Hummeln maximieren Energieertrag

  • Veröffentlicht am: 25.01.2024

Anders als Honigbienen nutzen Hummeln jede verfügbare Gelegenheit zur Nahrungssuche optimal. Foto: Benjamin Watson/Flickr, CC BY 2.0 DEED

Hummeln treffen bei der Nahrungssuche Entscheidungen, um die Nektarmenge zu maximieren, die sie sammeln.

Hummeln bewerten ständig die Qualität des gesammelten Nektars und darüber auch noch die Zeit, die sie für das Sammeln benötigen. So optimieren sie ständig ihr Futtersuchverhalten.

„Das Verständnis, wie Bienen Entscheidungen bei der Nahrungssuche treffen, könnte genutzt werden, um Vorhersagen darüber zu treffen, welche Arten von Blumen die Bienen wahrscheinlich besuchen werden“, so Studienautor Dr. Jonathan Pattrick von der Universität Oxford.
Das könnte im Ergebnis Einfluss auf die Wahl der Blütenpflanzen haben, die an Feldrändern gepflanzt werden sollten.

Um zu untersuchen, wie Hummeln entscheiden, mit welchen Blumen sie interagieren, verwendete das Team der Forscher einen Ansatz, bei dem sie Dunklen Erdhummeln beibrachten, vertikal und horizontal ausgerichtete künstliche Blumen mit rutschiger Oberfläche zu besuchen. Die Blüten enthielten unterschiedlichen Nektar: mit hohem, mittlerem oder niedrigem Zuckergehalt. Zudem mussten die Hummeln einen Kompromiss zwischen der Schwierigkeit beim Erreichen einer bestimmten Blume und ihrer Nektarzuckerkonzentration finden - soweit die Theorie.

Ein spezielles Computerprogramm wurde verwendet, um das Verhalten der Hummeln im Bruchteil einer Sekunde zu messen, während sie entschieden, ob sie Nektar mit hohem Zuckergehalt von rutschigen Blüten sammeln wollten, wofür sie beim Schweben Energie aufwenden mussten, oder Nektar mit niedrigerem Zuckergehalt von Blüten, auf denen sie landen konnten. Die Wissenschaftler erfassten insgesamt über 60.000 einzelne Verhaltensbeobachtungen und konnten so die Energie der Nahrungssuche präzise einschätzen.

Die Datenauswertung zeigte deutlich, dass Hummeln Blumen wählten, die entweder schwer zu handhaben waren, aber zugleich eine hohe Nektarbelohnung aufwiesen, oder eine geringe Zuckerkonzentration aufwiesen und leicht zugänglich war - je nachdem, welche Blüten den höchsten Ertrag brachten. Die Entscheidungen passen zu einem Modell, bei dem die Währung die Energie-Rendite-Rate und nicht die energetische Effizienz ist. In letztem Fall erfolgt eine Minimierung der Energiemenge, die für die bei der Nahrungssuche gewonnene Energie aufgewendet wird.

Mit anderen Worten: Hummeln wählen Nektarquellen, die am meisten Nektar für das Hummelvolk bieten, ohne die Energieeffizienz der Nahrungssuche an erste Stelle zu stellen. Die gewonnenen Ergebnisse unterscheiden sich von früheren Erkenntnissen bei Honigbienen, die zeigten, dass Honigbienen stattdessen die Energieeffizienz maximieren.

„Hummeln haben einen anderen Lebensstil als Honigbienen: Sie lagern nur eine sehr kleine Menge Nektar im Nest und müssen daher jede verfügbare Gelegenheit zur Nahrungssuche optimal nutzen“, so Jonathan Pattrick. „Dieser Unterschied zwischen den Arten könnte der Grund dafür sein, dass Hummeln eine Strategie verfolgen, bei der ihre Nahrungssuche der Kolonie einen unmittelbareren Nutzen bringt, auch wenn das bedeutet, dass sie härter arbeiten müssen, während Honigbienen einen relativ maßvollen Lebensstil pflegen – und zwar um ihre Lebenserwartung zu verlängern.“

Laut Jonathan Pattrick sollte in künftigen Arbeiten untersucht werden, ob Hummeln diesen Ansatz konsequent verwenden, auch wenn sich der Nahrungskontext ändert.

„In Großbritannien sind wildlebende Hummeln bedroht und im letzten Jahrhundert zurückgegangen. Wenn wir diese charismatischen Arten erhalten wollen, ist es wichtig, ihre Biologie und ihr Verhalten zu verstehen. Die Klärung, wie Hummeln ihre Entscheidungen bei der Nahrungssuche treffen, ist ein weiterer Teil dieser komplexen Geschichte.“

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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