Bienensterben im Straßenverkehr
Warnschilder vor Bienen im Straßenverkehr gibt es noch nicht. Bild: Niels Gründel
Täglich fallen Millionen Bestäuber Fahrzeugkollisionen entlang der Autobahnen in den westlichen US-Bundesstaaten zum Opfer. Da es sich bei Bienen um wichtige Bestäuber handelt, könnten die Folgen dieser Todesfälle erheblich sein.
Wenn ein großes Säugetier von einem Kraftfahrzeug angefahren wird, ist der Schaden in der Regel groß. Um diese Vorfälle zu verringern, werden meist Warnschilder aufgestellt.
Kollisionen mit den erheblich kleineren Bienen bleiben oft unbemerkt oder werden von Autofahrern als nervige Verschmutzung der Windschutzscheibe wahrgenommen. Die Bedeutung, argumentiert Joseph Wilson, Forscher an der Utah State Universität, sei jedoch viel größer: „Bienen spielen eine zentrale Rolle in unserem Ökosystem. Die Folgen ihrer häufigen Kollisionen mit Fahrzeugen gehen weit über eine geringfügige Unannehmlichkeit für die Reise hinaus. Tatsächlich könnten die Auswirkungen des Bienensterbens, das jeden Tag im Minutentakt auftritt, schwerwiegender sein, als wir dachten.“
Kollisionen mit großen Tieren sind leicht zu messen, bei kleinen Bienen ist das deutlich schwieriger. Das Team von Forschern um Joseph Wilson nutzte Klebefallen, die an Stoßstangen von Autos befestigt waren, und extrapolierte die gesammelten Daten anhand von Statistiken des Verkehrsministeriums. Die hochgerechnete Zahl der getöteten Bienen sei ernüchternd.
„An Straßenrändern, insbesondere in trockenen Landschaften, gibt es aufgrund des Wasserabflusses von den Straßen mehr blühende Pflanzen“, so Joseph Wilson.
In der Wüste beherbergen diese Pflanzengemeinschaften am Straßenrand oft vielfältige Bienengemeinschaften. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse des Teams der Wissenschaftler, dass Straßen mit den höchsten Todeszahlen für Bienen oft in der Nähe von Nationalparks liegen, wo die Besucherzahlen aufgrund eines stetigen Stroms von Kraftfahrzeugen in die Höhe geschossen sind.
Letztlich entscheidet die Qualität des Lebensraums am Straßenrand darüber, ob Insekten am Straßenrand bleiben oder ob sie sich entscheiden, die Straße zu überqueren, um dort nach besseren Futterplätzen zu suchen.
Anpflanzungen entlang von Straßen und auf Mittelstreifen sollen eigentlich Bestäubern einen Lebensraum geben. Daher wurde die Schaffung entsprechender Lebensräume in vielen Ländern gefördert.
„Dies ist möglicherweise nicht in allen Bereichen die beste Lösung, wenn diese Anpflanzungen Insekten dazu ermutigen, Straßen zu überqueren, um an diese Ressourcen zu gelangen“, so Joseph Wilson.
Es ist daher eine schwierige Frage, wie man einen bienenfreundlichen Lebensraum schafft, ohne Bienen dabei zu gefährden.
„Wir haben viele Fragen aufgeworfen“, sagt Joseph Wilson. „Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um besser zu verstehen, wie sich Straßen und Lebensräume am Straßenrand auf die Bewegung von Insekten auswirken, und um herauszufinden, wie Straßendesign und -wartung sowie Fahrzeugdesigns für die Bestäuber weniger schädlich sein können.“
Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten: „Einige Studien zeigen, dass ein gesunder Lebensraum am Straßenrand die Bewegung von Bestäubern entlang der Straße erleichtert“, so Joseph Wilson. „Mit etwas gutem Willen können Landschaften entlang von Straßen wiederhergestellt werden, um Bestäubergemeinschaften zu unterstützen und die Notwendigkeit von Straßenüberquerungen zu reduzieren.“
Dennoch fordern Lebensraumveränderungen, Lebensraumfragmentierung und Lebensraumverlust einen düsteren Tribut von Bestäuberpopulationen.
„Bienen sind Schlüsselarten, die die Pflanzenvielfalt und -reproduktion unterstützen“, erklärt Jospeh Wilson. „Zu verstehen, wie wir Bestäuber auf Landschaftsebene unterstützen können, ist ein wichtiger Schritt zum Schutz dieser wichtigen Insekten.“