Honigbienen erkennen tote Artgenossen sicher

  • Veröffentlicht am: 13.07.2026

Spezialisierte Bestatterinnen im Volk erkennen tote Artgenossen sicher. Foto: Kai Wenzel/Unsplash

Arbeiterinnen bei Honigbienen nehmen unterschiedliche Aufgaben wahr. Eine spezielle Gruppe übernimmt die Aufgabe, tote Bienen aus dem Stock zu entfernen, quasi Bestatterbienen. Doch woran erkennen die Bestatterinnen überhaupt tote Bienen im Volk?

Die Bestatterinnen erkennen tote Honigbienen erstaunlicherweise fast sofort. So können sie deren tote Körper möglichst schnell aus dem Bienenvolk entfernen. Das Entfernen toter Honigbienen aus dem Volk ist von großer Bedeutung, da es das potenzielle Risiko der Übertragung von Krankheitserregern bei den sozialen Insekten maßgeblich verringert.

In einer Studienarbeit untersuchte ein Team von Wissenschaftlern unterschiedliche Faktoren, um dem Geheimnis der Honigbienen auf die Spur zu kommen. Dazu nutzten sie lebende und tote Östliche Honigbienen Apis cerana und verglichen Körpertemperatur und flüchtige Stoffe mittels Gaschromatographie (GC) und Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (GC-MS).

Anschließend analysierten sie mithilfe von Wärmebildern und Simulationen den Einfluss der Körpertemperatur auf die austretenden kutikulären Kohlenwasserstoffe.
Sie testeten darüber hinaus auch die Empfindlichkeit der Bienen an ihren Antennen gegenüber bestimmten kutikulären Kohlenwasserstoffen.

Chemisch betrachtet besteht der wichtigste Unterschied zwischen lebenden und toten Bienen in weniger abgegebenen kutikulären Kohlenwasserstoffen bei toten Bienen und steht insofern mit der Kutikula in Verbindung. Nach den durchgeführten Temperatur- und Dampfdruckanalysen kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die verringerte Abgabe kutikulärer Kohlenwasserstoffe durch die absinkende Körpertemperatur toter Bienen verursacht wird. Die Absonderungen der chemischen Stoffe Heptacosan und Nonacosan scheinen dabei von besonderer Bedeutung zu sein.

Im weiteren Verlauf experimentierten die Wissenschaftler mit unterschiedlichen Faktoren, u. a. Heizvorrichtungen. Die durch die Körperwärme abgegebenen kutikulären Kohlenwasserstoffe stellten sich als das Lebenssignal aktiver Bienen heraus, das das Verhalten der Bestatterinnen hemmt.

Die Körperwärme allein stellt allerdings kein ausschlaggebendes Lebenssignal dar: In einem Versuch wurden Bienen zwar erwärmt, aber durch das Auswaschen mit Lösungsmitteln wurden zuvor die kutikulären Kohlenwasserstoffe verringert. Wurden tote Bienen in weiteren Versuchen erwärmt, aber zuvor mit unterschiedlichen Mengen Wachs überzogen, wurden sie abhängig von der verwendeten Wachsmenge unterschiedlich schnell entfernt. Das deutet darauf hin, dass die Aktivierung der Bestatterinnen dosisabhängig ist - Bienen mit niedrigeren kutikulären Kohlenwasserstoff-Absonderungen wurden schneller entfernt.

„Diese Studie bestätigt, dass kutikulären Kohlenwasserstoffe ein Lebenssignal für eine empfindliche und unkomplizierte Todeserkennung sind, die von den Bestatterinnen genutzt werden“, so Studienautor Ping Wen vom Xishuangbanna Tropical Botanical Garden.

Die chemische Kommunikation der Insekten ist auf die Körpertemperatur abgestimmt, die übrigen chemischen Signale hängen zu einem wesentliche Teil davon ab. Die zunehmende Häufigkeit extremer Wetterereignisse kann zu einer ungenauen Todeserkennung führen und die Gesundheit von Honigbienenvölkern beeinträchtigen.

Der Zugang zur Studie ist beschränkt (Paywall).
Indexierung