Varrox Eddy im Langzeit-Praxistest
Der „Varrox Eddy“ im Einsatz. Foto: Niels Gründel
Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten geht die Verdampfung von Oxalsäure bei Honigbienen im Rahmen der Varroa-Beahndlung mit deutlichen Vorteilen einher.
Seit einigen Jahren gibt es mit dem Präparat Varroxal und mit den Verdampfern „Varrox“ und „Varrox Eddy“ zwei zugelassene Geräte. Der „Varrox Eddy“ verfügt über einen Akku und ist daher sehr flexibel einsetzbar.
Der „Varrox Eddy“ wurde speziell für die Verdampfung von reinem Oxalsäure-Dihydrat entwickelt. Pro Behandlung können 0,8 bis 2,4 Gramm über den integrierten Tiegel verdampft werden.
Das Gerät wird in einem Koffer zusammen mit einem Ersatztiegel und Ladegerät für den abnehmbaren Akku mit Lithium-Ionen-Technologie geliefert. Einsatzbereit wiegt der „Varrox Eddy“ recht leichte 590 Gramm. Ein vollgeladener Akku soll laut Anleitung die Behandlung von bis zu 15 Völkern mit 2 Gramm Oxalsäure-Dihydrat ermöglichen (18 Völker sind es mit 1 Gramm); mit zunehmendem Alter des Akkus nimmt die Anzahl der zu behandelnden Völker ab. Wer besonders viele Völker an einem Standort nacheinander behandeln möchte, ist mit einem zweiten Akku gut bedient. Für eine vollständige Ladung benötigt der Akku bis zu vier Stunden. Der Ladezustand des Akkus wird im Gerät über vier grüne Striche angezeigt. Jeder Strich steht für etwa 25 % der Ladung.
Das mitgelieferte Netzteil leuchtet während des Ladevorgangs rot, nach Abschluss des Landens wechselt es auf Grün.
Das Gerät ist - mit eingesetztem Akku - nicht nur gegen Staub, sondern auch gegen Spritzwasser der Klasse IP 54 geschützt; es darf also durchaus auch mal feucht werden oder dem Regen ausgesetzt sein. Der Betrieb ist prinzipiell bei Außentemperaturen von – 10 bis + 30 °C bei Holz-, Kunststoff- und Polystyrolbeuten möglich, mit und ohne Gitterböden. Benötigt wird ein Einschub für das Gerät von mindestens 15 mm Höhe und mindestens 90 mm Breite. Gerade in der Höhe sollte es nicht zu knapp bemessen sein, um das Gerät bequem in die Beute einschieben zu können. Der Tiegel darf während der Behandlung nicht den möglicherweise vorhandenen Gitterboden berühren (Metall auf Metall), um Fehlfunktionen durch einen zu hohen Widerstand zu vermeiden. Sollte es dazu kommen, quittiert das Gerät dies durch ein rotes Dauerleuchten von Starttaste und Statusanzeige des Tiegels.
Beide zeigen in Kombination eine Reihe unterschiedlicher Fehler- und Statusmeldungen an.
Im einigen Anwendungsdurchläufen zeigten die Leuchten in einem Fall an, dass das Gerät während der Verdampfung bewegt wurde, ein anderes Mal, dass der Tiegel zu wenig Oxalsäure enthielt (ersteres war nicht der Fall).
Ist die Verdampfung gut verlaufen, kühlt das Gerät ab (Statusanzeige Tiegel: Weiß; Starttaste blinkt zugleich Blau). Wechselt die Statusanzeige des Tiegels auf Violett, kann das Gerät aus dem Volk entfernt werden. Der noch heiße Tiegel soll in einen Behälter mit Wasser gekippt werden und das Gerät selbst an der Luft ausgekühlt werden, um es nicht zu beschädigen.
Doch zurück zum Anfang: Bei der Behandlung ist darauf zu achten, eine Schutzbrille, eine Atemschutzmaske mindestens der Klasse FFP3/KN95 und säureresistente Handschuhe zu tragen.
Die Vorsichtsmaßnahmen sind weniger beim sorgsamen Einbringen des „Varrox Eddy“ in das Flugloch von Bedeutung, als vielmehr beim Herausziehen: Etwas Sublimat setzt sich immer am Rand des Tiegels ab und fliegt selbst bei leichtem Wind beim Herausziehen des Gerätes unkontrolliert herum.
Das ist auch der Grund, warum bei einem aufgesetzten Honigraum keine Behandlung mit dem „Varrox Eddy“ erfolgen sollte: Niederschlag von Oxalsäure kann Rückständen im Honig führen. Brutfrei sollen die Völker natürlich sein, damit die maximale Wirkung erzielt wird. Eine Behandlung ist daher prinzipiell auch bei Brutunterbrechung im Sommer nach der Honigernte möglich.
Mit einem etwa drei Sekunden langen Druck auf die Starttaste wird das Gerät in den Bereitschaftsmodus versetzt. Die Ladezustandsanzeige, die Statusanzeige für den Tiegel und die Starttaste leuchten dauerhaft grün.
Der Tiegel wird mit Oxalsäure befüllt und das Gerät durch das Flugloch möglichst unter den Bienensitz geschoben. Bodenöffnungen und das Flugloch sind bienendicht zu verschließen, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Für das Flugloch eignen sich etwa Schaumstoffstreifen und für den Boden eine Varroa-Windel.
Für kleine Völker, Ableger, Schweizer Beuten oder 1-Raum-Zander-Beuten werden 1 g Oxalsäure in den Tiegel eingefüllt und 2 g für Groß-Raumbeuten. Ein flach gefüllter Messlöffel enthält 1 g Oxalsäure.
Ein kurzer Druck auf die Starttaster löst den Behandlungsvorgang aus. Die Statusanzeige für den Tiegel wechselt ihre Farbe und wird Orange bis der Verdampfungsvorgang abgeschlossen ist. Erfahrungsgemäß hat das in der Vergangenheit nicht immer auf Anhieb geklappt, insbesondere beim ersten Volk ging es dann schon mal wieder aus (wohl zu lange gedrückt).
Behandlungsdauer und -temperatur werden elektronisch durch das Gerät kontrolliert und gesteuert, so lange, bis die eingefüllte Menge Oxalsäure verdampft ist.
Dann den Tiegel, nicht aber die Spitze des „Varrox Eddy“ ins Wassergefäß fallen lassen, da der thermischen Schock das Gerät selbst durch eindringendes Wasser zerstören kann. In der Praxis wird der Tiegel aber erst aus dem Gerät genommen, wenn das letzte Volk an einem Stand behandelt wurde. Dann sollte man es allerdings wirklich machen, wenn er noch warm ist, damit der Tiegel nicht mit dem Gerät verklebt. Statt eines Wassergefäßes haben sich auch Steine bewährt, auf die man den Tiegel zum weiteren Auskühlen aus dem Gerät fallen lassen kann.
Ist die Behandlung abgeschlossen, soll das Gerät mit einem drei Sekunden langen Druck auf die Starttaste ausgeschaltet werden.
Im Laufe der letzten drei Jahre haben sich in der Praxis nur wenige Nachteile gezeigt: Die Akkuleistung lässt bestenfalls unmerklich nach (im Sommer gibt es immer noch eine Erhaltungsladung für den Akku). Der Tiegel verfärbt sich merklich, was aber keine Auswirkung auf die Behandlung hat. Und um die Tiegelaufnahme herum ist ein Teflonband, auf dem sich Wachs- und Propolisreste abgelagert haben. Auch sie lassen sich vorsichtig entfernen, wenn es nötig wird.
Wird der Totenfall im Winter vor der Behandlung nicht ordentlich aus den Gitterböden abgekehrt, kann es sein, dass sich am Ende der Behandlung eine Biene im Tiegel wiederfindet. Auf die Behandlung hatte das bisher keine Auswirkung.
Fazit
Der Vorteil des „Varrox Eddy“ sind ganz klar sein geringes Gewicht und die einfache Handhabung. Andere Verdampfungsgerätschaften erinnern in der Anwendung eher an einen Versuchsaufbau in Laborumgebung oder eine improvisierte Lösung.
Die einfache Handhabung wird nicht nur durch das Gerätedesign mit seinem Wechselakku bestimmt, sondern vor allem durch die LED-Anzeigen, über die der Fortschritt einer Behandlung aus der Distanz ablesbar ist; ebenso zeigen sie mögliche Probleme oder Fehlanwendungen an. Gut, die Farbenvielfalt ist nicht so, dass man sie sich bei gelegentlicher Anwendung wirklich alle merkt.
Ersatztiegel und -akkus sind auch separat im Handel erhältlich. Ein Nachteil ist in der Tat der hohe Preis für die Akkus und das Gerät selbst. Das Gerätedesign ist hochwertig und exakt an die Anwendung angepasst, die Verarbeitung ebenfalls einwandfrei. Die Wertigkeit selbst dürfte allerdings bei einigen Anwendern Zweifel wecken - aufgrund des hohen Preises. Denn in der Anleitung steht geschrieben: „Das Gerät ist für eine Lebensdauer von 5 Jahren ausgelegt und benötigt neben der Reinigung und Kontrolle der Akkuladung keine Wartung.“ Auf Nachfrage hat der Hersteller mitgeteilt, dass mit der begrenzten Lebensdauer nur der Akku gemeint sei.
Verdampfung mit anderen Geräten
Varroxal ist das erste Oxalsäure-Präparat mit Zulassung für die Verdampfung - „mit einem dafür geeigneten Gerät“. Was heißt das genau? Im Zulassungsprozess wurde der Nachweis von Verträglichkeit und Wirksamkeit mit den Verdampfern „Varrox“ und „Varrox Eddy“ (beide von der Schweizer Andermatt BioVet AG) belegt.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat auf Anfrage mitgeteilt, dass andere Verdampfermodelle als geeignet zu erachten wären, „wenn mit diesen im Rahmen einer Dosisbestätigungsstudie eine mit den bereits in der
Zulassung getesteten Verdampfern (‚Varrox‘ und ‚Varrox Eddy‘) vergleichbare Wirksamkeit (≥ 90 %) und Verträglichkeit von Varroxal belegt werden kann.“
Die Eignung muss nach Ansicht des BVL „auf Nachfrage gegenüber den Landesbehörden nachgewiesen werden, die für die Einhaltung der (tierarzneimittel-)rechtlichen Vorschriften zuständig sind. […] Zuständig ist dabei die Landesbehörde des Bundeslandes, in dem der Hersteller bzw. Vertreiber seinen Sitz hat.“