Park lag seit 2010 zwischen ungefähr 16 und 23 Dachsen pro km² (McDonald et al., 2018).

Für die Untersuchungen wurden „Künstliche Nester“ verwendet, die aus Töpfen gefüllt mit handelsüblichem Nistmaterial, Wachs, Brutzellen und Dunklen Erdhummeln Bombus terrestris selbst bestanden. Jedes künstliche Nest bestand aus nur 7 g, während natürliche Nester nach Rotheray et al. 2017 über 100 g wiegen. 7 g sind nach Waters et al., 2011 jedoch ausreichend, um durch Spürhunde gefunden zu werden.
Leere Töpfe dienten der Kontrolle.
Die Studie wurde vom 19. Juli bis 16. August 2017 durchgeführt.

Die Nester an der Oberfläche wurden nur 1 bis 2 cm mit Erde bedeckt, während die unterirdischen Nester in einer Tiefe von 17 bis 19 cm eingegraben wurden.

Künstliche Nester mit Hummel-Nistmaterial wurden von den Dachsen vermehrt ausgegraben. An einem Ort mit hoher Dachsdichte war der Druck für die Hummeln im Wald größer als im Grünland, während der Ort des Nestes – kurz unter der Erdoberfläche oder in tiefer im Erdboden – selbst keinen Unterschied für die Attraktivität darstellt.

Die Tatsache, dass Dachse künstliche Nester erkennen konnten, selbst wenn sie klein waren, deutet darauf hin, dass Dachse als Räuber Auswirkungen auf wilde Hummel-Kolonien haben können. Ein kleiner Teil der Kontrolltöpfe wurde ausgegraben, obwohl kein Geruchsprofil eines Hummel-Nests vorhanden war. Dies zeigt, dass Dachs möglicherweise von den neuartigen Gegenständen in ihrer Umgebung angetan sind, obwohl die Kontamination durch menschlichen Geruch soweit wie möglich minimiert wurde.

Obwohl die Wissenschaftler im Vorfeld davon ausgingen, dass die Nester kurz unter der Oberfläche einem höheren Risiko ausgesetzt wären, weil sie leichter zu erkennen sind oder weniger Energie zum Ausgraben benötigen als ein unterirdisches Nest, war dies nicht der Fall.
Die Dachse konnten Nester auch weit unter der Oberfläche gleichermaßen erkennen und ausgraben.

Einige Hummel-Arten meiden Dachse, weil sie an Orten nisten, die von Dachsen weniger bevorzugt werden. Die Ackerhummel B. pascuorum besitzt beispielsweise eine starke Präferenz für das Nisten in Büschelgrünland wie Kells & Goulson 2003 und Svensson et al. 2000 feststellten, während Dachse lieber in kürzerem Grasland auf Nahrungssuche gehen, so Kruuk et al. 1979.

Die Aktivität der Dachse in den beiden untersuchten Lebensräumen wird wahrscheinlich von den Wetterbedingungen beeinflusst. Insbesondere bei Nässe verbringen Dachs mehr Zeit mit der Suche nach Regenwürmern in Grünlandhabitaten (Kruuk, 1978; Shepherdson et al., 1990), während sie sich unter trockenen Bedingungen schneller bewegen und weiter umherschweifen (Kruuk, 1978). Und es ist bekannt, dass sie in heißeren, trockeneren Sommern häufiger Insekten fressen (Shepherdson et al., 1990).
Heißere Sommer, die unter zukünftigen Szenarien des Klimawandels zu erwarten sind, könnten daher zu einer Zunahme der Jagd nach Insekten führen. Dies würde den Stress für Hummel-Populationen zu einem Zeitpunkt weiter erhöhen, an dem die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln bereits durch die Verringerungen der Blütenvielfalt, des Blütenreichtums und der Nektarproduktion beeinträchtigt ist (Phillips et al., 2018).

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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