Logische Hummeln
Der Aufbau der Versuche, die die Hummeln meistern mussten. Quelle: Martin-Ordas, 2024/CC BY 4.0
Logisches Denken ist eine Fähigkeit, die auch Hummeln beherrschen, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.
Die Experimente der Studie wurden im Sommer 2023 durchgeführt. Dazu wurden in der schottischen Grafschaft Stirlingshire wild lebende Hummeln unterschiedlicher Arten eingefangen: Ackerhummeln, Baumhummeln, Dunkle Erdhummeln, Gartenhummeln und Wiesenhummeln. Die Hummeln wurden über einen Zeitraum von zwei Stunden in einem transparenten Plastikrohr gehalten, bevor sie unverletzt freigelassen wurden.
Der Versuch war so aufgebaut, dass die Hummeln, mit Zucker überzogene Papierstreifen finden mussten. Dabei wurden Position und Farbe der Streifen variiert.
Insgesamt mussten sich die Hummeln mit ihren Fähigkeiten in drei Experimenten beweisen, einen „belohnten“ Reiz mithilfe direkter oder unvollständiger Informationen zu lokalisieren. Letzteres erfordert schlussfolgerndes Denken.
Die Experimente wurden zuvor in ähnlicher Form bei Primaten durchgeführt und nun auf die motorischen Fähigkeiten von Hummeln angepasst. Den Hummeln wurden entweder zwei Papierstreifen (Experiment 1), drei Papierstreifen (Experiment 2) oder zwei Papierstreifenpaare (Experiment 3) präsentiert. Sie erlebten, dass einer davon belohnt und einer nicht belohnt wurde. Die Hummeln konnten beim Test zwischen zwei (Experiment 1), drei (Experiment 2) oder vier Papierstreifen (Experiment 3) wählen. Sie meisterten alle drei Aufgaben.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Hummeln deutlich über dem Zufall an den richtigen Stellen suchten. Dies zeigt erstmals, dass Insekten zu schlussfolgerndem Denken fähig sind, was eines der Kennzeichen der menschlichen Wahrnehmung ist.
Dass Bienen über Fähigkeiten des logischen Denkens verfügen, haben schon Studien der Vergangenheit zeigen können. Die aktuellen Ergebnisse gehen darüber allerdings hinaus und erweitern diese Erkenntnisse: Bienen sind zu schlussfolgerndem Denken fähig. Sie bilden wahrscheinlich eine Erwartungshaltung über den Standort des belohnenden Streifens, sobald sie auf einen nicht belohnenden Streifen treffen.
„Meine Studie untersuchte die Fähigkeit, eine Entscheidung durch Ausschluss von Alternativen zu treffen, bekannt als schlussfolgerndes Denken, das normalerweise als einzigartig menschlich und sprachabhängig angesehen wird. Inferentielles Denken ist eine Art logischen Denkens, das es Organismen ermöglicht, Probleme mit unvollständigen Informationen zu lösen“, erläutert Dr. Gema Martin-Ordas von der Universität Stirling. „Wenn mir beispielsweise zwei Becher präsentiert werden und mir gesagt wird, dass einer davon eine schöne Belohnung verbirgt, kann ich, wenn ich einen davon hochhebe und sehe, dass er leer ist, daraus schließen, dass die Belohnung in dem Becher verborgen ist, der nicht hochgehoben wurde.“
Auch wenn das Ergebnis insgesamt überraschen mag, ist es nicht so unwahrscheinlich: Denn beim Navigieren in der physischen Welt sind Bienen regelmäßig mit vergleichbaren Situationen konfrontiert, in denen sie eine Entscheidung treffen müssen und dies auf der Basis unvollständiger oder fehlender Informationen.
Die Nutzung verfügbarer Informationen, um daraus auf fehlende Informationen zu schließen, kann von Vorteil sein, beispielsweise wenn sich eine Biene entscheiden muss, ob sie eine Blüte aufsuchen soll oder nicht und die Blüte keine Duftmarken aufweist.
Hummeln wählen eine korrekte Möglichkeit aus, indem sie alternative Optionen ausschließen.
Es ist das erste Mal, dass eine entsprechende Fähigkeit bei Insekten nachgewiesen wurde. Es ist daher naheliegend, dass dafür keine außerordentlich großen Gehirne benötigt werden.
Die Ergebnisse können nach Ansicht von Gema Martin-Ordas als sehr robust betrachtet werden, da die Leistung der Hummeln über alle durchgeführten Experimente hinweg konsistent waren.
Zahlreiche Hummel-Arten sind weltweit rückläufig, nicht anders in Großbritannien, wo diese Studie durchgeführt wurde. Dort sind zwei Arten bereits ausgestorben und acht der verbleibenden 24 Arten werden aufgrund großflächiger Rückgänge ihrer Verbreitung als Arten mit Schutzpriorität geführt.
„Das Bienensterben ist zu einem sehr öffentlichen Symbol der Umweltzerstörung geworden, was Bemühungen zum Schutz durch die öffentliche Aufmerksamkeit angekurbelt hat“, so Gema Martin-Ordas. „Diese Bemühungen um den Schutz wurden durch viele der faszinierenden Entdeckungen über die Wahrnehmung der Bienen weiter vorangetrieben. Ich hoffe, dass die Ergebnisse meiner Studie auch zu diesen Bemühungen um den Schutz beitragen werden.“