Imkerei und Landwirtschaft könnten noch mehr voneinander profitieren

  • Veröffentlicht am: 12.07.2018
So schön sieht es in der Landwirtschaft für Bienen leider selten aus. Foto: Unsplash/Oscar Nord

Weit über die Honigproduktion hinaus kommt die Bienenhaltung der Natur und der Landwirtschaft zugute. Die tatsächliche ökonomische Bedeutung sowie die regionale Struktur und Verbreitung der Honigbienenhaltung in Deutschland haben Agrarökonomen in einem Forschungsvorhaben analysiert.

Im Ergebnis bringen Bienen bereits jetzt einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen. Der einzelne Imker könnte aber mit gezielten Bestäubungsdiensten ein höheres Einkommen erzielen.
Der Studie zufolge beträgt die volkswirtschaftliche Leistung der Imkerei in Deutschland jährlich insgesamt etwa 1,7 Milliarden Euro. Allein mit ihrer Bestäubungsarbeit erwirtschaften die Insekten schätzungsweise rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Zahl ist dreizehnmal so hoch wie die Wertschöpfung der Honig- und Bienenwachsproduktion, die bei rund 120 Millionen Euro liegt.

Ohne Insektenbestäubung wären die im Anbau erzielten Erlöse im Schnitt 41 Prozent geringer, allerdings mit großen Abweichungen, denn verschiedenen Kulturen sind mehr oder weniger stark auf eine Insektenbestäubung angewiesen.

Während es bei Äpfeln, Birnen, Kirschen oder Pflaumen durchschnittlich 65 Prozent mehr Ertrag gibt, wenn ihre Blüten von Insekten bestäubt werden, sind es bei Raps, Sonnenblumen, Soja oder Ackerbohnen 25 Prozent und bei Gemüse im Schnitt 42 Prozent. Je nach Gemüsesorte variiert dieser Wert zwischen fünf Prozent bei Bohnen, Paprika und Tomaten und 95 Prozent bei Kürbis und Zucchini.

Um im Erwerbsobstbau und -gemüseanbau eine optimale Bestäubung zu erreichen, ist es aus Sicht der Forscher erforderlich, gezielte Bestäubungsdienstleistungen mit fairen Prämien zu entlohnen. Darüber hinaus sollten Imker und Landwirte sich entweder privat oder über kommunale Zusammenschlüsse intensiver austauschen. Nur so kann zukünftig eine Balance zwischen Bienen- und Pflanzenschutz gelingen. Vielfach wandern Imker mit ihren Honigbienen aus Angst vor Pestiziden auch ab; für die Wanderung bei Erwerbsimkern sprechen vor allem finanzielle Anreize in Form höherer Erträge. Viele wandern über große Strecken innerhalb Deutschland und sogar bis Italien oder Frankreich.

Am Beispiel Baden-Württembergs zeigt sich, dass tendenziell deutlich mehr Männer als Frauen imkern, wobei der Frauenanteil wächst. Viele von ihnen haben sich erst in den vergangenen Jahren, meist im mittleren Alter, einem Imkerverein angeschlossen.

Auffällig ist, dass sich Imker und Bienenvölker in der Nähe von Städten konzentrieren. Allerdings halten die städtischen Imker tendenziell weniger Bienenvölker als ihre Kollegen im ländlichen Raum. Dennoch fehlen in Baden-Württemberg vielerorts Bienenvölker, um intensiv bewirtschaftete Obstplantagen und Gemüseanbauflächen optimal zu bestäuben.

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