Tote Honigbienen in der Mandelblüte

  • Veröffentlicht am: 12.07.2019
Die Mischung bringt einen tödlichen Cocktail. Foto: Ulrike Leone/Pixabay, CC0 Creative Commons

Es ist jedes Jahr dasselbe: Imker aus den gesamten Vereinigten Staaten fahren mit Lastwagen voller Bienenvölker nach Kalifornien, wo sie für das Aufstellen ihrer Völker in der Mandelblüte reich entlohnt werden. Doch in den vergangenen Jahren ließen nicht nur viele Völker auf dem Transport, sondern in den Mandel-Plantagen ihr Leben – durch unsachgemäße Anwendung von Fungziden und Pestiziden und ihre unterschätzte Wirkung bei kombinierter Ausbringung.

1,5 Millionen Bienenvölker kommen bei der Mandelblüte im US-Bundesstaat Kalifornien zusammen. 300 Millionen US-Dollar landen in den Taschen der Imker. 80 % der Weltproduktion an Mandeln stammt von diesem einen Standort.
Doch die Bienenvölker zahlen einen hohen Preis: Im Jahr 2014 starben rund 80.000 Bienenvölker oder wiesen große Brutschäden auf, viele Völker verloren ihre Königinnen.

Sogar der Lobby-Verband „Almond Board of California“ war besorgt und beauftragte den Bienenexperten Reed Johnson von der Ohio State Universität, der Sache auf den Grund zu gehen.

Er hatte bereits früher herausgefunden, dass einige „bienensichere“ Insektizide Bienen im Larven-Stadium beeinflussen. Daraufhin führte er in seiner jetzt veröffentlichten Studie weitere Versuche durch. Die Studie beschreibt detailliert, wie Kombinationen von Insektiziden und Fungiziden, die für Honigbienen einzeln als „sicher“ gelten, in der Mischung einen tödlichen Cocktail ergeben.

Das Team der Wissenschaftler konnten die während der Blütezeit üblicherweise in den Mandelhainen verwendeten Chemikalien identifizieren, die sie anschließend in einem Labor auf ihre Wirkungen – in Kombination – an Honigbienen und ihren Larven testeten.

In den extremsten Fällen verringerten die Kombinationen das Überleben von Larven um mehr als 60 % im Vergleich zu einer Kontrollgruppe von Larven, die nicht mit Fungiziden und Insektiziden in Kontakt gekommen waren.

Das Insektizid Chlorantraniliprol erhöhte die Sterblichkeit der Larven in Kombination mit den Fungiziden Propiconazol oder Iprodion; eine Chlorantraniliprol-Propiconazol-Kombination erwies sich ebenfalls als stark toxisch für ausgewachsene Honigbienen. Diflubenzuron erhöhte im Allgemeinen die Larvenmortalität, jedoch wurde in Kombination mit Fungiziden kein synergistischer Effekt beobachtet.

„Fungizide, die häufig für den Pflanzenschutz benötigt werden, werden routinemäßig während der Mandelblüte verwendet, aber in vielen Fällen haben die Landwirte auch Insektizide hinzugefügt. Unsere Forschung zeigt, dass einige Kombinationen für die Bienen tödlich sind, und das Einfachste ist, das Insektizid während der Mandelblüte aus der Gleichung zu ziehen“, so Reed Johnson. „Es macht einfach keinen Sinn, ein Insektizid zu verwenden, wenn 80 % der Honigbienen der Staaten dort sind.“

Diese Empfehlung habe sich inzwischen durchgesetzt und wurde auch in die Handlungsempfehlungen des Almond Board aufgenommen. Viele Mandelbauern hätten ihre früheren Praktiken überdacht und lehnten die Verwendung von Insektiziden während der Mandelblüte inzwischen ab, so Reed Johnson.

Das sei eine gute Nachricht für die Bienen und es scheint auch nicht die Ernte zu schädigen, weil es bessere Möglichkeiten gebe, mit denen schädliche Insekten kontrolliert werden könnten, wenn die Mandelbäume nicht in Blüte stehen.

„Ich war überrascht – selbst die Experten in Kalifornien waren überrascht – dass während der Bestäubung Insektizide eingesetzt wurden“, sagt Reed Johnson. „Ich denke, es war eine Situation, in der es nicht verboten wurde. Die Produkte galten als bienensicher, und sie müssen während der Blüte ein Fungizid sprühen. Warum also nicht auch ein Insektizid in den Tank geben?“

Insektizide sind verhältnismäßig günstig, aber das Ausbringen ist arbeitsintensiv, so dass Mandelbauern, die sich für eine Zusammenlegung der Anwendung entschieden haben, wahrscheinlich versucht hätten, ihre Investitionen zu maximieren.

„Die Sache ist, dass die Landwirte diese Insektizide verwendeten, um ein schädliches Insekt – die Pfirsichmotte – während dieser Zeit zu bekämpfen, aber sie haben andere Möglichkeiten, dies zu tun, bevor die Bienen in die Mandel-Plantagen einfallen oder nachdem sie weg sind“, so Reed Johnson.

Die Forschungsergebnisse könnte nun auch weitere Untersuchungen auslösen, etwa für den Einsatz von Fungiziden und Pestiziden bei anderen bienenabhängigen Kulturen wie Kürbissen und Gurken.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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