Blühende Unkräuter können Wirkstoffe auf Bestäuber übertragen

  • Veröffentlicht am: 07.08.2023

Notfallzulassungen zum Einsatz von Thiamethoxam waren an ein Begleitmonitoring gebunden. Foto: LID, Jonas Ingold/Flickr, CC BY-SA 2.0

Das Neonicotinoid Thiamethoxam ist in der EU und somit auch in Deutschland als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich nicht mehr zugelassen. Um jedoch Zuckerrüben vor Vergilbungsviren zu schützen, die von Blattläusen übertragen werden, erteilten sieben Bundesländer 2021 eine Notfallzulassung für Saatgut, das mit dem Stoff gebeizt, also ummantelt war. Diese Notfallzulassung war an die Bedingung geknüpft, dass ein Begleitmonitoring mit Honigbienen durchgeführt wird, um mögliche Nebenwirkungen auf Bienen zu dokumentieren. Die entsprechende Dokumentation ist nun in Form einer Studienarbeit publiziert worden.

Die Untersuchungen wurden an Feldern in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg durchgeführt, auf denen mit Cruiser 600 FS gebeiztes Saatgut zum Einsatz kam. Gesammelt, beprobt und auf Rückstände untersucht wurden Nektar, Pollen und Honigbienen selbst sowie von den Feldern Rübenblätter, Rübenschosser und Beikräuter. Insgesamt wurden 189 Proben von vier behandelten und drei unbehandelten Feldern genommen. Dabei zeigte sich, dass über blühende Beikräuter und den daraus gesammelten Pollen Kleinstmengen an Thiamethoxam in die Völker eingetragen wurden.
Darüber hinaus hat das Team der Wissenschaftler auch die Auswirkungen auf Wildbienen untersucht.

Da Zuckerrüben vor der Blüte geerntet werden, sind sie für Bienen selbst als Trachtpflanzen nicht attraktiv. Ein mögliches Risiko geht aber von blühenden Beikräutern aus, die neben oder im Feld wachsen. Aus diesem Grund dürfen Beikräuter nicht zur Blüte kommen, wenn gebeiztes Zuckerrübensaatgut verwendet wird.

Die untersuchten Honig-, Nektar und Bienenproben aus den Völkern der Honigbienen sowie Pollen und Nesteingangsproben von Wildbienen-Niströhren waren frei von Rückständen. In 13 Prozent der Proben von Pollen und Bienenbrot der Honigbienenvölker und in einigen Proben der aus Erdschlamm gebauten Mittelwände der Wildbienen-Niströhren fanden sich jedoch Kleinstmengen von Thiamethoxam. Während die Rückstände in Pollen und Bienenbrot belegen, dass offensichtlich die blühenden Beikräuter im Zuckerrübenbestand nicht vollständig entfernt wurden, stammen die Rückstände in den Mittelwänden vom Feldbodenmaterial.

Selbst wenn alle Auflagen der Notfallzulassung - wie das Entfernen von Beikräutern vor der Blüte - erfüllt worden wären, hätte dies eine Exposition des Bodens und des Nistmaterials also nicht verhindert. Es ist wichtig, den in der Studie aufgezeigten Expositionsweg bei künftigen Forschungsarbeiten zu berücksichtigen.

Honigbienen nehmen nur unbedenkliche Mengen von Thiamethoxam über blühende Beikräuter auf. Die Auswirkungen auf Wildbienen müssen künftig genauer berücksichtigt werden.

Literaturstelle: 

Richard Odemer, Elsa Friedrich, Ingrid Illies, Stefan Berg, Jens Pistorius, Gabriela Bischoff: Potential Risk of Residues From Neonicotinoid-Treated Sugar Beet Flowering Weeds to Honey Bees (Apis mellifera L.), in: Environmental Toxicology and Chemistry, 42, Nr. 5, pp. 1167–1177, 2023. Doi: doi.org/10.1002/etc.5602

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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