Äcker impfen statt düngen und spritzen

  • Veröffentlicht am: 31.05.2024

In 54 Maisfeldern in der Nord- und Ostschweiz wurden Mykorrhiza-Pilze vor der Aussaat in den Boden eingearbeitet, wodurch der Ertrag gesteigert wurde. Foto: henry perks/Unsplash

Ackerböden beherbergen oft viele Krankheitserreger, die Nutzpflanzen befallen und so Erträge mindern. Eine Impfung des Bodens mit Mykorrhiza-Pilzen kann helfen, Erträge ohne zusätzliche Düngung und Pflanzenschutzmittel zu halten oder gar zu verbessern - um bis zu 40 Prozent.

Intensiver Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln auf Äckern verringert die Biodiversität und belastet die Umwelt. Daher besteht ein großes Interesse an nachhaltigen Möglichkeiten zur Ertragssicherung ohne Einsatz von Agrarchemikalien. Ein Beispiel so genannter alternativer Biologicals sind Mykorrhiza-Pilze, die als Nützlinge Pflanzen bei der Nährstoffaufnahme unterstützen.

Ein Team von Wissenschaftlern hat nun erstmals großflächig gezeigt, dass das Ausbringen von Mykorrhiza-Pilzen im Feld tatsächlich funktioniert. Auf 800 Versuchsflächen, beziehungsweise 54 Maisfeldern in der Nord- und Ostschweiz wurden die Pilze vor der Aussaat in den Boden eingearbeitet. „Die Mykorrhiza-Pilze ermöglichten auf einem Viertel der Äcker einen bis zu 40 Prozent besseren Ertrag. Das ist enorm“, so Marcel van der Heijden von der Universität Zürich und Agroscope. Die Sache hat allerdings einen Haken: Auf einem Drittel der Äcker gab es keine Ertragssteigerung oder sogar einen Ertragsrückgang. Das konnte sich das Team zunächst nicht erklären.

Auf der Suche nach der Ursache analysierten die Forscher eine Vielzahl chemischer, physikalischer und biologischer Bodeneigenschaften, darunter auch die Artenvielfalt der Bodenmikroben. „Wir haben herausgefunden, dass die Impfung vor allem dann gut funktioniert, wenn viele pilzliche Krankheitserreger im Boden vorhanden sind“, erläutert Stefanie Lutz von Agroscope. „Die Mykorrhiza-Pilze wirken wie eine Art Schutzschild bei Krankheitserregern im Boden, welche die Pflanzen schwächen würden.“ In der Folge bleibt der normal hohe Ertrag erhalten, während ohne Mykorrhiza-Pilze Ernteverlusten anfallen würden. Auf Äckern, die nicht mit Krankheitskeimen belastet sind, haben Mykorrhiza-Pilze dagegen nur einen geringen Effekt. „Dort sind die Pflanzen ohnehin schon stark und wachsen hervorragend. Das Ausbringen von Mykorrhiza bringt hier keinen zusätzlichen Nutzen“, erklärt Natacha Bodenhausen vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau.

Erfolg ist vorhersagbar

Ziel der Studie war es, vorhersagen zu können, unter welchen Bedingungen Mykorrhiza-Impfungen funktionieren. „Mit wenigen Bodenindikatoren – hauptsächlich Bodenpilzen – konnten wir den Erfolg einer Impfung in 9 von 10 Feldern prognostizieren – und damit auch bereits vor der Feldsaison den Ernteertrag“, so Klaus Schläppi von der Universität Basel. „Diese Vorhersagbarkeit erlaubt es, die Pilze dann gezielt in Äckern einzusetzen, wo diese auch funktionieren. Das wird entscheidend sein, damit sich diese Technologie zu einer zuverlässigen landwirtschaftlichen Methode entwickeln kann.“

Noch sind weitere Forschungen dazu nötig, wie sich die Pilze am einfachsten großflächig ausbringen lassen. „Die Ergebnisse dieses Feldversuches sind aber schon jetzt ein großer Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft“, erklärt Marcel van der Heijden.

Literaturstelle: 

Lutz, S., Bodenhausen, N., Hess, J. et al. Soil microbiome indicators can predict crop growth response to large-scale inoculation with arbuscular mycorrhizal fungi. Nat Microbiol 8, 2277–2289 (2023). https://doi.org/10.1038/s41564-023-01520-w

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