Hummeln fliegen auch auf Glyphosat
Hummeln meiden mit glyphosathaltigen Herbiziden behandelte blühende Nutzpflanzen nicht. Foto: Krzysztof Niewolny/Unsplash
Pestizide sind einer der Gründe für den weltweiten Rückgang bestäubender Insekten. Herbizide, die das Wachstum von Unkräutern hemmen, können ökotoxikologische Risiken für Bestäuber bergen. Bestäubende Insekten können Herbizide oral aufnehmen, wenn sie kontaminierte Blüten zwischen der Anwendung und dem Absterben der Pflanze besuchen.
In einer Studienarbeit untersuchte ein Team von Wissenschaftlern, ob Erdhummeln Bombus terrestris Pflanzen aufsuchen, die mit glyphosathaltigen Herbiziden behandelt wurden, wenn zugleich nicht kontaminierte Pflanzen verfügbar sind. Zusätzlich untersuchten sie, ob die orale Aufnahme von glyphosathaltiger Herbizide und das Vorhandensein der invasiven Vielblättrigen Lupine Lupinus polyphyllus das Sammelverhalten der Hummeln beeinflussen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Hummeln sowohl in Freiland- als auch in Flugkäfigversuchen zuvor mit glyphosathaltigen Herbiziden behandelte Pflanzen aufsuchten.
Hummeln meiden mit glyphosathaltigen Herbiziden behandelte blühende Nutzpflanzen nicht, selbst wenn unbehandelte Blühpflanzen in der Umgebung verfügbar sind. Dies zeigte sich in allen Experimenten gleichermaßen - sowohl im Feldversuch, im Flugkäfigversuch als auch im Y-Labyrinth-Experiment.
In den Experimenten der Studie wurden nur unerfahrene Hummeln ohne vorherige Sammelerfahrung und damit ohne bereits erlernte Präferenzen eingesetzt.
Durch die Nahrungsaufnahme kommt es auch zur oralen Aufnahme glyphosathaltiger Herbizide, was die Aktivität der Hummeln reduzierte. Dies wiederum führte zu einer verringerten Besuchsrate. Ein auffälliger Anteil der exponierten Hummeln besuchte im Vergleich zu den Kontrollhummeln keine Blütenpflanzen mehr.
Mit Glyphosat belastete Hummeln besuchten in einem größeren Ausmaß invasive Pflanzen als die Kontrollhummeln.
Die durch Glyphosat hervorgerufenen Veränderungen der Duftstoffe von Blüten beeinflussen das Verhalten der Hummeln bei der Nahrungssuche nicht. Die von den Pflanzen abgegebenen flüchtigen Verbindungen werden durch das Spritzen mit einem glyphosathaltigen Herbizid nur geringfügig verändert.
Wenn ein signifikanter Anteil sammelnder Hummeln eines Volkes glyphosathaltigen Herbiziden ausgesetzt wird und in der Folge nur noch vermindert nach Nahrung sucht, kann dies schnell das gesamte Volk schwächen. Selbst ein kurzfristiger Nahrungs- und Energiemangel kann die Anfälligkeit eines Hummelvolkes für Fressfeinde und Parasiten erhöhen, die Entwicklungszeit der Larven verlängern, die Bruttemperatur senken und das Wachstum des Volkes beeinträchtigen (Cartar und Dill, 1991; Requier et al., 2020).