Hummel-Königinnen im Frühjahr

  • Veröffentlicht am: 25.03.2019
Gut versteckt im Gras: Eine Steinhummel-Königin. Foto: Niels Gründel

Bisher ging man davon aus, dass Hummel-Königinnen nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf erst einmal nach Nahrung und einem geeigneten Ort zur Gründung eines neuen Volkes suchen. Neueste Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass die Königinnen direkt nach dem Winterschlaf die meiste Zeit damit verbringen, sich zwischen Laub und Gras zu verstecken, um sich auszuruhen.

Die Ruhephasen werden von langen Intervallen mit kurzen Flügen unterbrochen, bei denen sich die Königin immer wieder ausruht. Das Verhalten erklärt, wieso sich die Königinnen weit weg von ihrem ursprünglichen Überwinterungsort auffinden lassen.

„Wir wollten sehen, was Königinnen tatsächlich tun, sobald sie aufwachen. Durch die Kombination modernster Tracking-Technologie mit Wildbienen-Beobachtungen konnten wir ein nie zuvor gesehenes Verhalten von Hummel-Königinnen aufdecken“, so Studienautor Dr. James Makinson von der Western Sydney Universität.

Die Forscher platzierten zur Verfolgung eine kleine Antenne auf dem Rücken von Königinnen, die gerade aus einem zuvor künstlich ausgelösten Winterschlaf aufgewacht waren. Im Außengelände wurde Radar verwendet, um die Bienen über die Antennen zu verfolgen, sobald sie das Gebiet verließen.

Die ermittelten Daten zeigten, dass die Königinnen die meiste Zeit am Boden verbrachten – durchschnittlich 10 bis 20 Minuten – und nur kurze Flüge von durchschnittlich 10 bis 20 Sekunden in nahezu zufälligen Richtungen durchführten. Beobachtungen von Hummeln in der Wildnis bestätigten, dass dies nicht auf die Antennen zurückzuführen war, sondern auf das natürliche Verhalten kürzlich erwachter Königinnen. Eine Computermodellierung zeigte, dass dieses Verhalten erklären kann, wie die Hummeln viele Kilometer von ihren Überwinterungsstellen entfernt aufzufinden sind.

„Unsere Studie legt nahe, dass dieses Verhalten über einige Wochen die Königinnen mehrere Kilometer von ihrem Überwinterungsort entfernt verschlägt und möglicherweise erklärt, wie sich die Königinnen aus dem Nest, in dem sie geboren wurden, an den Ort gelangen, an dem sie eine neue Kolonie gründen“, so Dr. Joe Woodgate, ein weiterer Studienautor von der Queen Mary Universität London.

„Ein besseres Verständnis des Verhaltens von Königinnen während dieser entscheidenden Phase ihres Lebens kann Praktiken vorschlagen, um ihre Chancen auf eine erfolgreiche Gründung neuer Kolonien zu verbessern und ihr Überleben zu verbessern“, fügt James Makinson hinzu. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Schaffung bestäuberfreundlicher Korridore zwischen geschützten Landschaftsflächen hilfreich wäre. Es wäre auch vorteilhaft, bestäuberfreundliche Blumen und Bäume das ganze Jahr über zu pflanzen, so dass Hummel-Königinnen während ihres frühen Erscheinens im Frühling reichlich Zugang zu Nahrung haben. Und wenn man die Vegetation wie Laub und langes Gras bis in den späten Frühling hinein ungestört lassen würde, hätten die Hummel-Königinnen sichere Ruheplätze.“

Wer im zeitigen Frühling auf eine erschöpfte Hummel-Königin trifft, sollte ihr eine Zuckerlösung (halb Wasser, halb Zucker) anbieten. Der Zucker sollte in der Lösung aufgelöst sein. Die Lösung lässt sich etwa auf einem Teelöffel anbieten, indem man ihn vorsichtig in die Nähe der Antennen schiebt. Durch das Trinken der Lösung kann die Biene quasi ihren Flugmotor aufwärmen und besitzt ausreichend Energie, um die nächsten Blüten anzusteuern.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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