Ersatz-Pestizid Sulfoxaflor nicht besser als Neonicotinoide

  • Veröffentlicht am: 03.09.2018
Die Dunkle Erdhummel leider auch unter Sulfoxaflor. Foto: Niels Gründel

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass das Pestizid Sulfoxaflor, das die Agrar-Industrie als Ersatz für die weitgehend verbotenen Neonicotinoid-Insektizide sieht, den Fortpflanzungserfolg von Hummeln verringert.

Sulfoxaflor wird grundsätzlich als Bienen-freundlich vermarktet. Britische Wissenschaftler testeten die Wirkung eines Sulfoximin-basierten Insektizids, das derzeit in 47 Ländern weltweit zur Anwendung zugelassen ist, bei Hummelvölkern. Insektizide mit Sulfoxaflor sind in Australien, China, Indien oder Kanada zugelassen, in den USA ist eine Änderung der Anwendungspraxis im Hinblick auf Bienen geplant. Im Vereinigten Königreich steht die Prüfung der Zulassung an.

In dem Experiment an Dunklen Erdhummeln Bombus terrestris reduzierte die Exposition gegenüber Sulfoxaflor, dem ersten Insektizid auf Basis von Sulfoximin, sowohl die Größe der Hummelkolonien als auch die Anzahl männlicher Nachkommen, die sie produzierten. Insgesamt verringerte sich die Gesamtzahl der Nachkommen um 54 % bei den getesteten Völkern gegenüber unbehandelten Hummelkolonien.
Sulfoxaflor ist ein neues Produkt und es gibt aktuell nur begrenzt Daten darüber, in welchen Konzentrationen die Bienen über den Pollen und den Nektar gespritzter Pflanzen mit dem Gift belastet werden. Eine großflächige Anwendung von Sulfoxaflor besitzt jedoch das Potenzial, Hummeln zu schaden.

„Neonicotinoide sind die am häufigsten verwendeten Insektizide auf der Welt, aber die Entwicklung der Resistenz durch Schädlinge sowie Verbote und Einschränkungen zur Anwendung hat zu einer Nachfrage nach alternativen Pestiziden geführt“, so Studienautor Harry Siviter von der Royal Holloway Universität London. „Sulfoximin-basierte Insektizide sind der wahrscheinliche Nachfolger und werden weltweit registriert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Sulfoxaflor unter bestimmten Bedingungen negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsleistung von Hummelvölkern haben kann.“

Dr. Elli Leadbeater, ebenfalls von der Royal Holloway Universität London, fügt hinzu: „Unsere Studie zeigt, dass Stressfaktoren, die Bienen nicht direkt töten, noch immer schädliche Auswirkungen haben können, da die Gesundheit der Kolonie von der Gesundheit ihrer Arbeitskräfte abhängt.“

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Notwendigkeit, die subletalen Folgen neuer Insektizide auf Hummeln und andere Wildbienen in den Risikobewertungsprozess einzubeziehen. Das ist bisher nur unzureichend oder gar nicht der Fall.

„Wir müssen viel mehr darüber wissen, auf welchem Niveau neue Insektizide Wildbienen ausgesetzt sein werden – nur mit realistischen und öffentlich verfügbaren Expositionsdaten für eine Reihe von Nutzpflanzen können wir das wahre Risiko dieser Insektizide für Wildbienen und andere wichtige Bestäuber ermitteln“, mahnt Professor Mark Brown von der Royal Holloway Universität London.

Der Zugang zur Studie ist beschränkt (Paywall).
Indexierung