Pestizide wirken auf das Gewebe von Bienen
Pestizide gelangen zum Einsatz, ohne ihre Auswirkungen auf nützliche Insektenbestäuber vollständig zu verstehen. Foto: Heather Wilde/Unsplash
Die Belastung mit Neonicotinoiden wirkt auf verschiedene Körperteile von Hummeln ganz unterschiedlich. Die Konsequenzen von Pestiziden sind alles andere als einheitlich.
Das Gehirn, die Beine und nierenähnliches Gewebe wird auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt. Ein Team von Wissenschaftlern hat Hummeln einer feldrealistischen Dosis Clothianidin ausgesetzt. Darauf hin stellten sie sehr große Unterschiede in der Genaktivität des Körpergewebes fest – 82 % der Veränderungen der Genaktivität waren gewebespezifisch.
„Jedes von uns untersuchte Gewebe war stark von dem Pestizid betroffen“, erklärt Professor Yannick Wurm von der Queen Mary Universität London. „Die Auswirkungen der Pestizidbelastung auf den gesamten Körper zu sehen, hilft, die vielschichtigen Probleme der betroffenen Bienen zu erklären, von Bewegungseinschränkungen bis hin zu verminderter Lernfähigkeit und geschwächtem Immunsystem.“
Pestizide der Neonicotinoid-Klasse wie Clothianidin werden in vielen Teilen der Welt eingesetzt, um Nutzpflanzen vor Schädlingen zu schützen. Frühere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass selbst geringe Dosen das Überleben nützlicher Insekten bedrohen können. In dieser Studie verwendeten die Forscher eine hochauflösende molekulare Diagnostik, um die spezifischen molekularen Wege zu ermitteln, die durch die Pestizidbelastung gestört wurden. Diese Untersuchungsmethode gelangt in der Biomedizin häufig zum Einsatz.
Sie zeigte bei diesen Studienuntersuchungen, dass beispielsweise Gehirngene betroffen sind, die am Ionen-Transport beteiligt sind, während der hintere Oberschenkel (der für die Bewegung entscheidend ist) Veränderungen in muskelspezifischen Genen aufwies und die Entgiftungsgenaktivitäten der Malpighischen Gefäße – dem funktionellen Äquivalent der Nieren – abnahmen.
„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass herkömmliche Risikobewertungen von Pestiziden, die häufig gewebespezifische Schäden übersehen, die subletalen Auswirkungen auf Bestäuber nicht vollständig erfassen“, sagt Dr. Federico López-Osorio von der Queen Mary Universität London.
Die Forscher betonen, dass diese Veränderungen, die Mustern bei Alterung und Krebs ähneln, auf eine tiefgreifende Bedrohung für die Gesundheit der Bienen hinweisen – sie beeinträchtigen jedes Gewebe auf schädliche Weise.
„Wir wenden Pestizide an, ohne ihre Auswirkungen auf nützliche Insektenbestäuber vollständig zu verstehen“, so Studienautorin Dr. Alicja Witwicka von der Queen Mary Universität London. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass jedes Gewebe auf eine Weise beeinträchtigt wird, die seine lebenswichtige Rolle untergräbt, weshalb die Auswirkungen so verheerend und weitreichend sind. Diese Forschung ist ein Aufruf zum Handeln, um zu überdenken, wie wir Pestizide bewerten, regulieren und anwenden, nicht nur um Bestäuber zu schützen, sondern auch die Ökosysteme, die von ihnen abhängen.“
Die Studie unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Sicherheitspraktiken bei Pestiziden neu zu bewerten, um weiteren Schaden für natürliche Bestäuber zu verhindern – Arten, die für die Produktion vieler Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, und für den Erhalt der Artenvielfalt unverzichtbar sind.