Städte als wichtiger Schutzraum für Wildbienen

  • Veröffentlicht am: 26.09.2017
Städte können für manche Wildbienen wichtige Lebensräume sein. Foto: Niels Gründel

Weltweit verschwinden immer mehr Wildbienenarten aus vielen ländlichen Gebieten. Städtische Gebiete werden damit potenzielle Erhaltungsgebiete von besonderer Bedeutung. Die genauen Auswirkungen der Urbanisierung auf Bestäuber und dabei insbesondere auf Wildbienen sind jedoch weitgehend unklar. Mit Berlin als Studienregion haben Wissenschaftler nun genauer untersucht, ob diese Grünflächen von Wildbienen als Lebensraum genutzt werden und wie die Wildbienenarten durch unterschiedliche Lebensräume innerhalb der Städte beeinflusst werden. Zuletzt haben die Forscher noch untersucht, inwieweit die Wiederherstellung von Wiesenflächen Bienen in städtischen Umgebungen fördern kann.

Durchgeführt wurde die Studie 2012 im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf, der durch großräumige Wohngebiete der 80er Jahre, aber auch Flächen mit freistehenden Wohn- und Gewerbeflächen charakterisiert ist. Grünflächen im Untersuchungsgebiet waren zahlreiche vorhanden. Die öffentlichen Grünflächen im Bezirk – rund 5 % der Fläche des Bezirks – wird noch um zahlreiche private Grünflächen innerhalb und außerhalb der Wohnblocks ergänzt. Sie bestehen oft aus einer Mischung von Waldgebieten und Wiesen, darunter Rasenflächen und Wiesen, die sowohl häufig als auch selten gemäht werden. Um die Kosten zu senken, werden viele der Wiesenflächen immer seltener gemäht.
Für die Studie wurden 30 Orte ausgewählt, die ziemlich gleichmäßig über den ganzen Bezirk verteilt waren und unterschiedlichen Lebensräumen entsprachen: Ödland mit einer Mischung aus Wiesen und krautige Vegetation, Ruderalgrasland, selten gemähte Rasenflächen und zuletzt gepflegten Wiesen und Rasenflächen.

Vorhandene Studien zeigen sowohl positive als auch negative Effekte von Städten für die Bienenvielfalt. Bisher haben aber nur wenige Studien die Urbanisierungseffekte auf Artenverbände und einzelne Arten gleichermaßen untersucht. Im Gegensatz zu früheren Studien wurden nun auch verschiedene qualitative und quantitative Merkmale der Vegetation in die Analysen mit einbezogen.

Insgesamt wurden im Verlauf der Studie 62 Bienenarten mit 1.706 Exemplaren angetroffen. Davon wurden 38 Arten mit drei oder mehr Individuen untersucht. Die häufigste Art war die europäische Honigbiene Apis mellifera mit 430 Exemplaren, auf die etwa 25 % der Zählungen entfielen. Andere häufige Arten waren Acker-Schmalbienen Lasioglossum pauxillum (359 Exemplare), Dunkelgrüne Gold-Schmalbienen Lasioglossum Morio (223), Dunkelfransige Hosenbienen Dasypoda hirtipes (141) und Gemeine Sandbienen Andrena flavipes (66).

Bei näherer Betrachtung der einzelnen Orte, zeigt sich, welche Bienen mit der Verstädterung besser oder weniger gut klarkommen: Fünf Arten (Steinhummel Bombus lapidarius, Dunkle Erdhummel Bombus terrestris, Rainfarn Seidenbiene Colletes similis, Dunkelfransige Hosenbiene Dasypoda hirtipes und Dichtpunktierte Goldfurchenbiene Halictus subauratus) scheinen sich gut an stark urbanisierten Standorte anpassen zu können, während vier Arten (Gemeine Sandbiene Andrena flavipes, Ackerhummel Bombus pascuorum, Feldweg-Schmalbiene Lasioglossum malachurum und Zottige Schmalbiene Lasioglossum Villosulum) darauf sensibel reagieren.

Die Blütendichte hatte insgesamt positive Effekte. Im Gegensatz dazu besaßen die untersuchten isolierten Gebiete einen negativen Einfluss auf die Arten.
Die Studienergebnisse zeigen, dass die Wiederherstellung von Wiesen die Zahl und Vielfalt von Wildbienen in städtischen Gebieten erhöht. Städte stellen daher wertvolle Ersatzlebensräume für die Fauna und Flora dar, bei nur geringen Kosten für die (Nicht-)Bewirtschaftung.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass städtische Gebiete ein einzigartiges ökologisches Umfeld mit warmem Klima und hoher Lebensraumvielfalt bieten, was zu unterschiedlichen Nist- und Nahrungsmöglichkeiten führt. Darüber hinaus ist der Pflanzenartenreichtum in Städten meist höher als in ländlichen Gebieten und Pflanzen sind seltener mit Pestiziden behandelt als in landwirtschaftlichen Gebieten.

Urbanisierung, Management und der Reichtum unterschiedlicher Pflanzenarten hatte zusammengefasst mehr positive als negative Auswirkungen.
Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass ihre Ergebnisse eindeutig die Erkenntnis bestätigen, dass Städte für Wildbienen lebensnotwendige Lebensräume bieten. Die Studie zeigt, dass nicht nur blumenreiche Gärten und Wiesen in Parks wertvolle städtische Lebensräume für Insekten sind, sondern ebenso (bewirtschaftete) Wiesen in Wohngebieten.

Die Urbanisierung ist daher nicht per se negativ, aber sie beeinflusst die Urbanisierungsgewinner und -verlierer auf unterschiedliche Weise. Anders als andere weniger ansprechende Bestäuberspezies sensibilisieren Bienen am ehesten das Bewusstsein der Menschen für die Biodiversität und spielen daher eine wichtige Rolle im Bereich des Naturschutzes. Sie können daher eine wertvolle Hilfe bei der Renaturierung von Flächen sein.
Dabei bieten unterschiedlich strukturierte Grünflächen in großflächigen Wohngebieten zusätzliche Lebensräume und Schutzräume für Bestäuber. Ein biodiversitätsfreundliches Management in städtischen Gebieten kann daher von besonderer Bedeutung sein, da der anthropogene Druck in vielen ländlichen Gebieten zunimmt.

Literaturstelle: 

Fischer LK, Eichfeld J, Kowarik I, Buchholz S. (2016) Disentangling urban habitat and matrix effects on wild bee species. PeerJ 4:e2729 https://doi.org/10.7717/peerj.2729

Die Studie ist in vollem Umfang frei zugänglich (Open Access).
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