Zusammenhang zwischen Landschaft und Pestizidbelastungen

  • Veröffentlicht am: 26.10.2026

Bienen sind Pestiziden in unterschiedlichen Lebensräumen ausgesetzt. Foto: Eric Brehm/Unsplash

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten darauf hin, dass die Umgebung, in der Bienen leben, die Pestizidrückstände in Honig und Bienenwachs stark beeinflusst. Dies gilt nicht nur für Neonicotinoide, die systemisch auf Pollen und Nektar übertragen werden, sondern auch für nicht-systemische Pestizide.

Pestizide können schwerwiegende negative Auswirkungen auf Bienen haben und die Belastung durch Pestizide kann von der umgebenden Landschaft abhängen, in der sie Nahrung suchen.

In einer Studienarbeit hat ein Team von Wissenschaftlern unterschiedliche  Landnutzungskategorien untersucht und die Pestizidbelastungen Japanischer Honigbiene Apis cerana japonica, der in Japan endemischen Unterart der Östlichen Honigbiene Apis cerana untersucht. Ermittelt wurden die Konzentrationen der wichtigsten Pestizide in Honig und Bienenwachs bei 175 Honigbienenvölkern aus ganz Japan.
Die Ergebnisse der gefundenen Pestizid-Konzentrationen wurden in Beziehung gesetzt zur jeweiligen Kategorie der Landnutzung rund um den Standort der Bienenvölker.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Umgebung, in der die Bienen leben, die Pestizidrückstände im Bienenstock stark beeinflusst, mit einem klaren Trend für jede Landnutzungskategorie. Landwirtschaftliche Flächen, insbesondere Reisfelder und Obstanbaugebiete sowie städtische Gebiete führten zu einer höheren Pestizidbelastung; Wälder stellten dagegen nur ein geringes Belastungsrisiko dar.

Bei einigen Pestiziden war jedoch der entgegengesetzte Trend zu beobachten, mit einem höheren Expositionsrisiko in Wäldern. Andere Landnutzungen zeigten keinen signifikanten Trend.

Der Zusammenhang wurde nicht nur für systemische Neonicotinoide, sondern auch für Organophosphor-, Carbamat-, Pyrethroid- und Diamid-Pestizide und ein Herbizid festgestellt.

Diazinon und Chlorantraniliprol wurden in signifikanten Mengen auf Reisfeldern nachgewiesen, während Acetamiprid, Dinotefuran und Glyphosat beim Obstanbau signifikant waren. Auf Teeplantagen und Ackerland hingegen bestand kein hohes Expositionsrisiko. Vorhersagen einer Pestizidexposition auf landwirtschaftlichen Flächen müssen daher die Art der Landnutzung berücksichtigen. Da die Blütezeiten von Reis und Obstbäumen sehr begrenzt sind, könnte eine anhaltende Pestizidexposition durch nicht zu Nutzpflanzen gehörende Blühpflanzen auf und um landwirtschaftliche Flächen ein wesentlicher Faktor sein, der zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Pestizidexposition beiträgt. Daher muss nicht nur die Belastung durch Nutzpflanzen, sondern auch durch umliegende Wildpflanzen innerhalb und außerhalb landwirtschaftlicher Flächen berücksichtigt werden.
Die landwirtschaftliche Praxis, mit Pestiziden umhülltes Saatgut auszubringen und die Aussaat mit großen Maschinen, ist in Japan nicht üblich. Angesichts der charakteristischen Merkmale der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Japan und der großen Vielfalt an Nutzpflanzen, die auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden, ist die Belastungsmenge jedes Pestizids im Nahrungsbereich der Bienen möglicherweise nicht sehr groß.

In städtischen Gebieten ergab die quantitative Bewertung eindeutig eine Belastung im Zusammenhang mit drei Neonicotinoiden – Clothianidin, Dinotefuran und Thiamethoxam.
Glyphosat wurde in über 20 % der Honigproben nachgewiesen, mit einem positiven Zusammenhang zwischen städtischen Gebieten und Obstanbaugebieten. Neonicotinoide und Glyphosat sind nicht nur in landwirtschaftlichen Produkten enthalten, sondern auch in einer Vielzahl von Pestiziden, die in städtischen Wohn-, Sport- und Erholungsgebieten verwendet werden und in Zierpflanzen, die als bienenfreundlich gelten. Das führt dazu, dass Bienen selbst in städtischen Gebieten häufig damit in Berührung kommen.

Die Daten zeigen zudem, dass einige Pestizide in bestimmten Landnutzungskategorien nachgewiesen wurden, obwohl sie dort nicht zu erwarten waren. Nitenpyram wurde in natürlichen Wäldern und Fenobucarb in Wirtschaftswäldern gefunden. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse Diazinon in Reisfeldern. Diazinon wird derzeit in Japan nicht auf Reisfeldern eingesetzt. Diese unerwarteten Ergebnisse weisen daher wahrscheinlich auf Abdrift und Kontamination über verschiedene Landnutzungen hinweg, langfristige Rückstände im Boden und ungesicherte Informationen über den tatsächlichen Status der Verwendung von Pestiziden.

Literaturstelle: 

Hisamoto, S., Ikegami, M., Goka, K. et al. The impact of landscape structure on pesticide exposure to honey bees. Nat Commun 15, 8999 (2024). https://doi.org/10.1038/s41467-024-52421-3

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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