Halb männliche, halb weibliche Biene

  • Veröffentlicht am: 02.06.2020

Der erste wissenschaftlich beschriebene Gynander Megalopta amoena. Foto: Chelsey Ritner/Utah State University Logan, CC BY 4.0

Im Regenwald der künstlichen Insel Barro Colorado in Panama wurde eine ungewöhnliche Biene geboren und von Wissenschaftlern entdeckt: Die Biene entsprach linksseitig einem Männchen und rechtsseitig einem Weibchen.

Typisch für ein Männchen waren die lange Antenne, empfindliche Mandibeln und das schlanke, unbehaarte Hinterbein. Die rechte weibliche Seite wies eine kürzere Antenne, einen kräftigen, gezahnten Unterkiefer zum Graben eines Nestes und eine Hinterbeinbehaarung für den Transport von Pollen auf. Dort ragte auch ein kleiner Stachel nach außen hervor.
Bei der als Gynander bezeichnetem seltenen Erscheinungsbild kommen sowohl männliche als auch weibliche Merkmale zum Ausdruck.

Die erste bekannte Entdeckung gelang 1999 dem Wissenschaftler Bill Wcislo bei Megalopta genalis. Die in der aktuellen Studie beschriebene Entdeckung fand bei der eng verwandten Biene Megalopta amoenae statt.

Die Forscher nutzten die Gelegenheit, die Biene in ihrem Verhalten näher zu untersuchen. Im Vergleich zu Männchen und Weibchen starteten die Bienen früher in den Tag, während die Perioden mit der höchsten Intensität eher dem Verhalten der Weibchen entsprach.
Eine Ursache könnte ein bilateral gespaltenes Gehirn sein, das nicht in der Lage ist, widersprüchliche geschlechtsspezifische Signale zusammen zu bringen.

Die Wissenschaftler empfehlen Fälle wie diese weiterhin zu untersuchen, um die Häufigkeit und Verteilung von Gynander weltweit zu erfassen. Darüber hinaus könnten Gynander neuartige Verhaltensweisen aufweisen, die zu neuen Entwicklungspfaden in der Evolution führen.

„Es ist beeindruckend, dass trotz fast 30-jähriger intensiver Probenahme von Megalopta beim Smithsonian Tropical Research Institut nur zwei Gynander gefunden wurden. Dies zeigt wirklich die Seltenheit dieser Kreaturen“, so Erin Krichilsky von der Cornell Universität. „Den Megalopta-amoena-Gynander zu finden, fühlte sich an, als würde man Gold finden oder in der Darwinistischen Lotterie gewinnen.“

Literaturstelle: 

Krichilsky E, Vega-Hidalgo Á, Hunter K, Kingwell C, Ritner C, Wcislo W, Smith A (2020) The first gynandromorph of the Neotropical bee Megalopta amoena (Spinola, 1853) (Halictidae) with notes on its circadian rhythm. Journal of Hymenoptera Research 75: 97-108.

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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