Bienenfreundlicher Schutz für Pflanzen

  • Veröffentlicht am: 02.03.2026

Pflanzenschutzmittel künftig ohne Nebenwirkungen für Bienen? Foto: Grant Ofstedahl/Unsplash

Neuartige Sensoren sollen helfen, Pflanzenschutzmittel zu entwickeln, die für Bienen ungefährlich sind.

Der großflächige Einsatz von Pestiziden hat in der Vergangenheit zu einer erheblichen Reduktion von Insektenpopulationen geführt. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang der Wildbienen, die einen wesentlichen Beitrag zur Bestäubung beitragen und somit für landwirtschaftliche Erträge unverzichtbar sind. Nichtsdestotrotz werden aufgrund des weltweit steigenden Bedarfs pflanzlicher Lebensmitteln immer mehr Pflanzenschutzmittel zum Einsatz gelangen, um Kulturpflanzen vor Schädlingen zu schützen und Ernteerträge zu sichern.

Im Förderprojekt Ökotox arbeitet ein Team von Wissenschaftlern an der Entwicklung neuartiger Sensoren. Sie sollen helfen, „bienenfeindliche“ Substanzen bereits in frühen Entwicklungsphasen neuer Pflanzenschutzmittel zu identifizieren. „Unser Ziel ist es, dass diese Sensoren eine schädliche Wirkung auf Insekten innerhalb weniger Stunden anzeigen und gleichzeitig viele Substanzen zeit- und kostensparend parallel untersucht werden können“, erklärt Prof. Joachim Wegener von der Universität Regensburg. 

Das Grundkonzept des neuen Ansatzes basiert auf der Verwendung von Insektenzellen als Sensoren. Diese Zellen verfügen über den für die jeweiligen Insekten typischen Stoffwechsel und können bei Kontakt mit einem Wirkstoff dessen Einfluss anzeigen. „Die Zellen werden in Laborgefäße überführt, die am Boden mit Mikroelektroden ausgestattet sind“, erläutert Joachim Wegener. In diesen so genannten Multielektroden-Arrays lässt sich der Wechselstromwiderstand (Impedanz) der Zellen in Echtzeit bestimmen und damit Auswirkungen auf die Zellen dokumentieren. 
Das Verfahren könnte herkömmliche Tests aus der Bioanalytik ergänzen, mit denen die toxische Konzentration des isolierten Wirkstoffes ermittelt wird. Üblicherweise enthalten Pflanzenschutzmittel aber zahlreiche Beimengungen, die nicht selten für die unbeabsichtigten toxischen Effekte verantwortlich sind. Mit den Insektenzellsensoren lässt sich die Wirkung der gesamten Mischung erfassen. So können biologische Auswirkungen neuer Wirkstoffkandidaten schnell identifiziert werden.

Die Anzucht der Zellen erfolgt im Labor. Sie werden direkt in den Vertiefungen der Multielektroden-Arrays eingefroren und bei niedrigen Temperaturen gelagert. Die Zellen können dann bei Bedarf aufgetaut werden und sind innerhalb von Minuten testbereit, unabhängig von einem Zellkulturlabor auch direkt im Freiland. Dies ermöglicht eine zeit- und kosteneffiziente Vorbereitung großer Chargen an Sensorzellen - lange bevor ein Test zur Anwendung kommt.
Bisher wurden fünf verschiedene Pestizide mit dieser optimierten Sensorik auf ihre akute Zelltoxizität untersucht. „Die Ergebnisse zeigen, dass einige Pestizide, die für den Hausgebrauch verkauft werden, bei Konzentrationen toxisch sind, die weit unter den empfohlenen Anwendungskonzentrationen liegen“, so Stefanie Michaelis vom Fraunhofer-Institut für Elektronische Mikrosysteme und Festkörper-Technologien (EMFT). 

Um die Anwendung der sensorbeladenen Elektrodenarrays zu automatisieren, wurde durch das Forschungsteam ein Demo-Gerät entwickelt, das das Auftauen der Zellen und die Probenzugabe übernimmt. „Das Gerät ermöglicht eine exakte Dosierung und schließt jegliche Kreuzkontamination aus“, erläutert Christian Hochreiter vom EMFT, der den Prototypen geplant und konstruiert hat. Inwieweit die Ergebnisse mit Insektenzellen die Beeinflussung der lebenden Insekten widerspiegeln, ist Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten. Neben dem Nachweis einer akuten insektiziden Wirkung soll die Sensorik künftig auch verschiedene Zellfunktionen untersuchen und die gleichzeitige Untersuchung von Zellen verschiedener Insektenspezies ermöglichen. „Unser Ziel ist es, ein umfassendes Wirkprofil der Substanzen zu erstellen, das über deren reine akute Toxizität hinausgeht“, so Joachim Wegener.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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