Ersatz-Neonicotinoide Cyantraniliprol, Flupyradifuron und Sulfoxaflor

  • Veröffentlicht am: 27.08.2018
Und täglich grüßt das Murmeltier in der Agrarindustrie: Kaum sind die Neonicotinoide verboten, kommen neue Gifte. Foto: PublicDomainImages/Pixabay, CC0 Creative Commons

Kaum sind drei für Insekten besonders gefährliche Neonicotinoide zur Anwendung im Freiland verboten worden, präsentiert die Agrarindustrie neue Gifte. Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind sie ebenso tödlich.

Schon über das Vorliegen der Zulassungsanträge für die neuen Pestizide wurde in Deutschland ein großes Geheimnis gemacht, was nichts Gutes verheißt. Erst nach einem gewonnenen Rechtsstreit musste das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) dem Umweltinstitut Auskunft darüber erteilen, ob Zulassungsanträge für das neue Insektengift Flupyradifuron vorliegen.
Dass Zulassungsanträge für Pestizidmischungen mit den Wirkstoffen Sulfoxaflor und Cyantraniliprol vorliegen, hatten zuvor Kleine Anfragen der Bundestagsfraktionen von Grünen und Linkspartei ans Licht gebracht.

Erste Insektengifte mit den Wirkstoffen könnten sehr bald auf den Markt kommen. Dabei ist der Wirkstoff schon in sehr geringen Mengen tödlich für Insekten wie Bienen und andere Bestäuber.
„Nach fast zwei Jahren haben wir endlich die geforderten Informationen bekommen. Wir wissen jetzt, dass in Deutschland tatsächlich Anträge für die Zulassung von Pestizidmischungen mit Flupyradifuron vorliegen. Außerdem haben wir erfahren, dass schon im August erste Insektengifte mit dem Wirkstoff auf den Markt kommen könnten“, so Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft beim Umweltinstitut.

Flupyradifuron ist ein neues Insektizid, das schon in sehr geringen Mengen tödlich für Bienen und andere Insekten wirkt. Es gilt zusammen mit den Wirkstoffen Sulfoxaflor und Cyantraniliprol als möglicher Ersatz für die Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam. Diese Insektengifte aus der Gruppe der Neonicotinoide wurden Ende April 2018 EU-weit für den Einsatz im Freiland verboten, da sie besonders bienengefährlich sind. Die drei neuen Insektengifte haben eine ähnlich verheerende Wirkung wie diese Neonicotinoide. Der Wirkmechanismus von Flupyradifuron und Sulfoxaflor ist sogar identisch, so dass man auch bei diesen beiden Wirkstoffen von Neonicotinoiden sprechen kann.

„Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lässt sich gerne mit dem markigen Satz ‚Was der Biene schadet, muss vom Markt‘ zitieren. Das nützt allerdings wenig, wenn für jeden verbotenen Wirkstoff ein Gift zugelassen wird, das bekanntermaßen ähnlich gefährlich ist. Was der Biene und anderen Insekten schadet, darf gar nicht erst auf den Markt kommen – sonst werden wir das Insektensterben niemals aufhalten“, so Christine Vogt. „Wir wünschen uns jetzt eine ebenso konsequente Haltung des Landwirtschaftsministeriums wie beim Freilandverbot der Neonicotinoide. Die neuen Insektengifte dürfen in Deutschland nicht zugelassen werden.“

Das Umweltinstitut München hat eine Aktion gestartet, bei der jeder Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze auffordern kann, die Zulassung der neuen Insektengifte zu verweigern.

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