Wildblumen nützen Nutzpflanzen in der Landwirtschaft

  • Veröffentlicht am: 11.11.2019

Landwirte, die nachhaltig und ökologisch arbeiten, benötigen umweltfreundliche Lösungen. Eine Strategie besteht darin, Kulturen von Nutzpflanzen mit Anpflanzungen von Wildblumen zu umgrenzen. Das lockt Bestäuber an, aber auch potenzielle Schädlinge. Bei den Anpflanzungen kommt es allerdings auf die richtige Mischung aus natürlichen Lebensräumen und landwirtschaftlichen Flächen an.

In der Theorie erzielt man mit einem landwirtschaftlichen Betrieb, der sich in einer so genannten „Goldilocks-Zone“ befindet, die besten Ergebnisse. In der Umgebung müssen sich demnach 25 bis 55 Prozent Naturland befinden. Wissenschaftler konnten die Theorie in der Praxis nachvollziehen.

Überraschenderweise hat der Zuwachs an Bestäubern in dieser idealisierten Landschaft Erdbeererträge insgesamt sogar noch steigern können.
Die Analyse der Wissenschaftler sollte daher Auswirkungen auf Förderprogramme haben, mit denen Lebensräume für Bestäuber in der kommerziellen Landwirtschaft gefördert werden.

„Wir investieren sehr viel Geld in diese Programme und derzeit ist es nicht Teil der Politik, über den Landschaftszusammenhang dieser Habitate nachzudenken“, so Studienautorin Dr. Heather Grab von der Cornell Universität in Ithaca. Die richtigen umgebenden Wildblumen können Ernteerträge maximieren.

Richtige Mischung macht den Unterschied

Dabei kommt es auf die richtige Mischung an, denn Wildblumenstreifen, die von zu viel natürlichem Lebensraum umgeben sind, bringen keinen zusätzlichen Nutzen. Der zusätzliche Blühstreifen geht quasi in der natürlichen Umgebung unter und lockt keine zusätzlichen Insekten mehr an. Landwirtschaftliche Betriebe, die von anderen Betriebsflächen umgeben sind, die nur einen geringen natürlichen Lebensraum und damit wenige nützliche Insekten aufweisen, können mit einem Wildblumenstreifen nicht viel erreichen. Sie locken zu wenig Insekten an und kaschieren lediglich ihre monotonen Flächen.

In der Studie pflanzten die Forscher auf zwölf kleinen Betrieben im Bundesstaat New York Erdbeeren an. Die landwirtschaftlichen Betriebe waren von unterschiedlichen natürlichen und landwirtschaftlichen Lebensräumen umgeben. Auf jedem Betrieb wurden zwei Erdbeerpflanzungen vorgenommen: Eine Parzelle war von einem Wildblumenstreifen begrenzt und eine weitere Kontrollparzelle von gemähtem Gras eingefasst.

Die Forscher untersuchten Bestäubern, Schädlinge und Wespen, die Schädlinge parasitieren; sie erhoben zudem den Fruchtertrag und Fruchtschäden über einen Zeitraum von drei Jahren.
Die parasitierenden Wespen legen ihre Eier in die Nymphen von Pflanzenwanzen, einem Schädling, der die New Yorker Erdbeerzüchter 30 Prozent ihres jährlichen Ertrags kostet. Wenn die Eier schlüpfen, ernähren sich die Larven von den Nymphen.

Die Wildblumenstreifen erwiesen sich im Laufe der Jahre als immer wirksamer dabei, Bestäuber anzulocken. Im Ergebnis zeigte sich, dass eine umliegende natürliche Landschaft „zwischen 25 und 55 Prozent die besten Ergebnisse zur Förderung von Bienen waren“, so Heather Grab.

Im Hinblick auf Schädlinge, zogen Wildblumen außerhalb dieser „Goldilocks“-Zone die meisten Schädlinge an. „Das legt nahe, dass die Parasitoiden überhaupt nicht auf Wildblumenstreifen reagieren“, stellt Heather Grab fest. Weitere Studien seien erforderlich, um zu verstehen, warum dies so ist.

Weitergehende Analysen zeigten, dass viele Wildblumenarten sowohl Schädlinge als auch Bienen anzogen, aber einige Arten wie Feinstrahl Erigeron annuus vor allem Schädlinge anlockten, aber kaum Wildbienen.

„Wenn man die Wildblumenfelder optimieren möchten, würde ich vorschlagen, dass wir einige Pflanzen aus der Liste der empfohlenen Arten streichen“, so Heather Grab auf Grundlage der Forschungsergebnisse.

Zukünftige Studien müssen untersuchen, wie die Wildblumen-Pflanzungen die Übertragung von Erregern für Bienen beeinflussen, einem der Hauptgründe für den Rückgang der Bienen.

Der Zugang zur Studie ist beschränkt (Paywall).
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