Pollenquellen von Wild- und Honigbienen

  • Veröffentlicht am: 08.02.2019
Honigbienen retten Monokulturen. Foto: Dieter_G/Pixabay, CC0 Creative Commons

Westliche Honigbienen Apis mellifera sind die dominierenden Bestäuber von Kulturpflanzen in Monokulturen. Der Zugang zu geeigneten Nahrungspflanzen im Sommer ist ein entscheidender Faktor für die Gesundheit von Völkern in landwirtschaftlich geprägten Gegenden.
Endemische Bienenarten, die sich zusammen mit einheimischen Pflanzenarten entwickelt haben, zeigen meist eine Präferenz für saisonal verfügbaren einheimischen Pflanzenpollen oder sind sogar ausschließlich daran gebunden. Honigbienen suchen während der trachtarmen Sommermonate in großem Umfang nach nicht einheimischen Pflanzen. Es ist jedoch unklar, ob die Verwendung dieser Arten auf die Bevorzugung der Honigbiene für diese Pflanzen zurückzuführen ist oder auf deren starke Präsenz.

Bei einer im US-Bundesstaat Michigan durchgeführten Studie sammelten und untersuchten Wissenschaftler insgesamt 941 Pollenladungen von 152 Solitärbienenarten und 551 Pollenladungen von 29 wildlebenden sozialen Bienenarten.
Die Gesamtmenge von 181 Arten macht etwas mehr als die Hälfte der in Michigan heimischen Wildbienenarten aus.
Pollen wurden während des Sommers zudem bei Honigbienen-Völkern gesammelt.

Insgesamt wurden 118 Pollenarten aus 53 botanischen Familien bei den Wildbienen identifiziert. Davon wurden 71 als einheimisch und 47 als nicht einheimisch klassifiziert. Die Anzahl der von der gesamten Wildbienengemeinschaft gesammelten einheimischen Pollentypen erreichte im Mai einen Höchststand von 34 Arten, bevor sie linear bis September zurückging. Im Gegensatz dazu erreichte die Anzahl der nicht einheimischen Pollenarten, die von Wildbienen gesammelt wurden, im Juni und Juli mit 28 und 27 Arten ihren Höhepunkt.
Insgesamt sammelten Wildbienen meist Pollen von einheimischen Pflanzengattungen: die durchschnittliche Einzelbiene 75,2 % und die durchschnittliche soziale Biene 58,6 %.
Früh in der Saison wird die Pollensammlung durch blühende Bäumen dominiert; im Laufe des Frühlings verschiebt sich der Fokus auf Sträucher und kleinere Gehölze, bevor ab Juli Kräuter dominieren.

Honigbiene gleich Monobiene?

Honigbienen sammelten insgesamt 41 Pollentypen aus 22 botanischen Familien. Zwischen dem 24. Juni und dem 31. August 2017 sammelten die Völker durchschnittlich 30,2 % ihrer Pollen pro Woche aus einheimischen Pflanzen. Zwischen dem 4. Juli und dem 24. August 2018 sammelten die Völker durchschnittlich nur 13,0 % ihrer Pollen pro Woche aus einheimischen Pflanzen und den Großteil von nicht einheimischen Pflanzenarten. Die wichtigsten nicht einheimischen Pflanzenarten waren Mais Zea mays, Zichorien Cichorium und Weißklee Trifolium repens. Die Verwendung von Mais-Pollen war besonders ausgeprägt und erreichte zwischen dem 25. und 31. Juli 70,8 % der wöchentlichen Nahrung.

Die Ergebnisse der Forscher deuten darauf hin, dass es in Michigan während der Sommerzeit relativ wenige heimische Blütenressourcen gibt und dass viele derjenigen, die während dieser Zeit blühen, in erster Linie von spezialisierten Einzelbienenarten genutzt werden. Infolgedessen füllen nicht einheimische Pflanzenarten, die im Spätsommer blühen, eine Nahrungslücke und können somit die Ernährung von Honigbienen und generalistischen Wildbienen während dieser Zeit verbessern. Zugleich haben diese Pflanzenarten aber negative Auswirkungen auf einheimische, spezialisierte Arten.

Tatsächlich sammelten sowohl soziale als auch solitäre Bienen in den untersuchten Agrarlandschaften im Juli fast ihren gesamten Pollen von nicht einheimischen Pflanzen. Einheimische Pollenquellen sind während des Sommers in den landwirtschaftlichen Gebieten nur selten anzutreffen. In der Folge sind spezialisierte Solitärbienen auf heutigen landwirtschaftlichen Flächen fast nicht mehr anzutreffen.

Honigbienen lieben Agrarlandschaften

Vor der europäischen Kolonisation war der heutige US-Bundesstaat Michigan fast vollständig bewaldet; lediglich etwa 6 % der Fläche bestanden aus Prärie und Savanne. Goulson et al., 2015 sowie Long und Krupke, 2016 haben in vorausgehenden Studien vermutet, dass Honigbienen in Nordamerika grundsätzlich besser mit Agrarlandschaften zurechtkommen als mit Waldgebieten.
Die Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich genutzte Flächen mit dazugehörigen nicht einheimischen Unkräutern und Massenkulturen nutzt daher wahrscheinlich den Honigbienen.
Nicht einheimische Pflanzenarten nutzen ihnen insgesamt mehr als einheimische Pflanzen.

Imker gehören zu den stärksten Befürwortern der Wiederherstellung blühender Pflanzengemeinschaften. Ihnen ist jedoch in der Regel gleichgültig, um welchen Pflanzenursprung es sich handelt. Konflikte zwischen Initiativen zur Förderung der Bienengesundheit und zur Wiederherstellung ursprünglicher Ökosysteme sind daher unvermeidlich. In Michigan wird zum Beispiel die Sterndistel Centaurea stoebe von Imkern für ihre Honigbienen hoch geschätzt, obwohl Centaurea-Arten als invasiv und ökologisch destruktiv gelten. Die Kosten aufgrund invasiver Arten werden in den Vereinigten Staaten auf fast 120 US-Milliarden Dollar geschätzt.

Die Verwendung einheimischer Pflanzenarten bei der Wiederherstellung von Lebensräumen wurde von Isaacs et al., 2009 als wesentlich betrachtet, um die von Insekten bereitgestellten Ökosystemleistungen zu maximieren und Wildbienenarten angemessene Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Bestandserhaltungsmaßnahmen zur Förderung einheimischer Pflanzen unterstützen nach einer Studie von Decourtye et al., 2010 eine größere Anzahl von Wildbienenarten.

Bemühungen zur Förderung der Bienen-Diversität können leicht im Widerspruch zur Förderung der Honigbienen stehen. Angesichts der Bedeutung der Honigbiene für landwirtschaftliche Agrarflächen keine leichte Entscheidung.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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