Keine Bienen ohne Wildkräuter

  • Veröffentlicht am: 29.11.2019

Die Ernährung der Bevölkerung ist für die Agrarwirtschaft die Ausrede für monotone Landschaften. Damit einher geht ein massiver Einsatz von Pestiziden und einem Artensterben in einem Ausmaß, das immer deutlicher wird. Verkannt wird dabei, dass Wildkräuter und Bestäuber Ökosystemleistungen erbringen, die zu einer besseren Ernte beitragen. Ein übermäßiger Pestizid-Einsatz ist daher kontraproduktiv und so gilt es eine Balance zu finden. Letztlich wäre diese sogar wirtschaftlicher. Forscher zeigen in einer Metastudie auf, wie das gelingen kann.

Die Intensivierung der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass die Vielfalt der Wildbienen und teilweise die Menge der Honigbienen zurückgegangen ist. So sind in den Vereinigten Staaten die Honigbienen in 61 Jahren um 59 % zurückgegangen. Ungefähr 35 % der wichtigsten Kulturen der Welt hängen von Bestäubungsdiensten ab. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft hat sich die Vielfalt von Wildkräutern in 70 Jahren um etwa 50 % verringert, da der massive Einsatz von Herbiziden die Konkurrenz zwischen Wildkräutern und Nutzpflanzen verringert haben. Wildkräuter bleiben dennoch die Grundlage für landwirtschaftliche Nahrungsnetze und versorgen viele lebende Organismen mit Nahrung. In der vorliegenden Studie haben französische Wissenschaftler den Rückgang von Wildkräutern und Bienen überprüft. Sie beschreiben die komplexen Wechselwirkungen zwischen Bienenbestäubern, Honig- und Wildbienen sowie Lebensräumen wie Getreidefeldern und naturnahen Elementen.

Wildkräuter in Hülle und Fülle senken Ernteerträge, ihre Anwesenheit verbessert jedoch die kostenfreien Bestäubungsdienstleistungen, indem sie das Überleben der Bienen sicherstellen; auch Imker gewinnen durch einen besseren Honigertrag.
Und schließlich sichern Wildkräuter das Überleben der Wildflora und erhöhen den Wert einer Landschaft – ein wichtiges Anliegen der Öffentlichkeit.

Düngemittel und Pestizide als Sackgasse

Die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln wurde bisher durch höhere Ernteerträge gedeckt, die vor allem durch einen breiten Einsatz von Düngemitteln und Pestizide erzielt wurden. Die Intensivierung der Landwirtschaft wirkt sich jedoch unmittelbar auf Wasser, Böden, Landschaften und die Artenvielfalt aus. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat zum Verlust einstiger biologischer Vielfalt geführt (Geiger et al. 2010; Robinson und Sutherland 2002; Kleijn und Sutherland 2003; Tscharntke et al. 2005) und letztendlich eine Beeinträchtigung der Ökosystemfunktion (Cardinale et al. 2012). Der Verlust der Artenvielfalt verändert nicht nur die Ökosysteme an sich, sondern führt auch zum teilweisen oder vollständigen Verlust von Dienstleistungen, die diese Ökosysteme für den Menschen erbringen (Costanza et al. 1997; Chapin et al. 2000).

Der Kompromiss zwischen Lebensmittelproduktion und biologischer Vielfalt ist so kritisch, dass es nicht mehr nur die Landwirte betrifft, insbesondere weil die biologische Vielfalt die meisten Ökosystemleistungen unterstützt (Gabriel et al. 2013; Phalan et al. 2011).

Insofern ist es unerlässlich, einen Kompromiss zu finden. Das alleinige Ziel der Nahrungsmittelerzeugung greift zu kurz und führt in eine Sackgasse. Die Förderung der biologischen Vielfalt kann die Bereitstellung einer Reihe von Öko-Dienstleistungen verbessern und die Verringerung des Einsatzes von Pestiziden und Herbiziden durch eine bessere biologische Bekämpfung ausgleichen, wie beispielsweise der französische „Plan Ecophyto“.

Alle Maßnahmen, die die Bestäuber-Populationen und letztendlich die Bestäubung erhöhen, indem Blütenressourcen vorhanden sind, bieten auch sekundäre Vorteile für Landwirte und die umliegende Landschaft (Wratten et al. 2012), wie Schädlingsbekämpfung, Bodenschutz, verbesserte Wasserqualität und attraktivere Landschaften.

Kein Verständnis ökologischer Prozesse

Derartige Management-Praktiken verursachen jedoch Kosten. Landwirte wenden diese Praktiken selten an und töten stattdessen Wildkräuter bis zum Aussterben (Ghazoul 2007). Erstaunlicherweise hat bisher keine Studie eine Kompromiss-Lösung zwischen Ökosystemdienstleistungen und Interessengruppen genau quantifiziert.
Es fehlt ein genaues Verständnis ökologischer Prozesse und eine genaue Kenntnis der Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Ökosystemleistungen und Nutzpflanzenanbau. Die Ziele der Interessengruppen müssen auch in Bezug auf akzeptable Schwellenwerte genau definiert werden.

Der in der Studie vorgeschlagene Rahmen beruhte auf den Gütern und Dienstleistungen, die Ökosysteme für die einzelnen Interessengruppen erbringen können, und auf der Rolle, die die Biodiversität bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln für den Menschen spielen kann.

Den deutlichen Rückgang der Vielfalt von Bestäubern und Wildkräutern wieder rückgängig zu machen, ist nicht einfach: Ein verringerter Düngemittel-Einsatz kann die Diversität nur auf Dauer erhöhen, da die Überdüngung von Böden langfristig wirkt.

Eine Methode zur Regulierung von Wildkräutern ist jedoch erforderlich – so, dass sie für Bestäuber ausreichend vorhanden sind, aber nicht so viel, dass sie den Ernteertrag verringern.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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