Schlüssel zur Analyse von Lebensräumen für Wildbienen

  • Veröffentlicht am: 28.02.2022

Wildblumenstreifen sollen Inseln für Bestäuber inmitten Monokulturen sein. Foto: Thomas B./Pixabay

Monokulturen bieten nur wenigen Bestäubern einen Lebensraum. Wildblumenstreifen gelten als Maßnahme, die Folgen der industrialisierten Landwirtschaft abzumildern. Wie eine Studienveröffentlichung zeigt, beeinflusst auch der Landschaftskontext den Nutzen von Blühstreifen für Wildbienen. Es kommt also immer darauf an, wo sie angelegt werden.

Agrarlandschaften haben im letzten Jahrhundert eine massive Umgestaltung erfahren und wurden auf maximale Erträge getrimmt. Das Ergebnis sind häufig eintönige Landschaften mit wenigen ökologisch wertvollen Strukturen; Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere sind stark fragmentiert.

Mehrjährige Wildblumenstreifen sollen der ökologischen Verarmung entgegenwirken und Lebensraum für wichtige Bestäuber bieten. Die Wirksamkeit derartiger Maßnahmen hängt jedoch stark vom jeweiligen Landschaftskontext ab.

In einer Studie haben Wissenschaftler Daten aus verschiedenen Quellen zu Bodenbedeckung und landwirtschaftlichen Praktiken zusammengetragen, um eine fundierte Bewertung mehrjähriger Wildblumenstreifen für Wildbienen vornehmen zu können. Sie untersuchten dazu die Beziehungen der Artenvielfalt von Wildbienen und deren Häufigkeit zum Landschaftskontext unter Berücksichtigung der Faktoren Bodenbedeckung/Landnutzung, Schutzgebiete, Kulturpflanzen, Agrarumweltprogramme/Begrünung, Intensität der Landwirtschaft und Intensität der Grünlandwirtschaft.

Untersucht wurden 30 Agrargebiete im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. 20 Standorte besaßen mehrjährige Wildblumenstreifen und zehn Kontrollstandorte bestanden aus Getreidefeldern ohne Wildblumenstreifen. Alle 30 Standorte lagen mindestens 1 km voneinander entfernt.
Die Wildblumenstreifen wurden 2014 oder 2015 von Landwirten mit vorgegebenen Saatgutmischungen aus 30 einheimischen Kräutern angelegt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Blühstreifen für solitäre Wildbienen relevanter sind als für soziale Wildbienen, was auf eine stärkere Einschränkung solitärer Wildbienen bei den Nistressourcen im Vergleich zu sozialen Wildbienen hindeutet.
Die Zahl der Wildbienenarten und -individuen profitierte von kahlen Böden und ökologischen Schwerpunktflächen in einer Umgebung bis zu 3 km, während der Anteil von Solitärbiene, die sich auf der Roten Liste befinden, durch eine Vielzahl von Faktoren positiv beeinflusst wurden und auch über 3 km hinaus.

Die Beurteilung der Wirksamkeit von Wildblumenstreifen im Hinblick auf eine hohe Artenvielfalt und -anzahl und für eine hohe Diversität gefährdeter Arten in Agrarlandschaften muss insbesondere den Landschaftskontext unterschiedlicher räumlicher Maßstäbe berücksichtigen.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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