Schlaue Bienen sorgen mit ihren Mathekenntnissen für Aufsehen
Beispielhafte Karten aus den ersten beiden Experimenten zum Training und Testen. Quelle: Kuo et al., 2025/CC BY 4.0
Honigbienen haben sich als noch schlauer erwiesen als bisher bekannt. Eine neue Studienveröffentlichung zeigt, dass sie Zahlen wie Menschen von links nach rechts ordnen. Die winzigen Mathematiker haben die Forscher bei der Studienarbeit mit ihren Fähigkeiten zur Zahlen- und Raumverarbeitung beeindruckt.
Honigbienen haben bereits in früheren Studien gezeigt, dass sie zur Lösung numerischer Problemstellungen befähigt sind.
Um zu testen, wie sie Zahlen am liebsten anordnen, zeigten die Forscher in einer aktuellen Studienarbeit Honigbienen kleine Karten mit unterschiedlich vielen Formen. Durch verschiedene Kombinationen und Platzierungen zeigten die Honigbienen Anzeichen dafür, dass sie kleinere Zahlen lieber links und größere Zahlen lieber rechts von sich platzierten.
Die starken Fähigkeiten der Bienen zur Informationsverarbeitung macht sie zu idealen Forschungsobjekten für die Untersuchung von Tieren mit Miniaturgehirnen.
„Wenn wir lernen, wie verschiedene Arten Informationen wie Zahlen und Raum verarbeiten, erhalten wir einen umfassenderen Gesamtkontext für unser Verständnis des menschlichen und tierischen Gehirns. Wir können lernen, was in der Funktionsweise unseres Gehirns anders und was gleich ist“, so Dr. Scarlett Howard von der Monash Universität. „Frühere Studien haben gezeigt, dass mehrere andere Arten, darunter Affen und einige Vögel, Zahlen in verschiedene Richtungen ordnen. Es zeigt uns, wie Informationen im Gehirn effizient geordnet werden, woher diese Voreingenommenheiten kommen und wie weit verbreitet die Informationsverarbeitung bei verschiedenen Arten ist.“
Die Entdeckung ist ein weiteres Stück im komplexen Puzzle der Evolution. „Das letzte Mal, dass wir einen gemeinsamen Vorfahren mit Bienen hatten, war vor mehr als 600 Millionen Jahren, aber sie haben diese Fähigkeit, die unserer so ähnlich ist, entweder beibehalten oder separat entwickelt“, erläutert Professor Adrian Dyer von der Monash Universität. „Wir neigen dazu, die Intelligenz von Tieren mit kleineren Gehirnen zu übersehen, aber das ist nicht immer der Fall. Das Gehirn des Menschen besteht aus fast 100 Milliarden Neuronen, während Bienen weniger als eine Million haben, und dennoch weisen wir diese messbaren Ähnlichkeiten in der neuronalen Verarbeitung auf.“
„Dieser Befund hat erhebliche Auswirkungen auf die Evolution kognitiver Funktionen, der Informationsverarbeitung und der mathematischen Fähigkeiten des Menschen“, ergänzt Jung-Chun Kuo von der Universität Melbourne.
Die Beweise dafür, dass Honigbienen, Menschen, einige Primaten und Vögel Richtungspräferenzen bei der Anordnung von Zahlen zeigen, deuten darauf hin, dass diese Art der Informationsverarbeitung für sehr unterschiedliche Tiere Vorteile hat.
Die Forscher wollen nun die Rätsel lösen, warum so unterschiedliche Tierarten es vorziehen, Raum und Zahl auf ähnliche Weise zu verknüpfen, wie ein Miniaturgehirn mathematische Verarbeitung ermöglicht und welche Lehren sich daraus für die effiziente Gestaltung neuer Technologien ziehen lassen.