Glyphosat-Freispruch wohl gekauft

  • Veröffentlicht am: 18.05.2016

Auf seiner außerordentlichen Tagung vom 9. bis 13. Mai in Genf ist das WHO/FAO-Fachgremium „Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues“ (JMPR) zu dem Schluss gekommen, dass es unwahrscheinlich sei, dass Glyphosat ernährungsbedingt ein Krebsrisiko für den Menschen darstellt. Das JMPR ist ein gemeinsames Fachgremium der WHO und der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Die WHO hatte 2015 nach der Veröffentlichung des Berichts der International Agency for Research on Cancer (IARC) eine Expert Task Force eingerichtet, um die unterschiedlichen Bewertungen von IARC und JMPR zu ergründen. Diese Taskforce empfahl im August 2015, den Wirkstoff Glyphosat fachlich neu zu bewerten. Dies erfolgte nunmehr in der außerordentlichen Sitzung des JMPR im Mai 2016.

In ihrer nun veröffentlichten Zusammenfassung kommt das JMPR zu dem Schluss, dass Glyphosat eine sehr geringe akute Toxizität aufweist und dass die überwältigende Mehrheit der Studien keine genotoxischen Effekte zeigt. Das Gremium kommt zu dem Ergebnis, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass durch Glyphosat-Rückstände in der Nahrung ein Krebsrisiko für den Menschen ausgeht.

Ursula Lüttmer-Ouazane von Monsanto Agrar Deutschland GmbH und Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Glyphosat (AGG) freut sich: „Wir sehen uns durch das Ergebnis erneut bestätigt. Mit dieser gemeinschaftlichen Bewertung durch das WHO- und FAO-Fachgremium ist ein weiteres Mal dem wiederholt eingeforderten Vorsorgeprinzip Genüge geleistet worden. Aufgrund der positiven Sicherheitsbewertungen der zuständigen Behörden sollte einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat um weitere 15 Jahre fachlich nichts im Wege stehen. Wir gehen davon aus, dass nunmehr die zunehmend politisierten und teilweise unsachlichen Kampagnen ein Ende finden. Glyphosat ist ein wertvoller Baustein einer modernen und nachhaltigen Landwirtschaft.“

Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat ist ein informeller Zusammenschluss, in dem sich die Unternehmen ADAMA Deutschland GmbH, Cheminova Deutschland GmbH & Co. KG, Dow AgroSciences GmbH, Helm AG, Monsanto Agrar Deutschland GmbH, Nufarm Deutschland GmbH und Syngenta Agro GmbH engagieren.

Alles nur gekauft?

Die Freude währt aber nur kurz, denn nach Recherchen des britischen Guardian gibt es massive Interessenskonflikte: Der Vorsitzende und Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe der FAO und WHO zu Pestiziden, die Glyphosat nun für unbedenklich erklärt hatte, haben auffällig viel Geld erhalten. Professor Alan Boobis, der Vorsitzende des JMPR, ist gleichzeitig Vize-Präsident des International Life Science Institute (ILSI) Europe. Nach Informationen des Guardian erhielt ILSI im Jahr 2012 eine Spende über 500.000 US-Dollar von Monsanto sowie eine weitere Spende über 528.500 US-Dollar von der Pestizidlobby Croplife International, in der unter anderem Monsanto, Dow und Syngenta vertreten sind. Auch ein weiteres Mitglied des JMPR, Angelo Moretto, ist Vorstandsmitglied eines Instituts das zu ILSI gehört. Moretto war Ko-Vorsitzender der entscheidenden Sitzung über Glyphosat.

Gerald Neubauer von der Bürgerbewegung Campact zeigt sich empört: „Der Glyphosat-Freispruch von FAO/WHO war anscheinend von Monsanto mitfinanziert. Das grenzt an Korruption.“ Die betroffenen UN-Organisationen sind durchaus schlecht beraten, im Zweifel Lobbyisten mit millardenschweren Interessen für sich sprechen zu lassen. Neubauer fordert daher als Konsequenz: „FAO und WHO dürfen nicht zulassen, dass Experten mit Interessenskonflikten über die Risiken von Glyphosat urteilen. Boobis und Moretto dürfen nicht weiter für das JMPR arbeiten. Nur so können die UN-Institutionen ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen.“

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